11.10.2018

SCHWIMMWESTE FÜR DROHNE GESUCHT - NORWEGEN KENNENGELERNT

 von Peggy Putzmann I Anfibio Packrafting 

Man ahnt, welchen Ausgang diese Geschichte nimmt. Aber der Reihe nach. 

Ganz am Anfang bestand das Set-up aus vier Packrafts, drei Wochen Zeit, zwei Piloten und einer Drohne. Alles bereit für eine Reise zu den Seen, Fjorden und zahmen Flüssen (Süd-)Norwegens.


Moment mal, wieso 4 Packrafts für 2 Leute? Ganz einfach, weil wir es uns leisten können. 

Sei es dahingestellt, ob finanziell, in jedem Fall aber vom Platz in unserem Reisegefährt (Ford Tourneo Connect). Jeden Tag abwechselnd ein anderes Boot, welch ein Luxus. Aber ganz ehrlich, die Reise fällt natürlich auch unter die Kategorie Ausrüstungstest. Dienstreise sozusagen. Da darf es auch mal etwas mehr Ausrüstung sein. Nach einem langen, warmen und arbeitsreichen Sommer waren aber auch drei Wochen Urlaub in kühleren Gefilden verdient.

Ein Überblick über die schlussendlich durchgeführten Touren liefert folgende interaktive Karte (Klick auf die verschiedenen Symbole für Fotos und weitere Infos):



Im Gepäck hatten wir Schwimmwesten, Paddel, Trockenanzüge, und eben die 4 Boote. Sowohl die sportliche Vollausstattung, zwei Alligator 2S (Pro) mit Gepäckreißverschluß und Spritzdecke, als auch eine minimalistische, ultraleichte Kombination aus dem Anfibio Alpha XC und Delta MX gehörten für drei Wochen zu unserer Ausrüstung. Auch wenn wir keine Wildwassertouren planten, waren wir so für unsere (Kurz-)Touren sehr flexibel für Trekkingtouren mit Wasserwanderanteilen und Paddeltouren mit Wanderanteilen. Dennoch, der Verzicht auf eine Spritzdecke bei den kalten Gletscherseen, tiefen Fjorden und eisigen Gebirgsflüssen schien eigentlich etwas befremdlich …

Erkenntnis Nummer 1 

Die erste Tour auf einem kleinen, sonst unzugänglichen Seitenfjord des Josenfjorden fand daher auch mit den Alligatoren statt. Schwimmweste über die Spritzschürze, Paddel fix zusammengesteckt und los ging es auf den ruhig daliegenden Meeresarm. 

Es war windstill, daher entschieden wir uns gegen die Trockenanzüge. Dank der Spritzdecke blieben wir auch trocken, doch auf dem Rückweg frischte der Wind überraschend stark auf und einige Wellen bildeten sich auf dem eben noch spiegelglatten Meeresarm. Als wir den Fjord zurückquerten, mussten wir uns doch eingestehen, dass die Trockenanzüge nicht die schlechteste Wahl gewesen wären. 

Sicherlich, es bestand noch keine Kentergefahr, doch im schlimmsten Fall wäre ein zurückschwimmen aus der Fjordmitte an den Rand im ca. 10°C kalten Wasser sicherlich kein Spaß mehr gewesen. Bei allen folgenden Touren stand das Mitnehmen der Trockenanzüge außer Frage.


Erkenntnis Nummer 2 

Die folgenden Trekkingtouren zu Land und zu Wasser erstreckten sich bis zu drei Tage ohne Versorgung. Entsprechend gut füllten sich die Rucksäcke. Die zusätzliche Paddelausrüstung führte schließlich dazu, dass sich unsere Anforderungen an die Packrafts änderten. Packmaß und Gewichts wurden zu wichtigen Punkten. Durch die Trockenanzüge konnten wir wiederum gut auf eine Spritzdecke verzichten. Wir sahen die offenen, ultraleichten Boote plötzlich unter einem ganz neuen Aspekt. Rasch entwickelte sich dieses Set-up aus minimalistischem Boot, aber voller Montur zu unserer Lieblingskombination. 

Denn Trockenanzüge erweisen sich auch an Land als äußert praktisch und vielseitig. Ob ein Stück durch den Fluss waten ohne nasse Füße zu bekommen, weil er doch etwas flacher als gedacht war, abends beim Zelt aufbauen als Windschutz oder um trotz Spritzwasser im Boot trocken zu bleiben… dass mitnehmen der Trockenanzüge bereuten wir nie und das zusätzliche Plus an Sicherheit für den Ernstfall beruhigte. 

Unsere Trekkingrucksäcke packten wir in sogenannte Jerven, eine norwegische Erfindung einer beschichteten Plane mit vielzähligen Einsatzmöglichkeiten. Die Rucksäcke blieben trocken, die Jerven selbst nutzten wir später als Footprint fürs Zelt oder als Regenponcho.



Erkenntnis Nummer 3

Auf der letzten Paddeltour, wieder auf einem Fjord, kamen dann doch nochmal die Alligatoren zum Zug. Packmaß und Gewicht spielten diesmal keine Rolle, die Fahreigenschaften wussten wir dagegen auf der langen Wasseretappe zu schätzen. Auf die Trockenanzüge verzichteten wir diesmal aber trotzdem nicht. Die Stimmung war entsprechend gut. 

Mitten auf dem Fjord gibt es natürlich die besten Bilder, vor allem aus der Luft. Ein prädestinierter Einsatz für unsere Drohne. Angesichts der allgemein knappen Akkulaufzeit entschieden wir uns für Start und Landung aus der Hand auf dem Wasser aus dem Boot heraus. 

Grundsätzlich sind Start- und Landemanöver aus der Hand durchaus machbar, wir hatten diese auch bereits mehrfach erprobt (obgleich sie nicht ganz ungefährlich sind bei Rotoren mit 15000 Umdrehungen pro Minute), bislang allerdings immer von einem festen Stützpunkt aus … 

Diesmal trieben wir ca. 100m vom steilen Fjordrand entfernt. Die besondere Herausforderung bei dieser Art von Landung besteht darin, die Drohne exakt seitlich zu dem Fangenden zu fliegen. Denn vorn und hinten besitzt die Drohne jeweils Sensoren. Sobald diese ein Hindernis auf weniger als zwei Meter Abstand erkennen, fliegt die Drohne automatisch auf Abstand. 

Da man sich aber immer minimal in den Booten dreht, abtreibt und dadurch leicht bewegt, wurde dieses Unterfangen zu einer unlösbaren Aufgabe. Das Katze-Maus Spiel ging ca. zweieinhalb Minuten. Dann fiel auch noch unerwartet das Handydisplay aus. 

Blind flogen wir Richtung Land, um eine Chance auf rettendes Ufer zu bekommen. Aber die Sicht war schlecht und der Akku war schwach. Im Sinkflug schlug die Drohne ins Wasser ein, um innerhalb von Sekunden mehr als fünf Meter abzutauchen - inklusive Speicherkarte aller Drohnenaufnahmen.

Ein Trost ist, dass es offensichtlich nicht nur uns so ergangen war, denn eine Schwimmhilfe für Drohnen ist tatsächlich schon erfunden. 

Das nächste Mal wird die Sicherheitsausrüstung dann auch  für unser „Baby“ ergänzt (und trotzdem nur vom Land aus geflogen)…

Fazit zur Ausrüstung

Natürlich gibt es nicht das perfekte Packraft für alle Gelegenheiten.

Nach drei Wochen mit unterschiedlichen Booten im Gepäck hat sich unsere Einstellung zu den verschiedenen Packrafttypen jedoch grundlegend geändert. Für unsere ein- und mehrtägigen (Trekking-)Touren mit zahmen Gewässern, aber vollem Gepäck, waren die Anfibio Packrafts optimal. Geringes Gewicht, kleines Packmaß, ausreichend robust und in Kombination mit einem Trockenanzug durchaus vielseitiger, als manch Boot mit Spritzdecke. 

Wer allerdings wildere Gewässer aufsuchen möchte und lange Etappen auf dem Wasser verbringt, kommt um eine Spritzdecke und lange Bootsformen nicht herum.

Details zur eingesetzten Ausrüstung gibt es hier.

05.10.2018

NOTFALLKARTE ZUM MITNEHMEN: AKTUELL KOSTENLOS IM STORE

In Zusammenarbeit mit Dr. H. Hohn und der DRK Wasserwacht Fläming-Spreewald haben wir diese Notfallanleitung in Form einer handlichen und robusten Karte für die Versorgung bei einem Ertrinkungsunfall neu gestaltet, welche in der hoffentlich nie eintretenden Extremsituation die nötige Sicherheit gibt.  Die Karte ist für begrenzte Zeit als kostenloser Sicherheitsartikel im Store erhältlich!


Außerdem, ein Fahrtenbuch für Kinder!

Nichts motiviert Kinder mehr als das Sammeln von Punkten. Ein analoges Fahrtenbuch ist eine wunderbare Möglichkeit, das Erlebte zu dokumentieren und für weitere Ausfahrten anzuspornen. Es hat aber auch die ganz praktische Funktion einer Erinnerungshilfe für das Lernen aus den Erfahrungen. Darüber hinaus sensibilisiert der Inhalt des Fahrtenbuches für den Umweltschutz und das sichere Verhalten auf dem Wasser. 

10.08.2018

BIWAK AUF DEM BALKAN

Im Mai 2018 waren wir mit dem Team von MDR Biwak in Montenegro am Skutari See und im Cijevna Canyon (Albanischen Alpen) wahrhaft amphibisch unterwegs. Die Tour führte durch Sümpfe, Berge und Wildwasser der Balkanhalbinsel.


Wir erlebten einen häufige Land-Wasser Wechsel, Fahrten zu kleinen Inseln, durch Überflutungswälder, zu Stränden und Klosterinseln. Balkan off the beaten track ... 

Die Sendung "BIWAK rockt den Balkan" lief vom 20.08. bis 23.08.2018 und am 25.08.2018, jeweils 19:50 Uhr im MDR Fernsehen. 

Praktische Infos zur Sendung 
von Sven Schellin I Anfibio Packafting
Fotos: Holger Liebrenz I BIWAK TV
  1. Route - die Karte zur Tour
  2. Ausrüstung - die Boote im Einsatz  
  3. Bauanleitung - der Ultraleicht-Kocher zu selber machen 
  4. Making-of - ein Blick hinter die Kulissen
  5. Story - Gesichter und Geschichten von unterwegs
  6. Ergebnis - der TV-Beitrag in voller Länge
  7. Fazit
1. Route - die Karte zur Tour

Verfolge die Strecke des BIWAK Teams auf dieser interaktiven Karte. Durch einen Klick auf die Symbole (Foto, Info, Startpunkte) erhält man weitere Inhalte. Die Teil-Strecken zu Fuß oder zu Wasser sind durch verschiedene Farben kenntlich gemacht. Der Wechsel zwischen den Fortbewegungsarten ist jeweils als Ein- und Ausstiegspunkt gekennzeichnet.




2. Ausrüstung - die Boote und das Zubehör im Einsatz

Was sind denn das für ulkige Boote? Wo gibt’s die eckigen Zelte? Sind die Schuhe wirklich wasserfest? Hier kommen die Antworten, auf welche Ausrüstung das BIWAK Team auf ihrer Balkan Tour gesetzt hat:


Thorsten und Jens (Kamera) nutzten ein Anfibio Sigma TX, den Lastkahn unter den Ultraleicht-Packrafts. Bei 2,1 kg Gewicht hat es ein Innenmaß von 1,60 m und eine Zuladung von 220 kg.


Ein Pyramidenzelt (z.B. das Bear Paw Luna 4)) ist beim Wasserwandern besonders praktisch, da es mit einem Paddel, z.B. dem längenverstellbaren Anfibio Ultimate, aufgestellt werden kann.


Wasserdichte Packsäcke (z.B. Anfibio Multibag) sowie wasserfeste Schuhe (z.B. Merrell Maipo) sind in einer amphibischen Umwelt essentiell. Ein Rucksackboot im wahrsten Sinne des Wortes ist das Anfibio Delta MX mit 1,6 kg von Sven.


Im Wildwasser setzten wir jedoch auf eine gänzlich andere Ausrüstung vor allem zu Gunsten der Sicherheit. Zum Einsatz kamen ein MRS Alligator 2S sowie ein MRS Alligator 2S Pro inklusive Schwimmweste, Trockenanzug und Helm

3. Bauanleitung ultraleichter Dosenkocher

Der nur 7 g leichte Dosenkocher, welcher im Film vorgestellt wird, lässt sich einfach selbst herstellen. Der Brennstoff (Haushaltsspiritus) ist preiswert, flugzeugtauglich, bedarfsgerecht portionierbar und weltweit erhältlich.


Man benötigt:


Die leere und gereinigte Dose wird einfach mit ca. 50 Löchern (mit 5 mm Durchmesser) im Abstand ca. 3 mm in zwei Reihen gestanzt.

Betrieb:

Die Dose je nach Bedarf mit ca. 20 ml Brennspiritus befüllen, entflammen (Feuerzeug) und den Topf direkt auf dem Kocher platzieren. Ein Windschutz ist empfehlenswert. Als Richtwert gilt ein Verbrauch von ca. 100 ml pro Tag für 2-3 Personen für Frühstück und Abendessen. Bei tiefen Temperaturen (< 5 °C) empfiehlt es sich Spiritus vorzuwärmen. 



Warnhinweis: Spiritus brennt geräusch-, geruch- und farblos. Insbesondere mit Kindern ist erhöhte Vorsicht geboten. 

4. Making-of - ein Blick hinter die Kulissen

Kamera filmt Kamera und wie es neben dem Drehplatz so aussah :)



5. Story - Gesichter und Geschichten von unterwegs

Soviel vorweg, der Film ist die Tour und die Tour ist der Film, eine Trennung kann man da nicht machen. Insofern kann ich bestätigen, alles völlig authentisch. Das Team lebt zu 100% mit dem Dreh und dieser ist das Abenteuer an sich.

Moderator Thorsten Kutschke und Sven Schellin beim abendlichen Interview im Gebirge. 

Die gesamte Crew versammelt (von links nach rechts Holger (Organisation), Sven (Packraft/Revier), Jockel (Ton), Jens (Kamera), Johny (Drone), Thorsten (Moderation).

Raki zum Frühstück oder Pflaumenschnaps am Wegesrand, Land und Leute werden immer einbezogen. 

Nicht immer über alle Zweifel erhaben. Wo bitte geht es hier durchs Wasser? Die Kunst der "Weg" Findung als gemeinschaftliche Aufgabe. 

6. Ergebnis - der TV-Beitrag in voller Länge





7. Fazit

Karl May hat sie beschrieben, ist nie dort gewesen, aber es gibt sie wirklich, die Schluchten des Balkan. Der Canyon der Cijevna und der Skutari-See sind solche Exemplare. Als grenzüberschreitende Gewässer kommt das klare, türkisfarbene Wasser direkt aus den albanischen Alpen. Wir machten es uns besonders leicht und paddeln entspannt mit unseren Packrafts das faire und gemäßigte (Wild-)Wasser dieser Grenzregion. Aber egal mit welchen Boot, egal welcher Fluss, die Schluchten des Balkan muss jeder Paddler einmal erleben.

20.07.2018

REVIERINFO SCHWEIZ, HOW-TO WILDWASSER UND NEUE AUSRÜSTUNG IM EINSATZ - oder - eine Zusammenfassung von Gabriel Gerschs Frühling

Wie kommt man dazu 17 Wildwasserflüsse in 3 Monaten zu paddeln? Ganz einfach, man sucht sich ein Basislager in der Schweiz (z.B. ein Job bei Mammut) und man paddelt, viel.



Zugegeben, es hilft sicher, wenn man Gabriel Gersch heißt oder zumindest seinen Spirit teilt. Nicht nur der Umfang an Flusskilometern ist beeindruckend, sondern auch der fahrtechnische Fortschritt, gerade ohne (selbstbekennend) ernsten Hintergrund im Wassersport.

Gabriel ist seit März diesen Jahres Kooperationspartner von uns, insbesondere in Zusammenhang mit seiner anstehenden Grönlandreise. Im Rahmen des „Join me“ Konzeptes (kleines Budget, großes Abenteuer) von „Outventurous“ kommt alt-bewährte wie relative neue Ausrüstung  zum Einsatz. Die Flusskilometer vom Frühjahr können durchaus auch als Stresstest gelten.

Wenn es so etwas wie Kompetenz für Wildnisreisen gibt, dann kann man das Gabriel mit Fug und Recht zuordnen. Auch wenn ‚Wildnis‘ letztlich immer ein ‚Concept of mind‘ ist, 500 weglose Kilometer in der Brooks Range, solo, sind bspw. brauchbare Referenz.

Auch Gabriels Packrafting Karriere begann früh, schon 2010, aber das ist bereits Teil der Geschichte
von Gabriel Gersch

Vom pragmatischen Reise-Paddler zum sportlichen Wildwasser-Packrafter

Mein erstes Packraft habe ich 2010 gekauft, damals stand eine Durchquerung der nördlichen Wrangells im Südosten Alaskas an (Nabesna nach McCarthy). Auf der Route müssen stattliche Gletscherflüsse, der Nabesna und Nizina River, überquert werden, welche wir drei Anfänger mehr schlecht als recht hinunterpaddelten. Unsere Wildwasser-Erfahrung lag damals bei Null ...



Seitdem sind einige Jahre vergangen und ich verbrachte weitere vier Sommer in Alaska, wo ich dutzende Flüsse paddelte. Nie um des Paddelns willen, immer lag das Trekking im Fokus. Mein Packraft war nur das Werkzeug. Da typischerweise intuitiv und einfach zu steuern, kamen wir jedoch immer recht sicher und ohne größere Probleme an unserem Ziel an.

Die meisten meiner Touren fanden nördlich des Polarkreises statt, in der Brooks Range. Der Großteil der Flüsse ist dort eher breit und flach, technische Schwierigkeiten gibt es wenige. Und so kam es, dass ich jahrelang Packrafting-Reisen unternahm, ohne mir je theoretisches Wissen zu Technik und Sicherheit im Wildwasser anzueignen. 

Das änderte sich Anfang des Jahres, als ich mich berufsbedingt dazu entschied, fünf Monate in der Schweiz zu verbringen. Plötzlich hatte ich eine Vielzahl von technischen Wildwasserflüssen in meiner unmittelbaren Umgebung. 

Zeitgleich hatte ich mich für eine neues, sportliches Packraft entschieden, welches meine Fähigkeiten herausforderte bzw. dessen Potential ich nutzen wollte. 

Neues Boot, neue Möglichkeiten

Seit Jahresbeginn fahre ich ein MRS Alligator 2S Pro. Das Packraft ist schlank geschnitten, man kann damit deutlich präziser fahren als mit breiteren Modellen. Schenkelgurte helfen das Packraft zu „kanten“, man kann damit also viel besser auf verschiedene Strömungen reagieren. Die Spritzdecke schließt sicher, auch im wuchtigen Wildwasser muss ich nie anhalten, um Wasser aus dem Boot zu leeren. Das ISS (Internal Story System) am hinteren Teil des Bootes erlaubt es, das Gepäck im Inneren des Schlauchs zu verstauen. Damit liegt der Schwerpunkt tiefer, als wenn alle Ausrüstung vorn auf dem Bug des Bootes geschnallt ist, was die Fahrt im Wildwasser sicherer und das Manövrieren leichter macht. 




Von der Theorie zur Praxis 

Ich bin Autodidakt, theoretische Quellen in Verbindung mit meinen bisherigen Erfahrungen haben mich durchaus weitergebracht. Das muss nicht unbedingt für jeden zweckmäßig sein. Nicht ohne Grund gibt es eine Vielzahl von Kanuschulen.

Das Verstehen der Strömungsformen ist in jedem Fall Grundvoraussetzung aller Ambitionen, ebenso wie zuverlässige Partner und ein gewisses sicherheitstechnisches Know-How (z.B. Umgang mit dem Wurfsack).

Als Mindestmaß an Technik und praktischer Fähigkeit sehe ich:
  • Wiedereinstieg ins Boot 
  • Kehrwasserfahren
  • Traversieren (Seitfähre)
  • Stützen und Kanten 
Ich habe eine recht hohe Bereitschaft zum Kentern (bzw. Schwimmen), das heißt, ich probiere viel aus und lerne aus meinen Fehlern. Das sind natürlich meine Erfahrungen, klar muss dies nicht für jeden gelten, schon gar nicht als Empfehlung. Auf jeden Fall kann man es sich nur leisten, wenn man sich absolut auf den Wiedereinstieg (im Wasser) verlassen kann, deshalb ist für mich essentiell, diese Technik routiniert zu beherrschen.

Über die Wichtigkeit von Kehrwasserfahren muss man keine weiteren Worte verlieren, nur so sind kontrollierte Befahrungen eigentlich erst möglich. Außerdem macht das „Spielen mit Kehrwassern“ Spaß. Meine Videos zeigen das ganz gut.“



Das Schweizer Revier: Saison, Flüsse und Paddel-Partner

Meine Zeit in der Schweiz deckte sich glücklicherweise mit der interessantesten Zeit für Paddler: Der Schneeschmelze von April bis Juni, auch wenn es einige, gletschergespeiste Flüsse (z.B. die Lütschine bei Interlaken) gibt, welche den ganzen Sommer über laufen.

Meine Zielgebiete lagen hauptsächlich im Berner Oberland und dem Bündner Land, welche eine Vielzahl von Flüssen für den Einstieg ins richtige Wildwasserfahren bieten.

Los ging es Anfang April, also noch lang vor der Hauptschneeschmelze.

Mit Vorderrhein, Simme, Sense, Muota, Kander und Hinterrhein (Wildwasser II-III und III)


Gefolgt von Albula, Fukareuss, Saane und Landquart (Wildwasser III-IV und IV+)


Bei keinem dieser Wochenend-Ausflüge war ich allein! Sicherheit, Lerneffekt und Spaßfaktor sind ausreichend Argumente.

Meistens konnte ich gleichgesinnte Packrafter finden, die ich über eine selbst gegründete Gruppe „Packrafting in Switzerland“ zusammenhielt. Oft haben wir recht spontan entschieden, welche Flüsse wir am jeweiligen Wochenende befahren wollen, je nach Wetter, Wasserstand und Fähigkeiten der Paddler. 



Eine super Seite für Flüsse, Schwierigkeitsgrade und Pegelstände im ganzen Alpenraum (nicht nur Schweiz) und meine primäre Informationsquelle: www.rivermap.ch

Fazit

Wildnisreisen bleiben meine große Leidenschaft, dort gehört mein Packraft hin.

Aber der ‚Sportbootmodus‘ hat mir dieses Frühjahr unglaublich viel Spaß gemacht. Auch werden durch diese Erfahrungen meine Reisen sicherer.

Ich nutze eher „gehobene“ Ausrüstung, dennoch lassen sich auch mit einfachen, offenen Booten Strömungstechniken üben und viel Technik erlernen. Dazu möchte ich ermutigen. Vorsicht und Sicherheitskenntnisse mit an Bord, keine Frage. 



Ich habe in den vergangenen fünf Monaten wohl beinah genauso viel Zeit auf dem Wasser verbracht, wie in den gesamten acht Jahren davor und das einzige, was ich bereue, ist, nicht schon früher damit begonnen zu haben …