26.03.2016

Neues (Wildwasser) Packraft, Testtour an der Ardèche (Frankreich)

Initiiert und motiviert war die Fahrt von meinem Mitpaddler Roland, welcher in einem regionalen Paddelforum (Osteuropa und anderswo) spontan nach Paddelpartner aúsgerufen hatte!

Ich war flexibel und wollte sowieso ein neues Boot testen. Das passte prima. Wir verabredeten uns für Montag nach der Arbeit um über Nacht direkt gen Süden zu fahren.

Winterflucht aus dem dem Schmuddelwetter Anfang Dezember in Deutschland. Hier am Pont d' Arc.

Rahmendaten

Südfrankreich im Dezember, überwiegend Sonne, Tagestemperaturen bis 15°C

Mit Roland <Dundak> Einert und Sven <Packrafting> Schellin

Packraft: MRS Alligator 2S begleitet von einem Prijon Yukon Expedition (außer Wertung)

Nachts gab es an ein, zweimal leichten Frost


Teil 1: 'Park 'n Play' - Chassezac und Fontolière

Zum Ankommen und Eingewöhnen haben wir zunächst eine kleine Scouting-Tour durch die Cevennen auf der Suche nach ein paar "Spielstellen" gemacht. 

Nach dem Warmfahren (und Campen) an der Schlucht des Chassezac (Gorges de la Paiolive, WW II) sind wir vor allem an der letzte Passage des Fontolière fündig geworden (WW IV mit ca. 2 m hohen Abfall als Kernstelle).



Das Boot war hier durchaus in seinem Element. Kehrwasserfahren, Walzenreiten, Boofen - konnte alles durchgespielt werden.

Kehrwasserfahren wie im Bilderbuch :)
Besonders begeistert hat der ausgewogene Kielsprung. Der Bug zieht effektiv ins Kehrwasser. Etwas was ich von anderen Packrafts so bisher nicht kannte. Schenkelgurte helfen natürlich die Balance zu halten. Mit seinen 86cm Breite liegt das Boot aber immer noch satt im Wasser. Jedes Kajak ist vieeel kippeliger. Ich konnte das besonders gut spüren, denn Roland ist ja in einem Hartschalen-Einer gefahren und wir haben die Boote auf der Tourenstrecke getauscht ...

Zumindest der Ansatz von einem Boof  ...
... uiuiuiui, wie man sich doch an ein eher gutmütiges Boot gewöhnt ... Auch was die Drehfreudigkeit und Beschleunigung betrifft. Ich hatte meine Mühe seinen 4 m Kahn zu manövrieren. Aber zurück zum Packraft. Schön war das Verhalten in den Wellen. Die Form des Bugs klettert gut über mittlere Wellen und durchstößt Walzen und größere Wellen. Wer es kann, kann auch boofen - Hochziehen der Spitze durch Rücklage und Beschleunigung an Stufen.
Im kabbeligen Wasser ruhig mal etwas mit der Sitzhöhe experimentieren.

Etwas habe ich mit der Sitzhöhe experimentiert. Über den Luftdruck im Sitz kann man den Schwerpunkt etwas senken. Das macht sich in der Balance bemerkbar. Auf der Wanderstrecke habe ich jedoch eine hohe (maximal aufgeblasene) Sitzposition bevorzugt. Man paddelt so entspannter. 

Der Wasserstand war insgesamt dennoch nicht der Beste. Am Fontolière ging es quasi auch nur mit Zuschusswasser der Talsperre. Glatt ist mir das einmal sprichwörtlich unterm Hintern abgedreht worden. Die restliche Fahrt glich dann eher einer feuchten Kellertreppe. Zum Glück hat es das Material klaglos weggesteckt. 
 
Das ging nicht ohne Grundberührungen ab. Der Wasserstand hätte besser sein können.

Teil 2: 'Wanderwildwasser' - Ardèche

Für 3-4 Tage war alles dabei
Charakter: Klassische Wasserwandertour mit Gepäck und Zeltübernachtung

Strecke: Vogue bis zum Ende der großen Schlucht (ca. 65 km), rund 3 Tage

Pegel: 12 Kubik ab Vogue und 18 - 30 Kubik am Pegel in Vallon (je nach Ablass vom Chassezac und Fontolière), insgesamt empfanden wir das als unteres Mittelwasser.

Schwierigkeiten: Max- WW II. Die Wehre zwischen Ruoms und Vallon sind alle mit (je nach Bootstyp) fahrbaren Bootsrutschen ausgestattet. 

Bei mehr Wasser (und entsprechend Zeit) kann man auch schon ab St. Didier (bei Aubenas) starten und die Fahrt bis zur Rhone (und darüber hinaus) fortsetzen.

Sieht aus der Perspektive hakeliger aus als es ist. Die Ardeche bleibt ein fairer Fluss.
Testbericht zum Boot

Ich bin 1,90 m groß mit eher langem Oberkörper (Jeanslänge 34") bei durchschnittlich 80 kg Körpergewicht. Die Passform des Bootes war dafür so gut wie perfekt. Von der Sitzanlage her jedenfalls ideal. Den langen, aber recht engen Fussraum habe ich zusätzlich mit einer 3,5 cm dicke Schaumplatte gefittet, das hat eine etwas breitere Auflagefläche geliefert und das Innenmaß auf  rund 122 cm verkürzt. Auch mit weiten (aber flexiblen) Crocs Schuhen habe ich so recht gut hineingepasst. Mit leicht angewinkelten Beinen war die Körperhaltung zwar betont, aber auf Dauer nicht unbequem. Die Schenkelgurte habe ich nur gelegentlich angelegt, immerhin waren wir ja hier auf einer Wasserwandertour, und nicht im Sportbootmodus.

Roland: auch mit 100kg + Gepäck manövrierfähig
Roland war mein "Referenzwert" mit 1,80 m und nach eigenen Angaben 99,9 kg (vor der Paddeltour). Für den Einfluss von Rotwein, Baguette und Käse während der Tour wird keine Gewährleistung übernommen ;)

Er sagt selbst

"Ich saß sofort bequem und sicher drin, auch ohne die Schenkelgurte anzulegen und fühlte mich auf Anhieb wohl. Ich war durch das tiefere Eintauchen etwas langsamer, konnte es aber auf über 5 km/h beschleunigen und halte Reisegeschwindigkeiten (ohne Wind- und Strömungseinfluss) von 4 km/h für dauerhaft machbar. Das Boot reagiert agil beim Beschleunigen und Kehrwasserfahren. Die WW-Stellen auf (bis WW II) waren für mich ganz problemlos und kontrolliert befahrbar."

Typisches Wildwasser der Ardèche (max WW2).
Mit seinen 180 cm konnte er die Beine mit gut Luft nach vorn beliebig ausstrecken. Eng war es trotzdem. Je nach Schuhwerk beginnen sich die Füße in der Spitze zu überlappen.

Er schien eine definierte Stütze aber nicht vermisst zu haben. So unterschiedlich können die Präferenzen sein! Ein entsprechendes Fitting (ggf. mit Gepäck) schließt das aber auch hier nicht aus. Ansonsten sorgen aber auch allein die Schenkelgurte für einen Halt nach vorn.

Wir hatten ca 10-12 kg Reisegepäck dabei, das Boot verträgt aber - gut auf Bug und Heck befestigt. -sicher noch einiges mehr.

Auf ganz langen Touren lässt sich auch die Sitzfläche noch durch Gepäck nutzen!

Auch vom Fahrverhalten her hatte es  überraschendes gutes Touringpotential.  Von der Wasserlinie und der Breite her war die Geometrie angenehm flink und absolut tourentauglich.

Auf der gesamten Tour habe ich übrigens nicht einmal nachgepumpt, der Druck wurde 100% gehalten, die Verarbeitung bzw. Dichtigkeit der Nähte ist beeindruckend. Auch der Boden wurde beim Anlanden, an den Wehren sowie Blockstellen (bei eher wenig Wasser) nicht geschont.



Fazit

Obwohl der Alligator 2S als spezielles (Wildwasser-) Packraft ausgewiesen ist, hat er Universal-Charakter. 

Disclaimer: Die Tour wurde noch mit einem Prototypen durchgeführt. Im Serienmodell mündeten die Testberichte neben minimalem Feintuning in der Form in einer festeren Spritzdecke und der Anlage der 6-Punkt Schenkelgurte. Und unsere Verbindung zum Verkauf ist hier sicher allgemein bekannt.

21.03.2016

Packrafting in Marokko

Im folgenden Beitrag beschreibt Tobias Buschbacher seinen Packraft-Trip in Marokko. Tobias ist seit seiner Kindheit am liebsten draußen unterwegs und mit zunehmender Erfahrung wurden auch seine Ziele größer und die Länder exotischer. Am liebsten ist er zu Fuß, kletternd oder mit dem Mountainbike unterwegs. Seit einigen Jahren bildet auch ein Packraft einen unersetzlichen Teil seiner Ausrüstung, was ihn immer wieder zu neuen Trips und Reisen inspiriert.
Für Tobias war Marokko zwar nicht der erste, aber bisher dennoch der abenteuerlichste Trip mit einem Packraft, auf den sicher noch weitere folgen werden.

Allgemeines

Zugegeben, Marokko mag nicht das erste Land sein das einem in Verbindung mit Wassersport, surfen mal ausgenommen, einfällt. Wer an Marokko denkt, dem fallen wohl zuerst die touristischen Highlights ein: Marrakesch als quirlige Hauptstadt mit ihren Souks und dem Djama el Fna oder die alten Königsstädte Fés, Meknés, Marrakesch und Rabat. Auch die Wüstengebiete im Landesinneren und langen Sandstrände an der Küste prägen viele Bilder die beim Gedanken an den nordafrikanischen Staat aufkommen. Und natürlich gibt es da noch das Atlasgebirge, unter Trekkern und Kletterern schon lange kein Geheimtipp mehr, haftet ihm immer noch die Aura des Besonderen an. 
Grob von Nord nach Süd verlaufend und der Küstenlinie folgend prallen an ihr die feuchten Luftmassen des Atlantiks an, steigen auf, kühlen ab und fallen als Niederschläge zurück zur Erde. Dort wo diese Dinge zusammenkommen ist meist etwas anders nicht weit – Flüsse, Bäche und Seen!

Planung


Rückblick: Es ist November 2015, der Winter hat Deutschland in seinem nass-kalten Griff, eisiger Regen trommelt auf das Fenster, irgendwo steht ein Fenster offen und ein kalter Luftzug gibt einen Vorgeschmack auf die draußen herrschenden Bedingungen....da ergibt sich die Möglichkeit als Anhängsel einer Studienexkursion für zwei Wochen nach Marokko aufzubrechen – 'wer da noch überlegt ist selbst schuld' denke ich und buche noch im Büro die Flüge für den 03.03.2016.
Schnell wird klar, dass diesmal ein Packraft mit muss! Recherchen im Internet fallen leider sehr dürftig aus, Daten zu den einzelnen Flüssen die für eine Befahrung in Frage kommen sind schwer zu finden, Pegelstände sucht man vergebens und so bleibe ich  nur an einigen Namen von Flüssen hängen die in Betracht kommen. Auf der Wunschliste standen vor allem der Abenteuercharakter, das Naturerlebnis und mindestens 2 Tage Paddeln. Der Ahensal erfüllte diese Bedingungen beinahe perfekt, außerdem wird der Trip von einem Raftingunternehmen angeboten wenn durch die Schneeschmelze genug Wasser im Fluss ist. Das schmälert zwar etwas den Abenteuercharakter, da es kein „Neuland“ ist in das man vorstößt, auf der anderen Seite hat man die Gewissheit dass eine Befahrung grundsätzlich möglich ist. Da ich alleine unterwegs war und im Falle eines Falles auch auf mich allein gestellt wäre, beruhigte mich dieses Wissen etwas, da ich wahrscheinlich nicht auf unbekannte, unüberwindbare Hindernisse stoßen würde.


Rückblick auf der Schotterpiste in Richtung Tilougitte
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Die Tour

Doch nun zur eigentlichen Tour. Nach einer guten Woche Wandern im Atlas und Kultur Marrakesch ging es von dort aus mit dem Bus morgens um 7:00 Uhr nach Beni-Mellal. Das funktioniert problemlos und es gibt sogar Anbieter mit europäischem Standard (CTM, Supratours) oder auch günstigere, marokkanische Busfahrunternehmen, die allerdings etwas länger brauchen (da sie öfter an der Strecke halten um Leute ein- und aussteigen zu lassen) und manchem europäischen Sicherheitsbedürfnis nicht entsprechen dürften. In Beni-Mellal suchte ich mir einen Platz in einem Grand Taxi nach Ouaouizarht und von dort aus ein weiteres nach Tilouguitte. Dort endet die Asphaltstraße, weiter kommt man nur mit einem Geländewagen, oder wie in meinem Fall: zu Fuß. Es war inzwischen Mittagszeit als ich mir durch die staubigen Straßen des kleinen Ortes einen Weg bergabwärts suchte, wo ich den Fluss vermutete. Mein Ziel für den heutigen Tag war diesem zum „Gite d´ etappe Cathedrale„ zu folgen und dort zu übernachten.
Das Gite, eine Art Berghütte, lag etwa 12km entfernt an der in die Berge führenden Schotterpiste. Zu meinem Glück hatte ein Mitfahrer aus dem Taxi den selben Weg. Ich konnte ihm folgen und über Trampelpfade einige Kehren der Piste abkürzen und da ich nur eine nutzlose Straßenkarte dabei hatte war ich über diesen Umstand sehr glücklich und deutete es als gutes Vorzeichen für die Tour!

"Abwechselnd auf Maultierpfaden und der Schotterstraße nähern wir uns in der Mittagshitze unserem Ziel"

Ein Wort zum Fluss den man hier in Tilouguitte zum ersten mal zu Gesicht bekommt: Geht man im Ort immer bergab gelangt man zu einer Brücke, diese überquert man und hält sich danach sofort links an einen kleinen Pfad der sich den Hang hinaufzieht. Von der Brücke und von diesem ersten Stück des Weges hat man einen guten Überblick über diesen Flussabschnitt. Direkt unter der Brücke hat sich der Fluss einen Kanal in den Fels gegraben und es gibt eine Pegelanzeige auf die man einen Blick werfen sollte (dies wusste ich nicht, da man diese nur vom Boot aus sieht und ich sie erst beim paddeln entdeckt habe). Einige Meter Flussaufwärts gibt es Reste einer alten Brücke, welche durch eine behelfsmäßige Konstruktion aus Stahlträgern errichtet wurde und die bei meiner Befahrung nur wenige Centimeter über das Wasser ragte. Hier sollte man auf jeden Fall rechtzeitig aussteigen und umtragen, da man sonst Gefahr läuft eingeklemmt und unter Wasser gedrückt zu werden.
Daran wie tief der Fluss im besagten Felskanal liegt, lässt sich auch grob die Wassermenge abschätzen. Bei sehr niedrigem Wasserstand, so wie er bei meiner Befahrung vorlag, befindet sich der Wasserspiegel gut 2,5 – 3m unterhalb der Felskante!

Bald kommt die „Cathédrale des Rocher“ in Sicht, das Tagesziel für heute
Doch genug der Beobachtungen und weiter in Richtung Unterkunft. Abwechselnd auf Maultierpfaden und der Schotterstraße nähern wir uns in der Mittagshitze unserem Ziel. Die Vegetation am Wegesrand ist karg und die Bäume niedrig, wir entfernen uns immer mehr vom Fluss und ich frage mich ob mein unerwarteter Führer tatsächlich zum selben Ort unterwegs ist wie ich – immerhin spricht er nur sehr wenig englisch und ich noch weniger französisch, was die Verständigung sehr schwierig macht. Doch nach einiger Zeit kommt die berühmte Felsformation „Cathedrale des Rocher“ in Sicht, nach welcher die Herberge benannt ist und ich fasse neues Vertrauen.

Die Menschen führen ein sehr einfaches Leben hier oben in den Bergen.
Nach ca. 8 – 9km gelangen wir an eine Gabelung, eine Piste zweigt nach rechts ab und führt bergan in die Berge; eine andere wieder in Richtung Tal. Wir nehmen letztere und erreichen nach einiger Zeit die ersten Häuser eines kleinen Ortes.

Hier verlässt mich mein Begleiter und ich lege die letzten Kilometer alleine zurück. Schließlich taucht die Hütte am linken Wegesrand auf, ich betrete den Hof und finde auch sofort einen freundlichen Menschen der mir ein Zimmer für die Nacht bereitstellt. Die Hütte ist einfach eingerichtet, aber die Zimmer und Betten sind sauber. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit offenem Kamin und Bad/WC auf dem Flur für alle.

Die gemütliche Herberge ist nicht zu verfehlen
Für das Zimmer mit Abendessen und Frühstück zahle ich 200 DH, das sind etwa 20€. Das ist zwar mehr als ich für mein Hotelzimmer in der Stadt bezahlt habe aber ein durchaus normaler Preis (und wie ich finde auch ein angemessener). Als ich mein Zimmer bezogen habe wird mir der obligatorische Minztee serviert und nachdem ich diesen in vollen Zügen genossen habe mache ich einen kleinen Rundgang in der Umgebung. 

Der Fluss fließt hier in mehreren Seitenarmen durch ein breites Tal das malerisch von der Kathedrale überragt wird. Am Ufer stehen alte Pappeln, Kiefern und vereinzelt Steineichen. Ihre Stämme sind, dort wo sie am Wasser stehen oft bis in mehrere Meter Höhe blank geschält – ein Zeichen dafür wie hoch das Wasser hier stehen kann! Im Moment hingegen macht der Fluss jedoch einen ruhigen und einladenden Eindruck!

verästelte Flussbett mit der Felskathedrale im Hintergrund

Kathedrale, links leicht außerhalb des Bildes befindet sich das „Gite d´etappe Cathédrale“




"Hatte ich an alles gedacht und nichts wichtiges vergessen? Ist der Wasserstand hoch genug? Überschätze ich mich gerade? Und wie werde ich mit den Wildwasserschwierigkeiten klarkommen?"

Am Abend kommt noch eine Schweizer Gruppe an der Herberge an, die zum Klettern durch Marokko reist. Es ist angenehm sich endlich mit jemandem verständigen zu können! Wir essen zusammen und am nächsten Morgen überlassen sie mir großzügig einen großen Teil ihres Frühstücks den ich als Proviant einpacke. Denn ich hatte vergessen genug zu essen einzukaufen und wären die Schweizer nicht gewesen, hätte meine Versorgung aus Keksen und Schokoriegeln bestanden!

Einsetzstelle am Zusammenfluss zweier Flussarme,
 ab hier verzweigt sich der Fluss nicht mehr. 
Am Morgen des 14.03.2016 packe ich meine wenigen Sachen in die Wasserdichten Säcke und baue das Raft im Garten auf. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns und nach einem letzten Check trage ich das Boot zum Fluss und schiebe es ins kalte, klare Wasser. Kurz vor dem Einsteigen gehen mir dann doch so einige Gedanken durch den Kopf: Hatte ich an alles gedacht und nichts wichtiges vergessen? Ist der Wasserstand hoch genug? Überschätze ich mich gerade? Und wie werde ich mit den Wildwasserschwierigkeiten klarkommen? Doch ich schiebe die negativen Gedanken beiseite und konzentriere mich auf das Schöne, Neue und Aufregende der bevorstehenden zwei Tage.

In der Schlucht, 
hier an einer etwas breiteren Stelle. 
Sobald mich die Strömung erfasst hat sind die Zweifel fürs Erste vergessen und ich genieße das beinahe mühelose Vorwärtskommen und die vorbeiziehende Bergwelt. Bald verändert sich jedoch die Landschaft um mich herum und das anfangs noch weite Tal verengt sich mehr und mehr zu einer Schlucht deren raue Wände hoch in den Himmel ragen. Hier nehmen auch die Schwierigkeiten zu und erste Schwälle, Felsblöcke und unterspülte Ufer fordern die Aufmerksamkeit, ab und an steige ich aus um eine Stromschnelle die ich nicht einsehen kann vom Ufer aus zu begutachten. Bei einer dieser Pausen bemerke ich auf der anderen Seite eine Horde Affen, die aus den Bäumen und Felswänden den seltsamen Besucher begutachten - wie sich rausstellte, ein Anblick der sich noch mehrmals wiederholen wird.

Immer wieder laden wunderschöne Uferabschnitte zum 
Rasten und Begutachten der nächsten Stromschnellen ein.
So geht es einige Stunden weiter bis ich am späten Vormittag wieder das Dorf Tilougitte erreiche, dort steige ich rechtzeitig aus um die Stahlträgerbrücke zu umtragen. Obwohl es fast Mittag ist will ich noch etwas Strecke zwischen mich und das Dorf bringen. Schnell treten die Felswände wieder enger an das Wasser heran und ich befinde mich wieder allein in dieser wunderbaren Schluchtlandschaft.

Eine der Umtragestellen, das Gelände ist z.T sehr verblockt,
 im Hintergrund sind Reste einer Brücke zu sehen die vom Hochwasser zerstört wurde.
Trotz der Höhe der Felswände gibt es immer wieder Stellen an denen sich das Ufer verbreitert und die jetzt, in der hochstehenden Mittagsonne, angenehme Rastplätze bieten. Gegen 14:00 Uhr steuere ich einen der flachen, sonnigen Felsen an und breite meine nasse Ausrüstung über einem Gebüsch zum trocknen aus. Ich esse die leider etwas deformierten Schokocroissants der Schweizer und einen Apfel, den ich mir vom gestrigen Abendessen aufgehoben habe. In der Sonne lässt es sich gut aushalten, trotzdem mache ich mich nach ca. einer Stunde wieder auf den Weg flussabwärts.

"Etwa in der Mitte bleibe ich nach einer Kante an einem großen Stein stecken, das nachströmende Wasser erfasst das Heck des Bootes und zieht es unter Wasser"

Am Nachmittag bemerke ich das die Ränder des Canyons etwas weniger weit in den Himmel ragen als am Vormittag und ich gebe mich der trügerischen Hoffnung hin schon an diesem Abend den See erreichen zu können. Als es langsam Abend wird rechne ich damit hinter jeder Kehre den See zu erblicken, doch es reiht sich Biegung an Biegung und kein Ende ist in Sicht. Die Sonne steht inzwischen tief und scheint an manchen Stellen direkt in flachem Winkel auf das Wasser, wodurch die trügerischen Steine, die sich knapp unter der Wasseroberfläche befinden, kaum mehr zu erkennen sind. Grundberührungen und Kollisionen häufen sich und die einsetzende Müdigkeit tut ihr übriges. So passiert es dass ich eine größere Stromschnelle unvorsichtiger Weise nur vom Boot aus beobachtete und mit dem Gedanken „ wird schon gut gehen, es gab schon größere auf der Strecke„ hinunterfahre. Etwa in der Mitte bleibe ich nach einer Kante an einem großen Stein stecken, das nachströmende Wasser erfasst das Heck des Bootes und zieht es unter Wasser. Ich lehne mich so weit es geht nach vorn, doch der Wasserdruck ist zu stark! Die Spritzdecke löst sich und das Boot läuft voll und meine Wasserflasche und die gut verpackte Spiegelreflex werden aus dem Fußraum gespült. Letztere kann ich zum Glück gerade noch greifen und nehme sie, da ich keine Hand frei habe, zwischen die Zähne. Irgendwann gelingt es mir das Boot doch noch aus dem Sog und vom Felsen abzudrücken und ans Ufer zu treiben. Diese Situation bringt mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, ich bin müde und es ist genug für einen Tag. Zwar bestand nun keine akute Gefahr mehr da das Wasser an dieser Stelle nur etwa Hüfttief war, dennoch rief es mir in Erinnerung wie machtlos man gegen die Kraft des Wassers sein kann! Von nun an suche ich das Ufer nach einem geeigneten Lagerplatz ab und finde ihn nach einiger Zeit an einem erhöht liegenden Uferabschnitt.

Nachtlager, unten rauscht der Fluss und oben erscheinen 
die ersten Sterne am Himmel
Es gibt genug Holz, einen windgeschützten Platz für ein Lagerfeuer und keine Affen. Nachdem ich das Feuer entzündet habe und mich langsam wieder warm und trocken fühle, esse ich den Rest des Proviants von heute morgen und meine Schokokekse. Mit vollem Magen mache ich es mir neben dem Feuer im Schlafsack bequem, der Blick in den Himmel über mir offenbart einen Sternenhimmel wie man ihn in Europa lange suchen muss. Ohne andere Lichtquellen erstrahlen sogar die kleinsten Sterne hell vor dem dunklen Firmament, das Sternbild des Orion steht mitten über der Schlucht und später schiebt sich der große Wagen über den Rand der Berge.

Zufrieden mit dem Tag schlafe ich ein und wache erst bei Tagesanbruch wieder auf. Das Feuer ist aus, ich esse den Rest der Kekse und bepacke das Boot. Schon wenig später bin ich wieder auf dem Fluss, wieder sind die Berge deutlich niedriger als am Tag zuvor, eine Brücke aus Holz und Steinen überspannt den Fluss und auf den Bergkämmen sehe ich die ersten Häuser auftauchen.

Bild links: Eingepackt in den Schlafsack vor dem „TV der Natur“, dem Lagerfeuer.


Typische Brückenkonstruktion, auf einem tragenden Gerüst aus Baumstämmen wird aus Steinen und Lem die Fahrbahn aufgetragen. Effektiv und Stabil – und nach dem Hochwasser relativ schnell wieder neu errichtet!

"...Bald schon paddle ich auf einer trüben Brühe zwischen Wänden aus Schlamm"

Auch die Wildwasserschwierigkeiten nehmen nun deutlich ab und nach einer letzten, engen Stelle, an der die Felswände nur wenige Meter voneinander entfernt stehen, öffnet sich die enge Schlucht zu einem weiten Tal - hier fließt der Fluss durch ein Bett im Kiesgrund. Doch bei mehr Wasser zeigen die in der Ebene verstreut liegenden Baumstämme dass das gesamte Tal unter Wasser stehen kann. Je weiter Flussabwärts ich komme, desto mehr ersetzt Schlamm, Geäst und Sediment das Kiesufer. Ich habe nun die Grenzzone erreicht in der sich alles was der Fluss auf seinem Weg mit sich reißt, abzusetzen beginnt. Bald schon paddle ich auf einer trüben Brühe zwischen Wänden aus Schlamm, es riecht modrig, unter Wasser strecken im Schlamm steckende Baumstämme ihre toten Äste wie Finger an die Wasseroberfläche um nach meinem Boot zu greifen. Obwohl hier keine Stromschnellen mehr zu erwarten sind, heißt es dennoch aufmerksam bleiben! Hier will ich mir kein Loch ins Packraft fahren, denn auf ein Bad in dieser Suppe kann ich gut verzichten. Doch es kommt noch dicker  - im wahrsten Sinne des Wortes. An einer Stelle an der sich die Kraft des Flusses mit der des anstehenden Seewassers die Waage hält, hat sich in einer leichten Biegung alles angesammelt was schwimmt und sich nicht ablagert. Ich stake mehr durch zähen Morast als das ich paddle, an meinen Beinen spüre ich wie das Boot über Äste, kleine Baumstämme, Plastikflaschen und Flip Flops gleitet. Inständig hoffe ich das kein Nagel in einem der Stämme steckt oder sonst ein Gegenstand in der Lage ist das Boot zu beschädigen. Nur wenige Millimeter Bootshaut trennen mich davon bis zum Hals in dieser natürlichen Kläranlage zu stecken. Doch am Ende der Flussbiegung sehe ich wieder offenes Wasser und als ich dieses erreicht habe und um die Ecke fahre, sehe ich endlich den See vor mir! Plötzlich ist das Wasser wieder klar und sauber, am anderen Seeufer liegen Fischerboote an einem Steg vertäut und ein Fischer rudert mir auf seinem Kahn entgegen.

Rückblick: Aus diesen Bergen fließt der Ahensal in den Barrage bin el Ouidane.
Ganz plötzlich ist das Abenteuer vorbei, alles ist wieder „normal“ und die zurückliegenden Stromschnellen, die Unsicherheiten und das auf sich gestellt sein rückt aus der Gegenwart in die Erinnerung. Doch noch bin ich nicht am Ziel, es gilt noch den See zu überqueren was sich noch einiges in die Länge zieht ! Erst gegen Mittag erreiche ich das andere Seeufer und lege an einem verlassenen Steg einer Hotelanlage an.

Ich bin glücklich heil hier angekommen zu sein und dankbar für das Erlebte aber auch müde, meine Schultern schmerzen vom stundenlangen Paddeln und die Sonne über dem See hat mich ausgetrocknet. Nach dem Zusammenpacken klettere ich das kurze Stück der Böschung hinauf zur Straße und schon nach wenigen Minuten halte ich ein Taxi an, das mich zurück nach Ouaouizarht bringt. Von dort aus geht es wie auf dem Hinweg mit dem Taxi und dem Bus zuerst nach Beni-Mellal und dann weiter nach Marrakesch, wo ich gegen 18:30 Uhr ankomme.

Tipps und Tricks
  • Wer mit dem CTM-Bus von Marrkesch nach Beni-Mellal reist, sollte beachten das dieser nicht am Busbahnhof am Bab Doukkala abfährt sondern eine eigene Station in der Stadt besitzt. Wer das Ticket am Busbahnhof kauft (einen Schalter gibt es dort nämlich) muss die Taxifahrt mit einkalkulieren um rechtzeitig zum Bus zu kommen.
  • Rechtzeitig Geld abheben und genug mitnehmen! In den Bergdörfern gibt es keine Bankautomaten.
  • Mit Bus und Taxi kommt man überall hin wo eine Straße hinführt, ein Mietwagen kann in manchen fällen jedoch eine unabhängigere Möglichkeit zum Reisen sein. Sprit und Mietpreise sind günstig und bei mehreren Personen auf jeden Fall eine Überlegung wert.
  • Vor allem in Marrakesch hat man oft den Eindruck als Geldbeutel mit Beinen angesehen zu werden, hier gilt es eine gewisse Toleranz zu entwickeln aber gleichzeitig den vielen positiven Eindrücken gegenüber nicht ignorant zu werden.
  • In der Schlucht auf der Paddelstrecke ist der Handyempfang sehr schlecht und teilweise nicht vorhanden.
Route von der Herberge bis zum Staudamm, ca. 55 Km Paddelstrecke. Quelle Google Maps


Flussinformationen

55km | WW 3 | 2-3 Tage

Der Ahensal ist ein Gebirgsfluss des mittleren Atlas in Marokko, er fließt weitestgehen abgelegen durch einsame Schluchten und mündet in den Stausee Barrage bin el Ouidane.

Die Wildwasserschwierigkeiten sind stark vom Wasserstand abhängig, werden aber im Allgemeinen mit 3-4 angegeben, beim vorgefundenen Wasserstand erlebte ich die Schwierigkeiten aber nicht über dem dritten Grad. Dazu sind die Schwierigkeiten sehr homogen und nehmen erst auf den letzten Kilometern deutlich ab. Einzelne Stellen können immer umtragen werden.

Pegel sind nur in Tilougitte an der Brücke vorhanden und war bei mir 70cm, Informationen zum Wasserstand habe ich keine gefunden, jedoch stellten die 70cm das Minimum dar – Grundberührungen und Anschrammen an Steinen waren ständig zu verzeichnen.

Die Strecke vom Einsetzpunkt am Gite d´etappe Cathédrale bis zum Stausee beträgt ca. 30km Luftlinie – die Paddelstrecke ist mit ca. 55km durch den mäandernden Flussverlauf jedoch deutlich länger ! Möglichkeiten abzubrechen bieten sich nur in Tilougitte (auch möglicher Einsetzpunkt) zumindest wenn man eine mehrstündige Kletter- und Wandertour durch abgelegenes Gelände vermeiden will.

Lage und Übersicht der Tour. Quelle Google Maps

Die Nahrungsmittelversorgung gestaltet sich nicht schwierig. Man kann entweder alles mitbringen, in Tilougitte die nötigsten Dinge besorgen oder sogar im Dorfladen am Gite Grundnahrungsmittel erwerben. In der Herberge selbst gibt es Abendessen und Frühstück, sicher auch ein kleines Mittagessen auf Anfrage. Trinkwasser kann man sich entweder selbst mitbringen oder mit micropur Tabletten das Leitungswasser reinigen. Das Flusswasser sollte vor allem im unteren Teil nicht verwendet werden (habe in Tilougite keine Kläranlage entdecken können ;-)


Fazit


Eine wunderschöne Tour, genau richtig für ein Packraft, gut zu erreichen und mit der richtigen Portion Abenteuer verbunden. Allerdings sollte der Fluss niemals unterschätzt werden, im Ernstfall ist Hilfe sehr, sehr weit weg.
Die Tour wird auch als mehrtägiger Raftingtrip angeboten, vielleicht geben die Guides bei Nachfragen genauere und aktuelle Informationen zum Fluss.

13.03.2016

Packrafting in Bolivien (Revierbeschreibung)

Der uns vom Bericht aus Island bekannte Gerald hatte es dort bereits angekündigt: im Anschluss an die Islandtour ging es direkt nach Bolvien! Seine in Eis und Schnee erprobte Packrafting-Ausrüstung sollte sich nun in den Tropen bewähren.

Während in seinem Blog ein umfangreicher, mehrteiliger Reisebericht zur Tour auf dem Rio Tuichi erschienen ist, liefert dieser Beitrag eine Zusammenfassung bzw. nützliche Informationen in Form einer praktischen Revierbeschreibung. Diese geht über seine eigene Tour hinaus, basiert aber auf den Erfahrungen und Recherchen vor Ort.  Eines vorweggenommen, es lässt noch genug Raum für eigene Entdeckungen!

Allgemeines

Eine kurze Suche auf Google zeigt schnell, dass wer in Bolivien will, in der Regel Neuland betreten wird, aber genau das hat ja gerade seinen Reiz!

Der Rio Tuichi hat viele Gesichter, natürlich auch sehr freundliche.
Allein ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass Bolivien viel Potenzial für Packraften in der Wildnis besitzt: So ist das Land dreimal größer als Deutschland, hat aber nur 11 Millionen Einwohner. Weite Landstriche sind so gut wie unbewohnt. Nimmt man dazu noch die abwechslungsreiche Topografie des Landes, von den eisigen Gipfeln der Anden über das Amazonastiefland, bis zu den Sümpfen des Pantanal ist klar, dass es hier jede Menge Flüsse gibt, die auf ein kleines Schlauchboot warten.

Zwei Dinge machen das Reisen im Land für Europäer darüber hinaus attraktiv: Bolivien ist eines der preiswertesten (damit einhergehend - weniger attraktiv- leider auch eines der ärmsten!) Länder Südamerikas, es ist aber auch verhältnismäßig sicher! Klar, Coca wird angebaut und verarbeitet, dennoch hält sich die mit den Drogen verbundene Kriminalität in Grenzen. Bewaffneten Rebellen-Bewegungen gibt es defacto nicht, und ich habe mich auch in den Großstädten stets sicher gefühlt.

Gewässer und Reviere

Während das Hochland der Anden zum Paddeln zu trocken ist, lockt die Ostseite des Gebirges mit einigen Flüssen, die aus den Bergen ins Tiefland des Amazonas fließen. Dabei wird man in der Regel nicht weit oben in den Bergen starten können, dort sind die Bäche viel zu steil und wild. 

Wildwasser am Rio Tuichi
Ein Stück tiefer sieht das anders aus. Besonders schön, aber im Oberlauf auch noch recht schwierig (oft WW IV mit einigen unfahrbaren Stellen) ist der Rio Tuichi, der auf seiner ganzen Länge durch den riesigen Madidi Nationalpark fließt. Die etwa dreihundert Kilometer lange Strecke vom Dorf Azariamas bis nach Rurrenabaque am Rio Beni bietet ein echtes Abenteuer.

Einfacher ist der Rio Kaka, über den man ebenfalls Rurrenabaque erreichen kann. Dieser Fluss wird aber auch von anderen Booten befahren.

Ebenfalls interessant ist der Rio Altamachi, einer der Quellfllüsse des Rio Beni, der über etwa 150 Kilometer durch unberührte Wildnis fließt!

In der Nähe von Cochabamba entspringt der Rio Grande, den man über etwa 500 Kilometer bis nach Santa Cruz de la Sierra fahren kann und teilweise durch schöne Schluchten fließt.

Der Rio Heath an der peruanischen Grenze ist einfacher, da er nicht von Gletschern gespeist wird.

Die Flüsse im Tiefland sind generell viel langsamer, gerade mit einem Packraft ist das eine mühsame Geschicht. Empfehlen kann ich den Rio Yakouma, der auch außerhalb des normalerweise von Touristen frequentierten Gebiets bei Santa Rosa fantastisch ist. Vor allem das reiche Tierleben ist sehr attraktiv. Interessant ist wahrscheinlich auch die Befahrung des Rio Paragua, den man ab San Ignacio de Velasco befahren kann. Teilweise bildet er die Grenze zum touristisch unerschlossenen Noell Kempff Mercado Nationalpark.

Und dann gibt es noch das Pantanal. Während der Hauptteil dieses größten Feuchtgebiets der Erde in Brasilien liegt, ist der bolivianische Teil besonders unberührt und verfügt über keinerlei touristische Infrastruktur. Problematisch ist, dass  viele Wasserläufe nach der Regenzeit trocken fallen. Der dauerhaft Wasser führende Teil an der brasilianischen Grenze ist etwa 200 Kilometer von der nächsten Straße entfernt. Daher ist es schwierig und teuer dort hin zu gelangen.

Pack your Raft: ready to go.

Tipps
  • In Bolivien sprechen nur sehr wenige Menschen englisch, daher ist es sehr wichtig zumindest rudimentäre Spanischkenntnisse zu besitzen.
  • Im Regenwald ist es aufgrund der Blattschneiderameisen sinnvoll nicht im Zelt, sondern in einer Hängematte mit Moskitonetz und Tarp zu schlafen. 
  • Selbst wenn man keine längere Fußtour macht, ist eine Machete sehr nützlich.
  • Die Beschränkung des Rucksackgewichts kann nicht of genug betont werden
  • Topografische Karten der Vermessungsinstituten der Militärsermessungsinstituten des Militärs sind sehr schlecht!
  • Für eine Flussbewahrung würde ich die Planung in Google Earth und die Mitnahme von entsprechenden Ausdrucken empfehlen
  • Es ist immer sinnvoll, sich bei längeren Expeditionen mit der Selbstversorgung durch Fischen zu beschäftigen

Geralds Packrafting Ausrüstung in Bolivien: MRS Microraft (S/M), Anfibio Vertex Paddel, HMG Windrider 4400.

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Warnungen

Gegenden die man wegen Drogenlabors etc. besser meidet, sind den Einheimischen bekannt und sie sollten natürlich gemieden werden. Dazu gehört zum Beispiel die Nordseite des Noel Kempff Mercado Nationalparks an der brasilianischen Grenze.

Auf Flüssen, die durch „halbwilde“ Gebiete fließen, das heißt wo zwar einige Leute leben, aber es keine Polizei etc. gibt, würde ich empfehlen immer möglichst versteckt und abseits von Ansiedlungen zu übernachten.

Man kann in den Flüssen baden, aber es gibt darin, je nach Gegend einige Gefahren, wie Stachelrochen und elektrische Aale.

Weitere Eindrücke zur exemplarischen Tour am Rio Tuichi: