28.07.2011

Tourenbericht: „Desert Country“ (USA/Mexiko)

Dieser Trip liegt schon eine ganze Weile zurück. Er hat es nie geschafft, veröffentlicht zu werden. Warum? Keine Ahnung. Manche Dinge brauchen eben eine Weile auf der Festplatte, um zu reifen bzw. die richtige Stelle zu finden. Zumindest wird nun auch die Frage geklärt, woher die Bilder aus dem Eröffnungspost und Blog-Header stammen ;)
Kleines Boot, großer Canyon. Packrafts am Rio Grande.


Idee:
Ein Boot in der Wüste. Die klassischen Landschaften im amerikanischen Südwesten, die Halbwüsten und Großen Schluchten, in einer Tour erleben. Dazu: "Backcountry" Feeling! 
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Plan:
Die Highlights des Big Bend National Parks an der Grenze zu Mexiko miteinander verbinden: Eine Tour von den Bergoasen der Chisos Mountains durch die Chihuahuan Desert bis zum Canyon des Rio Grande.
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Charakter 
Anspruchsvolle Wanderung (Kakteen und Felsen, z.T. keine Wege), aber einfaches Paddeln (kein Wildwasser). Die größte Herausforderung ist das (Trink)Wassermanagement. Der aride Charakter der Gegend hat jedoch seine ganz eigene Faszination. Nachts unterm Sternenhimmel erlebt man diese am intensivsten. 
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Story
Aus Ostdeutschland seien wir, ja. Ob es denn mit dem Krieg noch so schlimm sei? :O....? Alle Vorurteile über Texaner im hintersten Winkel haben sich bestätigt! ;) Eine andere Geschichte ist die der Karten und Wege. Die müssen sich nicht immer mit der Vorstellung der Ranger decken. Das ist besonders spannend, wenn man auf einen solchen angewiesen ist, um aus dem Canyon auch wieder heraus zu kommen ... In der Wüstenebene querfeldein zu laufen, ist dagegen ein ganz besonderes Erlebnis. 
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Fazit
Backcountry und Wilderness: ja. Freiheit und Abenteuer: nein ... Das amerikanische Nationalparksystem ist sehr effizient was die Besucherregulation anbelangt. Ohne Permit und "Backcountry Travel Scheme" geht hier nichts. Ginge es nach dem Parkmanagent, "konsumiert" man am besten nur kurz die Features des Park ;) Da muss man sich schon was einfallen lassen, um eigene Ideen und Pläne umzusetzen! Das Gefühl von Ungewissheit und Entdeckungen ist aber letzlich möglich :)
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Statistik
90 km (60 zu Fuß, 30 im Boot) in 5 Tagen.
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Links, Karten, Literatur:

21.07.2011

"The Paddle Post"

There are currently very few paddles on the market purely dedicated to packrafting - and the Sawyer Packraft Paddle is the most popular one. It has often been said and shall not be missed here: 
  • the Sawyer is light (870g), 
  • highly collabsable (5 pieces), 
  • adjustable (both in length and angle) 
  • rugged (on the edges)
  • a beautifull decoration in your living room

There is hardly a lighter paddle available (even solid ones) and it fits in the backpack better than any other break down oar. The adjustment in length from 205-230 cm allows "gears" in paddling like riding a bike and doubles as a flexible tarp pole - brilliant. Moreover, the angle free offset allows fatique-proof 0° for your wrist to full 90° for dodging the wind. But the paddle has it's limits:  

"You did a job to that blade!" comment of Bruce from Paddlesandoars.com
Yes I did, and not only once (see next picture). However rare a full break down is, it obviously happens. So the objectiv of this post is to illustrate the restrictions and possibilites for repair as well as to show options. This is not to blame Sawyer or the product, but rather to give a concept of what the blade is capble and what not. There has recently been a lot of undifferentiated recommendations for it ("up to white water class III"). I feel this needs to be balanced, so you do not get disappointed with the item. 

This only serves as a diner tray now! A nice accessory in the living room :)
The blade has a remarkable strengh on the onside, where the stroke usually takes place, but can't take much force on the offside! Both break downs happend thus, especially while touching a hard surface (ground and rock), only class II however. So my recommendation for the Sawyer is:

  • long flatwater and hiking streches: perfect choice
  • big water (even above Class III): yes, very much possible
  • rocky streams (even below Class III): no, not really recommended 
  • playboating (surfing, ferrying etc.): no go, due to change of directions a lot

There is little chance for repairs in such circumstances. Fortunately, both single blades could be replaced individually (without the pole) for a reasonable price. This should still be a rare occasion though. More common however, are cracks and fractures! See below. They come from hard touch downs and unsentimental packing and transport! On the other hand, they do not make the blade unuseable and are easily to be repaired by yourself. 

Do not sit on your paddle! Neither have it transported by bolivian truck drivers.
The gap needs to be filled and the edges take some sealing. Epoxy glue (see below) made a perfect for that. Just apply a 2-4 mm stipe directly on the crack, have the edges smeared out and let it dry. The result  is a  cold welded joint like. Moreover, Epoxy glue serves as a reinforcement of the blades finish to smooth out scraches and to protect the wooden laminate. I usually apply very little glue over the blade by swiping it with a plastic card. Its like a second varnish.  

This is your friend! Epoxy two component glue.
If you feel now this is to much care to take of for a paddle, remember the strenghs of the concept above. They are hard to match with others. Also, Sawyers Dynal edge protectant is quite remarkable. I never damaged it there. In any case, if you do not need the adjustability and high collapsibility, consider a product from Aquabound's range. They are a mere 100g heavier (Manta Ray 4 pieces: 980g), but take the use and abuse of rocky streams and are reasonably priced (135$/~120€). Going beyond that, if stiffness of the whole paddle is a concern and if you are more into pure boating, then a solid one piece paddle is the choice. Last but not least, I started packrafting with a plastic Savylor paddle. Surprisingly light (950g), ridiculously cheap (20€) and fair strengh for a beginning. Extra tip: reinforce the joints by tape, so the poles don't slide.

Comment your experiences with paddles for packrafting or get in touch, if you have a problem or question. We are happy to make the contacts for replacement parts etc., especially for those in Europe. 

14.07.2011

Das kleinste "Segelboot" der Welt

 Packraft sailig by Chris S. 
Edit 14.09.14 Spezielle Packraft-Segel verfügbar!

Schon seit Längerem wurmte mich (Marc) diese Frage und ließ mich nicht mehr los: Taugt ein Packraft auch zum Segeln? Um eins vorweg zu nehmen - ja es taugt und macht wieder mal verdammt viel Spaß ;-)  

Wie macht man nun aus einem Packraft ein Segelboot? Ganz einfach - man stellt einen  Mast auf und hängt ein Segel dran.

Konstruktion
Da man ohne Kiel und Schwert sowieso nicht richtig am Wind segeln kann, hatte ich die Idee, ein Art Spinnaker Segel zu hissen, um damit vor dem Wind zu fahren.
Als Mast diente mir eine Hälfte meines teilbaren Paddels, welches ich um einen Stechpaddelgriff auf ca. 140cm verlängerte. Das Paddel habe ich mit Zeltschnüren an 4 Haltepunkten abgespannt. Das hält sogar erstaunlich gut. Die zweiten Hälfte des Paddels sollte am Heck das Boot auf Kurs halten.
Das Segel, oder besser gesagt der Spinnaker, habe ich aus einer Gewebeplane zurecht geschnitten und oben noch eine Öse eingeschlagen. Die Form habe ich der typischen Form eines Spinnakers nachempfunden (Segelfläche ca.1 Quadratmeter). Ich habe es an 3 Punkten fest gemacht - einmal oben am Mast und dann an den 2 seitlichen Haltepunkten am Bug. Es war wichtig, das Segel so weit vorn wie möglich am Boot fest zu machen, damit der Wind das Boot in die richtige Richtung ziehen kann und es nicht ständig dreht.

Segeln mit dem Packraft auf dem Markkleeberger See
Der Törn
Als ich am Freitag Vormittag am Kanupark am Markkleberger See ankam, war schon jede Menge los. Die Vorbereitungen für den Kanu-Slalom-Weltcup liefen auf Hochtouren und jede Menge Atlethen waren auf dem See, um sich aufzuwärmen. Der Wind blies mit ca. 20km/h aus Richtung Südwest.
Ich war am Nordostufer des Sees und machte deshalb eine kleine Wanderung auf die andere Seite. Dort angekommen, baute ich in wenigen Minuten mein Boot samt Segel auf und schon ging es los.
Sobald ich das Boot in die richtige Richtung drehte, blähte der Wind das Segel auf und zog das Boot auf den See hinaus. Ein Blick aufs GPS zeigte mir eine Geschwindigkeit von fast 5km/h. Nicht schlecht, dafür, dass ich mich kein bisschen anstrengen musste. Leider erreichte ich schon nach ungefähr 10 min das andere Ufer. Dies war ein erster Test und ich war sehr zufrieden.

Vielleicht das kleinste Segelboot der Welt, auf jeden Fall das leichteste ;-)
Fazit
Meine Konstruktion erwies sich als durchaus praxistauglich und ich könnte mir vorstellen damit auch mal eine etwas größere Tour zu machen.
Wie ich ja schon erwähnte, kann man mit einem Spinnaker nur vor dem Wind fahren. Dadurch gibt der vorherrschende Wind die Richtung vor. Das mag zwar sehr einschränkend klingen, ist aber letztendlich halb so schlimm. Immerhin hat man ja die Möglichkeit, seine Tour entsprechend einfach anzupassen. Statt mühsam gegen den Wind zu kreuzen, wird einfach gelaufen :)

Einsatzmöglichkeiten
  • Überquerung von offenen Gewässern als integraler Bestandteil einer Tour (bei Berücksichtigung der Windrichtung)
  • spezielle "Segeltouren" die entsprechend der Windrichtung angepasst werden, so dass entweder der Hin-, oder der Rückweg an Land zurückgelegt wird. 

10.07.2011

Neue Touren: Eger, Neiße & mehr

Hier gab es einiges aufzuarbeiten. So sehr im Netz eine schnelle Veröffentlichung zählt, bestimmte Dinge muss man einfach setzen lassen. Sie werden dann aber hoffentlich etwas Bestand haben :)

Lange Berichte wird es trotzdem nicht geben. Wir behalten es weitestgehend bei, unsere Touren in Form von Alben auf Picasa zu veröffentlichen.  Zum einen werden ausführliche Reisetexte im Netzt ohnehin meist nur überflogen ;), zum anderen erlaubt ein Album eine umfangreichere (aber bedachte) Auswahl an Bildern mit kurzen (aber prägnanten) Unterschriften und Einführungstexten. Außerdem sind nützliche Zusatzfunktionen (Karte der Aufnahmeorte) integriert. Ich finde es trifft den Charakter der Nutzung im Netz einfach besser. Sind es bestimmte Reflektionen wert, können diese immer noch als Post veröffentlicht werden.

Eine Formation vor der Haustür auf der Elbe

Dennoch würde ich gern eine gewisse Grundstruktur einführen. Zum einen als Orientierung für die Leser, zum anderen als Vorlage für potentielle Autoren J Die einzelnen Bestandteile sind natürlich nicht zwingend. Ich fange einfach mal mit der letzten Tour an (Datum/Titel/Ort/Autor):

01.-03.07        „Very Neiß(e)“         (Deutschland/Polen)              von Sven

Idee (Warum, Motivation, Frage):
Deutschlands Ostgrenze erfahren & Polens Waldgebiete erahnen
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Plan (Vorhaben, Vorbereitung, Ausrüstung)
Die polnische (strassenfreie) Seite von Sobolice nach Deschka mit minimaler Hochsommerausrüstung erwandern und auf der Neiße ohne besondere WW-Ausrüstung zurück nach Lodenau fahren.
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Charakter (Art, Schwierigkeit):  
Einfache, klassische Packrafting Tour, zu je 50 % wandern und leichtes WW paddeln.
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Story (Geschichte, Anekdote, Frage/Antwort, Inhaltliches etc.)
Nachdem das Auto in Lodenau abgestellt war, suchten wir einen Übergang über die Neiße. Wo wir hinwollten, fragte uns der Bauer. Nach Sobolice. Wohin? Sobolice! Kenn ich nicht! S o b o l i c e, auf der anderen Seite der Neiße, keine 500m von hier. Ach nach Zoblitz! Seit ihr von dort? Nein, wir wollen nur wandern. Ach so, da vorn, vorm Wehr ist eine Furt. ….  Na hoffentlich haben wir hier etwas Völkerverständigung betrieben!
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Fazit (Highlight/Downside)
Die Tour war unter drei Aspekten interessant, erstens Packrafting als Gruppe zu erleben (zumindest den Bootsteil), zweitens neue Leute ‚Packrafts’ ausprobieren zu lassen und drittens der Verwendung von alten DDR Schlauchbooten als ‚Quasi-Packrafts’. Da konnte auch das miese Wetter nicht stören.
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Aussicht (Pläne, Alternativen)
Länger! An einem Wochenende ist auch die Strecke nach Deschka von/bis Kleinpriebus machbar.
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Statistik (Kilometer, Höhenmeter, Strecke)
42,7 km (20 zu Fuß, 22 im Boot), keine Höhenmeter, Stecke (als GPS Track)
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Links, Karten, Literatur (extern):
galileos.pl, Oberlausitz, 1:75.000.
http://neisse-tours.de/

01.07.2011

Name of the game? (II)

Es gibt eine Tendenz, Packrafting als Paddeln in einem Packraft  zu bezeichnen. Quasi als eine Art oder Stil des Wassersports.  Das ist legitim und hat im Kanusport sogar Tradition. So gibt es z.B. Seakayaking, Playboating oder Canoeing. Erstes Problem dabei: Für jedes neues Paddelsportgerät eine eigene Disziplin! Das ist inflationär. Siehe Riverbugging und Stand up Paddling. Die hauptsächliche Krux liegt jedoch darin, dass Packrafting so automatisch dem Kanusport zugeordnet und dort verglichen wird. Das wird dem Potential jedoch nicht gerecht (80% der Nutzer kommen übrigens nicht vom Paddeln).

Benjamin das erste Mal im Wildwasser, Salza/Österreich
Das soll kein Dogma sein. Es wäre verschenktes Potential, ein Packraft nicht als Spassboot für den reinen Paddeleinsatz zu nutzen. Und dieser kann verdammt viel Spaß machen. Packrafts sind komfortabel, agil und sicher. Sie haben sich zu vollwertigen Booten gemausert! Das Paddeln von Transportzwängen (Auto) zu befreien, ist allemal eine Bereicherung.

Ein 'Walzer' an der Salza,  Foto: hrxxlight.com
Es gibt eine grundlegende Systematik für ‚muskelkraftgetriebene Wasserfahrzeuge’ und die richtet sich nach der Antriebsform: Doppelpaddel=Kajak, Stechpaddel=Kanadier, Riemen=Ruderboot. Kajaks und Kanadier werden im Deutschen als Kanus bzw. Paddelboote zusammengefasst (Gesicht nach vorn). Rafts sind eigentlich Flösse und keine Boote und typisch für große Besatzungen.
Trotz der Eigenheiten in der Art mit ‚Miniaturrafts’ zu paddeln, Packrafting? Ich gehe damit einfach Paddeln! Wir werden sehen, was sich letztlich durchsetzt. Übersetzungsvorschläge, Meinungen zum Thema?

Man sagt, mit dem Paddeln geht es bergab.
Wir starteten mit einem englischen Titel und schließen mit einem deutschen Sprichwort: Namen sind Schall und Rauch. No matter what you do, go do!