09.06.2011

Wildnisexpedition? Alaskadurchquerung? Wildwasserrafting? Alles Quatsch!!! Das Packraft als Spaßboot: Packraft-Surfen auf der Ostsee

Juni 2011: Ostsee - Insel Rügen - Ostküste - Baabe - kilometerlanger Sandstrand :-)


26°C und Sonne satt. Wir waren schon seit dem Vormittag am Strand und bauten Sandburgen mit den Kindern oder dösten in der Strandmuschel vor uns ihn. Den ganzen Tag blies schon eine leichte Brise aus Osten auf unseren Strand. Ich schnappte mir am Nachmittag mein Packraft und ließ es ein bisschen in den Wellen hüpfen. Das machte zwar Spaß, aber so recht zufrieden war ich damit noch nicht. Doch gegen Abend frischte der Wind etwas auf. " Das könnte noch was werden", dachte ich mir.


Kurz nach 19 Uhr war es endlich soweit! Ein auflandiger Ostwind der Stärke 3 bis 4 bescherte mir herrliche Schaumkämme auf den Wellen und die tief stehende Abendsonne sorgte für die richtige Atmosphäre am mittlerweile menschenleeren Sandstrand.
Schnell war ich mit dem Boot in die Wellen gerannt und sprang ins Boot hinein und schon klatschten mir die ersten Brandungswellen um die Ohren. Mit schnellen kurzen Paddelschlägen kam ich gut ein Stück vom Ufer weg. Immer wieder ging es hoch und runter. Die Gischt spritzte und glitzerte im Sonnenlicht. Die nächste große Welle sollte es nun sein. Das Boot ist schnell in die richtige Position gebracht und ich warte auf die Welle. Noch einmal werde ich kurz rückwärts ins Wellental gezogen, doch ich paddle bereits was das Zeug hält dagegen. Schon werde ich von der Welle nach oben gehoben und sie beginnt zu brechen... jipieyeee.... ich hab sie, ich reite auf der Welle mit, wie es scheint,mit wahnsinniger Geschwindigkeit, wieder auf den Strand zu. Mit dem Paddel halte ich das Boot in der richtigen Position, damit die Welle mich nicht umwirft. Puhhh... geschafft, ich will mehr! Wieder und wieder kämpfe ich mich vom Ufer weg auf's Meer hinaus, um dann in wenigen Sekunden wieder Richtung Strand zu surfen. Einfach genial! 
Das Packraft ist einfach ein tolles Spielboot zum Spaß haben.

Die perfekte Welle
In der Brandung

Packraft Surfen - Tipps & Tricks

Finde den perfekten Platz!
Sucht euch einen schönen Sandstrand mit flachem Wasser. Dort ist die Brandung stärker und ihr habt auch schon bei weniger Wind schöne große Wellen. Außerdem ist das (Wieder-)Einsteigen ins Boot einfacher, wenn man im Wasser noch stehen kann.

Warte auf günstigen Wind!
Das müsst ihr nicht am Strand machen, denn es könnte eine Weile dauern, bis der ideale Wind ansteht. Beobachtet die Wettervorhersagen, so könnt ihr euren Einsatz besser timen.
Was ist nun günstiger Wind? Nicht zu viel und nicht zu wenig sollte es sein. Eine Windgeschwindigkeit von 15-20km/h (Bft 3-4) empfand ich als ausreichend um genügend Spaß zu haben. Aber viel wichtiger ist die Windrichtung! Der Wind sollte idealer Weise senkrecht vom Meer auf den Strand blasen! Somit werdet ihr auf jeden Fall immer wieder an Land und nicht auf's offene Wasser getrieben. Ablandiger Wind ist mit so einem Boot absolut lebensgefährlich! Seitlicher Wind ist auch noch ok zum Surfen, hat aber den großen Nachteil, dass man sehr stark von seinem Ausgangspunkt abtreibt und dann wieder weit zurück laufen muss. Aber es ist ja ein Packraft, und somit auch kein Problem ;-)

Spritzdecke auf oder zu?
Das ist Geschmackssache. Ich habe beide Varianten ausprobiert und kann mich nicht recht entscheiden. Mit offenem Deck ist man schnell eingestiegen und rausgepaddelt. Allerdings füllt sich das Boot von Welle zu Welle mit Spritzwasser. Bis zu einem gewissen Punkt verleiht, das zusätzliche Gewicht des Wassers, dem Boot Stabilität und man wird nicht so leicht umgeworfen. Aber irgendwann ist es einfach so voll, dass man kaum noch vorwärts kommt.
Mit geschlossenem Deck läuft natürlich weniger Wasser rein, aber man muss es erst einmal zu bekommen. Denn Sobald man im Boot sitzt, hat man eigentlich damit zu tun, das Boot gegen die Wellen zu stellen, um nicht umgeworfen zu werden. In den kurzen Pausen zwischen den Wellen, muss man dann Stück für Stück das Deck schließen.

Schenkelgurte:
Ich hab in meinem Boot Schenkelgurte angebracht um bessere Kontrolle über das Boot zu haben. Die haben sich besonders hier bei den ständigen Berg- und Talfahrten sehr bewehrt. Auf dem Foto kann man sie übrigens gut sehen.


Über den Berg


Paddletechnik:
Ziel ist es ja, auf der Welle zu surfen. Dazu muss man aber erst einmal ein Stück vom Ufer weg kommen. Am besten geht das mit kurzen schnellen Paddelschlägen. Dadurch wird das Boot nicht so stark seitlich ausgelenkt. Fahrt die Wellen immer frontal an, und lehnt euch auf dem Wellenberg weit nach vorn, sonst wirft sie euch um, wenn sie stark genug ist.
Seid ihr nun weit genug vom Ufer entfernt, wartet ihr auf eine schöne große Welle, auf der ihr surfen wollt. Ist die Welle eurer Wahl in Sicht, dreht ihr schnell euer Boot senkrecht oder leicht schräg zur Wellenfront und beginnt bereits im Wellental das Boot zu beschleunigen. Habt ihr die Welle erwischt und reitet auf ihr, steuert ihr mit dem Paddel das Boot so, dass es auf der Welle bleibt.
Lehnt euch am besten nach hinten, dadurch bekommt ihr noch mehr Speed ;-)
Sollte eine Welle mal so stark sein, dass sie euch schon beim Überfahren wieder mit zurück reißt, wehrt euch nicht dagegen. Solche Wellen wollen gesurft werden ;-) Surft einfach ein Stück rückwärts und dreht dann das Boot auf der Welle, ohne von ihr ab zuspringen.

Probiert es einfach aus!
Ich wünsche euch schon schon mal viel Spaß bei PR-Surfen.

Viele Grüße von der Ostsee
Marc

Kommentare:

  1. Cool sehr schöner Bericht. Muss ich doch auch mal aausprobieren, wenn ich am Meer bin.
    Schade das du nicht in Österreich dabei warst, aber vielleicht lernt man sich irgendwann dieses Jahr kennen.

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  2. @hrXXLight
    Ja, würd mich auch freuen, wenn's mal klappt.
    Ich wäre auch gern mit auf der Salza gepaddelt, aber dafür konnte ich ja im Meer Spielen ;-)

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  3. Noch ein paar Ergänzungen von mir. Das Spielen in der Meeresbrandung ist in der Tat eine tolle Art Spaß zu haben und gleichzeitig Wildwassertechniken zu trainieren. Immerhin ist die Welle in der See physikalisch nichts anderes als die stehende Welle im Fluss (nur ohne Steine) und die brechende Welle das Äquivalent zur Walze (nur ohne Rücklauf). Dennoch, die Kräfte sind die gleichen! Ordentlich aufgemischt, kann es auch da gefährlich werden. Insgesamt mach das hohe Volumen des Packrafts das Surfen erstmal anspruchsvoller. Schon moderate Wellen von weniger als einem halben Meter reichen, um das Raft zu kentern. Im Wildwasser sind Packrafts im Vergleich zu Kajaks verzeihender, hier in der Brandung hat man es erstmal etwas schwerer. Das ist wiederum gut, weil so auch die kleinen (Ostsee)Wellen schon reichen. Interessanterweise ist in dieser Umgebung die "alte" Alpackaform von Vorteil. Das spitze/verlängerte Heck der 2011 Form(mehr Volumen) erlaubt es noch weniger nach hinten einzutauchen und so den Bug aus dem Wellental zu heben. Im Ergebnis tanz hier das Heck von Seite zu Seite oder man wird nach von ausgehebelt/überschlagen. Im Link auf meinen Namen noch ein Video mit solchen Situationen ;)

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