20.07.2018

REVIERINFO SCHWEIZ, HOW-TO WILDWASSER UND NEUE AUSRÜSTUNG IM EINSATZ - oder - eine Zusammenfassung von Gabriel Gerschs Frühling

Wie kommt man dazu 17 Wildwasserflüsse in 3 Monaten zu paddeln? Ganz einfach, man sucht sich ein Basislager in der Schweiz (z.B. ein Job bei Mammut) und man paddelt, viel.



Zugegeben, es hilft sicher, wenn man Gabriel Gersch heißt oder zumindest seinen Spirit teilt. Nicht nur der Umfang an Flusskilometern ist beeindruckend, sondern auch der fahrtechnische Fortschritt, gerade ohne (selbstbekennend) ernsten Hintergrund im Wassersport.

Gabriel ist seit März diesen Jahres Kooperationspartner von uns, insbesondere in Zusammenhang mit seiner anstehenden Grönlandreise. Im Rahmen des „Join me“ Konzeptes (kleines Budget, großes Abenteuer) von „Outventurous“ kommt alt-bewährte wie relative neue Ausrüstung  zum Einsatz. Die Flusskilometer vom Frühjahr können durchaus auch als Stresstest gelten.

Wenn es so etwas wie Kompetenz für Wildnisreisen gibt, dann kann man das Gabriel mit Fug und Recht zuordnen. Auch wenn ‚Wildnis‘ letztlich immer ein ‚Concept of mind‘ ist, 500 weglose Kilometer in der Brooks Range, solo, sind bspw. brauchbare Referenz.

Auch Gabriels Packrafting Karriere begann früh, schon 2010, aber das ist bereits Teil der Geschichte
von Gabriel Gersch

Vom pragmatischen Reise-Paddler zum sportlichen Wildwasser-Packrafter

Mein erstes Packraft habe ich 2010 gekauft, damals stand eine Durchquerung der nördlichen Wrangells im Südosten Alaskas an (Nabesna nach McCarthy). Auf der Route müssen stattliche Gletscherflüsse, der Nabesna und Nizina River, überquert werden, welche wir drei Anfänger mehr schlecht als recht hinunterpaddelten. Unsere Wildwasser-Erfahrung lag damals bei Null ...


Seitdem sind einige Jahre vergangen und ich verbrachte weitere vier Sommer in Alaska, wo ich dutzende Flüsse paddelte. Nie um des Paddelns willen, immer lag das Trekking im Fokus. Mein Packraft war nur das Werkzeug. Da typischerweise intuitiv und einfach zu steuern, kamen wir jedoch immer recht sicher und ohne größere Probleme an unserem Ziel an.

Die meisten meiner Touren fanden nördlich des Polarkreises statt, in der Brooks Range. Der Großteil der Flüsse ist dort eher breit und flach, technische Schwierigkeiten gibt es wenige. Und so kam es, dass ich jahrelang Packrafting-Reisen unternahm, ohne mir je theoretisches Wissen zu Technik und Sicherheit im Wildwasser anzueignen. 

Das änderte sich Anfang des Jahres, als ich mich berufsbedingt dazu entschied, fünf Monate in der Schweiz zu verbringen. Plötzlich hatte ich eine Vielzahl von technischen Wildwasserflüssen in meiner unmittelbaren Umgebung. 

Zeitgleich hatte ich mich für eine neues, sportliches Packraft entschieden, welches meine Fähigkeiten herausforderte bzw. dessen Potential ich nutzen wollte. 

Neues Boot, neue Möglichkeiten

Seit Jahresbeginn fahre ich ein MRS Alligator 2S Pro. Das Packraft ist schlank geschnitten, man kann damit deutlich präziser fahren als mit breiteren Modellen. Schenkelgurte helfen das Packraft zu „kanten“, man kann damit also viel besser auf verschiedene Strömungen reagieren. Die Spritzdecke schließt sicher, auch im wuchtigen Wildwasser muss ich nie anhalten, um Wasser aus dem Boot zu leeren. Das ISS (Internal Story System) am hinteren Teil des Bootes erlaubt es, das Gepäck im Inneren des Schlauchs zu verstauen. Damit liegt der Schwerpunkt tiefer, als wenn alle Ausrüstung vorn auf dem Bug des Bootes geschnallt ist, was die Fahrt im Wildwasser sicherer und das Manövrieren leichter macht. 




Von der Theorie zur Praxis 

Ich bin Autodidakt, theoretische Quellen in Verbindung mit meinen bisherigen Erfahrungen haben mich durchaus weitergebracht. Das muss nicht unbedingt für jeden zweckmäßig sein. Nicht ohne Grund gibt es eine Vielzahl von Kanuschulen.

Das Verstehen der Strömungsformen ist in jedem Fall Grundvoraussetzung aller Ambitionen, ebenso wie zuverlässige Partner und ein gewisses sicherheitstechnisches Know-How (z.B. Umgang mit dem Wurfsack).

Als Mindestmaß an Technik und praktischer Fähigkeit sehe ich:
  • Wiedereinstieg ins Boot 
  • Kehrwasserfahren
  • Traversieren (Seitfähre)
  • Stützen und Kanten 
Ich habe eine recht hohe Bereitschaft zum Kentern (bzw. Schwimmen), das heißt, ich probiere viel aus und lerne aus meinen Fehlern. Das sind natürlich meine Erfahrungen, klar muss dies nicht für jeden gelten, schon gar nicht als Empfehlung. Auf jeden Fall kann man es sich nur leisten, wenn man sich absolut auf den Wiedereinstieg (im Wasser) verlassen kann, deshalb ist für mich essentiell, diese Technik routiniert zu beherrschen.

Über die Wichtigkeit von Kehrwasserfahren muss man keine weiteren Worte verlieren, nur so sind kontrollierte Befahrungen eigentlich erst möglich. Außerdem macht das „Spielen mit Kehrwassern“ Spaß. Meine Videos zeigen das ganz gut.“


Das Schweizer Revier: Saison, Flüsse und Paddel-Partner

Meine Zeit in der Schweiz deckte sich glücklicherweise mit der interessantesten Zeit für Paddler: Der Schneeschmelze von April bis Juni, auch wenn es einige, gletschergespeiste Flüsse (z.B. die Lütschine bei Interlaken) gibt, welche den ganzen Sommer über laufen.

Meine Zielgebiete lagen hauptsächlich im Berner Oberland und dem Bündner Land, welche eine Vielzahl von Flüssen für den Einstieg ins richtige Wildwasserfahren bieten.

Los ging es Anfang April, also noch lang vor der Hauptschneeschmelze.

Mit Vorderrhein, Simme, Sense, Muota, Kander und Hinterrhein (Wildwasser II-III und III)


Gefolgt von Albula, Fukareuss, Saane und Landquart (Wildwasser III-IV und IV+)


Bei keinem dieser Wochenend-Ausflüge war ich allein! Sicherheit, Lerneffekt und Spaßfaktor sind ausreichend Argumente.

Meistens konnte ich gleichgesinnte Packrafter finden, die ich über eine selbst gegründete Gruppe „Packrafting in Switzerland“ zusammenhielt. Oft haben wir recht spontan entschieden, welche Flüsse wir am jeweiligen Wochenende befahren wollen, je nach Wetter, Wasserstand und Fähigkeiten der Paddler. 



Eine super Seite für Flüsse, Schwierigkeitsgrade und Pegelstände im ganzen Alpenraum (nicht nur Schweiz) und meine primäre Informationsquelle: www.rivermap.ch

Fazit

Wildnisreisen bleiben meine große Leidenschaft, dort gehört mein Packraft hin.

Aber der ‚Sportbootmodus‘ hat mir dieses Frühjahr unglaublich viel Spaß gemacht. Auch werden durch diese Erfahrungen meine Reisen sicherer.

Ich nutze eher „gehobene“ Ausrüstung, dennoch lassen sich auch mit einfachen, offenen Booten Strömungstechniken üben und viel Technik erlernen. Dazu möchte ich ermutigen. Vorsicht und Sicherheitskenntnisse mit an Bord, keine Frage. 


Ich habe in den vergangenen fünf Monaten wohl beinah genauso viel Zeit auf dem Wasser verbracht, wie in den gesamten acht Jahren davor und das einzige, was ich bereue, ist, nicht schon früher damit begonnen zu haben …

15.06.2018

REVIEW: EIN ERFAHRUNGSBERICHT AUS ALBANIEN UND ITALIEN

Als kleiner Exkurs bzw. Nachtrag hier noch ein allgemeiner Erfahrungsbericht zu den Beiträgen aus Italien und Albanien der Familie Steingässer.


Ich bin ehrlich - meine erste Bedenken gegenüber „Schlauchboote“ als Kajak-Ersatz waren riesig!

Ich bin in einer Wassersport-Familie aufgewachsen: im Kanadier saß ich schon, da hatte ich noch Windeln an und konnte nicht laufen. Mein erstes Wildwasser-Kajak bekam ich zum zehnten Geburtstag. Paddeln war schon immer pure Freiheit für mich. Aber in ein „Schlauchboot“ haben mich keine zehn Pferde rein bekommen.

Jens mit Faltrad


Seit zehn Jahren arbeite ich als Fotograf gemeinsam mit meiner Frau, einer Ethnologin und Autorin, an umweltjournalistischen Reportage-Projekten (u.a. für National Geographic, GEO u.a.).

Unser aktuelles Projekt dreht sich voll und ganz um´s Thema „Wasser“. Gemeinsam mit unseren vier Kindern begeben wir uns auf verschiedene Reise-Etappen, um Geschichten über das „blaue Gold“ zu sammeln. Unsere Abenteuer wollten wir von Anfang an mit kleinem Gepäck, autark und möglichst flexibel realisieren - was zu sechst keine leichte Aufgabe ist, vor allem wenn man sich unterschiedlichsten Wasser-Ökosystemen nähern will.

Jana beim Aufbau der Boote



Auf einer ausgiebigen Testfahrt im Frühjahr 2017 auf dem italienischem Tagliamento testeten wir drei Packrafts von Anfibio Packrafting (MRS Adventure X2, Anfibio Delta MX) und waren begeistert! Die Boote waren die perfekten „Arbeitstiere“ für unsere Ansprüche des leichten und flexiblen Reisens. Zumal wir aufgrund extremen Niedrigwassers mit „echten“ Kanus (und deren höherem Tiefgang) oft nicht weitergekommen wären. Und wenn wir doch mal umtragen mussten, trumpften die Packrafts mit Ihrem geringen Gewicht. 

Niedrigwasser in Albanien




Der Clou für uns ist vor allem das „Mobilitätskonzept“ Packraft-Faltrad-Lastenrad: Auf dem Wasser haben wir immer ein Faltrad dabei, mit dem ich unser schweres Gepäck nachholen kann. Am spontan ausgesuchten Übernachtungsort radle ich mit Faltrad zurück zum Startpunkt, um dort das Lastenrad mit den Schwergewichten wie Zelt und Schlafsäcken nachzuholen. Dies erlaubt uns, auf dem Wasser extrem leicht unterwegs zu sein. 

Faltrad auf dem Boot




Und an Land natürlich auch: die Touristen staunen nicht schlecht, als wir zum Abschluss unserer Italien-Testreise in Venedig die Boote aus zwei Tagesrucksäcken holen und fünf Minuten später auf den Kanälen der Lagunenstadt davonpaddeln.



Für uns ist klar, dass die Packrafts die perfekten Boote für unsere Familien-Wasser-Reportagen sind. Unsere zweite Reise-Etappe auf der Vjosa durch Albanien bestätigte dieses Urteil. Vor allem die Kombination Faltrad-Packraft zeigte auf dieser Reise Ihre Stärken, denn auf diese Weise konnte ich schwierige Flusspassagen alleine erkunden und autark zum Ausgangsort zurückkehren. 



Die Packrafts haben uns als Familie und Reisejournalisten komplett überzeugt - wir freuen uns auf weitere Abenteuer im „Schlauchboot“ ;-)

Anfibio Delta MX (in gelb vorn) und das MRS Adventure X2 (in rot hinten)


31.05.2018

REVIEW ZU DEN WASSERWANDERFÜHRERN DER REIHE KANU KOMPAKT (THOMAS KETTLER VERLAG)

Getreu dem Motto “Plan for water, more than for the trail, the hike will come in anyway" sollte man in der Regel den Wasserstrecken der jeweiligen Tour besondere Aufmerksamkeit schenken. Da es einschlägige Packrafting-Literatur mit entsprechenden kombinierten Routenbeschreibungen bislang schlichtweg nicht gibt, empfiehlt sich daher durchaus auch einen Blick auf konventionelle Kanuführer zu werfen. 






KANU KOMPAKT

Der Name ist Programm: Klein und kompakt kommen die Wasserführer daher und scheinen im Ringbuchformat und mit dem robusten Einband auch für prinzipiell eher bücherfeindliche Situationen gewappnet zu sein. So dürften ein paar Spritzer Wasser der Lektüre nichts anhaben. Mit der praktischen Übersichtskarte im vorderen Umschlag kann man sich vor jeder Tour rasch einen Überblick über die Gegebenheiten verschaffen. Weiterhin sind hier die wichtigsten Zeichen und Symbole im Buch, sowie die allgemeinen Binnenschifffahrtszeichen erklärt.

Jedes Buch ist in vier Hauptabschnitte unterteilt. Zu Beginn kann sich der Leser zunächst ein Bild über die Region und die Wasserstrecke verschaffen. Nebenbei gibt es zahlreiche generelle Tipps zur Ausrüstung für die Bootstouren. Vor allem für Anfänger ist die „Kleine Kajak- und Kanadier-Fahrschule“ praktisch, die in jedem Buch mit enthalten ist. Damit können die grundlegenden Paddelschläge zumindest theoretisch einstudiert werden. Praktisch anwenden kann man dieses Wissen dann bei einer der beschriebenen Touren im folgenden Abschnitt des jeweiligen Buches. Nach jeder Tourenbeschreibung folgen einige Seiten mit den wichtigsten Adressen. Dazu gehören neben Unterkünften und Einkehrmöglichkeiten auch Bootsvermieter und Sehenswürdigkeiten.

Wir haben die vier neu erschienenen Bücher zur Altmühl, zum Spreewald, der Müritz-Elde-Wasserstraße und der Loire bereits etwas genauer unter die Lupe genommen. Doch wer die Wahl hat… kann gegebenenfalls auch einfach alle Touren machen, der Sommer ist ja noch lang. ;) Doch auch wenn man sich fürs Erste entscheiden muss, sollte für jeden was dabei sein.


Spreewald

Vielleicht empfiehlt es sich mit einer klassischen Tour zu beginnen. Welches Gebiet wäre da besser geeignet als der Spreewald? Das insgesamt über 1000 km lange Wasserlabyrinth glänzt mit seiner sehr guten Infrastruktur für Wasserwanderer. So kann man auch ohne große Vorkenntnisse ausgedehnte Touren unternehmen. 
Die ersten Seiten vor jeder Tour helfen dem Leser sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Dabei werden neben der Bewertung der Aktivitäten, Natur, Kultur, Baden und der Hindernisse auch der Charakter der Tour, die Sehenswürdigkeiten sowie die An- und Rückreise kurz zusammengefasst. Im Kanuführer Spreewald stehen dem Leser vier Tourenvorschläge, von wenigen Stunden bis zu mehrtägigen Touren, zur Verfügung. Die Wasserwanderwege in dem sonst undurchsichtigen Netz an Wasserstraßen sind gut markiert. 
Für all jene, die ihr Packraft im vollen Ausmaß nutzen wollen, dürften die im Buch kurz beschriebenen Wander- und Radwege von besonders großem Interesse sein. Natürlich ersetzen sie keine guten Rad- und Wanderkarten. Aber die prägnanten Beschreibungen bilden eine gute Grundlage zur Planung und wecken die Neugier auf die Umgebung außerhalb des Wassers. So bietet es sich beispielsweise an, auf dem Gurkenradweg im Spreewald einfach mal Bikerafting auszuprobieren. Auch oder gerade für Familien kann so die Tour abwechslungsreich gestaltet werden. 



Der Kanuführer zum Spreewald unter anderen hier erhältlich.


Altmühl

Eine weitere spannende Gegend wird in dem Kanu Kompakt Führer Altmühl beschrieben. Besonders praktisch: Fahrradwege sind hier in der enthaltenen Karte bereits mit eingetragen. Der Altmühlradweg bietet sich dabei genauso für Land-Wasserwechsel mit dem Packraft an, wie der Altmühl-Panoramawanderweg. Eine weitere geologische Besonderheit lockt die Besucher in die Steinbrücke rund um das Altmühltal. Dort gibt es die Möglichkeit auf Schatzsuche zu gehen: Wer bei der Suche nach einem Fossil hier fündig wird, darf es als Souvenir mit nach Hause nehmen. 
Das Buch gliedert die insgesamt 124 Paddelkilometer in zwei Teile mit jeweils 3-4 bzw. 2-3 Tagestouren. Alle Infos rund um die Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswertes und andere Hinweise sind übersichtlich, wie im Übrigen bei allen Büchern dieser Reihe, am Rand an entsprechenden Stelle der Beschreibung vermerkt. Bei den 12 Wehren auf der Strecke an denen das Boot umgetragen  werden muss, wird man dann wohl spätestens die Vorteile seines Packrafts lieben lernen.
Wer sich am Ende seiner Paddeltour belohnen möchte, sollte sich einen Ausflug ins Freizeitparadies Altmühl- und Brombachsee im fränkischen Seenland gönnen. Dort finden sich Erholungsmöglichkeiten für Groß und Klein. Dank des vielseitigen Freizeitangebots und der guten Infrastruktur für Paddler, wird man hier allerdings eher selten allein auf dem Wasser unterwegs sein. 
Erhältlich ist der Kanuführer Altmühl unter anderem hier


Müritz-Elde-Wasserstraße

Anders sieht es im Gebiet um die Müritz-Elde-Wasserstraße aus. Da es sich hierbei um einen Kanal handelt, ist dieser trotz seiner prominenten Lage eher unbeliebt und durch Paddler wenig befahren. Doch zu Unrecht. Der Wasserweg von der Müritz zur Elbe bietet eine erstaunlich naturbelassene Landschaft und gilt daher noch als Geheimtipp. 
Bei der Aufteilung des Buches sollte man sich nicht verwirren lassen. Wer die komplette Tour im Umfang 10-14 Tagen fahren möchte, muss im Teil 2 des Buches zu lesen beginnen und anschließend in den ersten Teil zurückblättern. Doch das hat auch seine Gründe: der erste Teil ist im Allgemeinen einfacher zu befahren und auch familienfreundlich. Der zweite Teil dagegen sollte nur von versierten Bootsfahrern in Angriff genommen werden, die dieser Herausforderung Dank ihrer entsprechenden Erfahrung gewachsen sind. Dies liegt vor allem an den großen offenen Seen, die sehr windanfällig sind. Dazu gehört auch die Müritz als größter deutscher See. 


Weiterhin befindet man sich in diesem Gebiet auf einer Bundeswasserstraße. Das bedeutet Kennzeichnungspflicht für alle Boote – auch für Packrafts. Doch auch hier steht einem der Kanuführer mit Rat zur Seite und erklärt genau, welche Vorschriften es einzuhalten gilt. Auch bei etwaigen Sperrungen einzelner Flussabschnitte, hilft ein kurzer Blick ins Buch schon weiter. So ist beispielsweise die alte Elde ganzjährig zum Paddeln gesperrt, da es sich hier um ein Naturschutzgebiet handelt. Beste Gelegenheit also das Boot im Rucksack zu verstauen und das 318 Hektar große Naturparadies an Land weiter zu erkunden. In jedem der hier vorgestellten Wasserwanderführer können im Übrigen Infos zu Kultur, Natur und sonstigen Aktivitäten schnell und einfach den farbig markierten Infoboxen entnommen werden. So verpasst man keine der am Wege liegenden Sehenswürdigkeiten. 
Hier ist der Kanuführer Müritz-Elde-Wasserstraße unter anderem erhältlich.


Loire (Frankreich)

Rückt dann der große Sommerurlaub näher, kommen vielleicht auch die weiter entfernteren Ziele in Frage. Wie wäre da beispielsweise durch das UNESCO Weltkulturerbe „Val de Loire“ in Frankreich auf einen der letzten wilden Flüsse Europas zu paddeln? 
Wer Abenteuer und Natur sucht wird hier genauso auf seine Kosten kommen, wie Kulturliebhaber. Einzelne Nächte im Zelt wild zu campieren ist hier offiziell erlaubt. Für alle die es etwas komfortabler in der Nacht bevorzugen, bieten aber auch genügend Campingplätze, Hotels und Pensionen ein Bett für die Nacht an. Andererseits sollte man sich auf keinen Fall einen Abstecher zu einen der direkt am Fluss gelegenen, prunkvollen französischen Schlösser entgehen lassen. Die Loire bietet für Weitwasserwanderungen potential für mehrwöchige Touren. 
Neben den lokalen Besonderheiten unseres Nachbarlands, findet man im Kanuführer auch wichtige Sicherheitshinweise und Informationen, wie beispielsweise Notfallnummern oder andere Gefahren an der Loire. Ein großes Manko auf dem französischen Fluss: es gilt generelles Badeverbot. Will man auch hier kombinierte Land-Wassertouren durchführen, so muss man sich selbst Informationen zu etwaigen Rad- und Wandertouren beschaffen – die Infos dazu kommen in diesem Führer leider etwas kurz. Doch dafür hält er neben den wichtigen Angaben zur eigentlichen Paddelstrecke viele kulturelle und lokale Spezialitäten bereit. Wie wäre es beispielsweise nach einer anstrengenden Wasserwanderung mit einer Weinverkostung? Oder man gönnt sich am nächsten Tag eine Segway- oder Ballonfahrt. Langeweile kommt hier also sicherlich nicht auf. Und wer noch mehr Zeit hat, kann seine Tour mit dem ersten Band zur Loire auch noch beliebig ausdehnen. 



Käuflich erhältlich ist der Wasserwanderführer zur Loire unter anderem hier.


Fazit

Mit den Kanu Kompakt Wanderführer für die jeweiligen Gebiete lassen sich sowohl eintägige Trips, als auch mehrwöchige Touren gut planen. Auch speziell fürs Packrafting bieten sie mit den beschriebenen Ausflügen und Tipps gute Anhaltspunkte. Mit ein wenig Kreativität steht so auch einer kombinierten Land-Wasserwanderung nichts mehr im Wege.

25.04.2018

7 AUF EINEN STREICH - REVIERBESCHREIBUNG KROATIEN

7 Tage 7 Flüsse, jenseits der Soča!
von Sven Schellin | Anfibio Packrafting

Der Balkan rockt. Oft ist Slowenien das Eintrittstor und meist bleibt man gleich an der Soča hängen. Doch jenseits des bekannten Paddelflusses in den Julischen Alpen locken weitere Gewässer. 

Gleich hinter der nächsten Grenze gibt weniger bekannte Flußperlen, welche sich nicht nur durch ihr klares, türkisfarbenes Wasser, sondern durch das „Stufenbach“ Phänomen auszeichnen. Dazu später mehr. Jedenfalls sind es auch nur rund 1000km von Deutschland (Ausgangspunkt Dresden, Ziel Brod na Kupi), was gut und gerne in 11h zu erreichen ist. Willkommen in Kroatien!

7 Tage 7 Flüsse, so kann, muss ein Programm aber nicht aussehen. Es gibt genug Möglichkeiten selbst zu kombinieren.

Viel Spaß mit dieser interaktiven Karte bei der Auswahl und allen nötigen Informationen (i):



Was die Karte auch zeigt, sind die verschiedensten „Randsportarten“, welche die Logistik erheblich vereinfacht haben (kein Auto umsetzen). Der Rück- oder Hinweg erfolgte jeweils zu Fuß, per Rad, aber auch mit Bahn und per Anhalter.

Das hat es auch ermöglicht, verschiedene Gewässer oder Abschnitte in einem „Rutsch“ zu kombinieren (bspw. die Zrmanja mit der Krupa oder den Oberlauf der Mreznica) oder auch erst zugänglich zu machen (der Curak ist bspw. nur zu Fuß erreichbar).

Letztlich haben diese Kombinationen ein „Pensum“ von 7 Flüssen bzw. 145 km Packrafting mit 95 km Paddeln und 50 km Wandern oder Radfahren in nur 7 Tagen ergeben:

Kupa

Pure joy! Clear waterpaddling auf der Kupa.
Curak


Curak ist ein kaum befahrbarer Bach, nur die Schneeschmelze im Frühjahr macht es möglich.
Mreznica

Drop and pool, das ist ist Packrafting auf der oberen Mreznica!
Korana

"Stufenbach", ist ein Karstphänomänon, Kroatiens Flüsse sind charakterisiert von natürlich akkumulierten Stufen. Wasserfälle wachsen hier!
Slunjnica

Peace and quiet, das ist Packrafting auf der Slunjnica. "Quelltopf", ist ein weiteres Karstphänomän, die Quelle der kleinen Slunjnica ist ein 28m tiefer Pool, der 15km aus dem Untergrund kommt!
Zrmanja

Go with the flow. 
Krupa

Flatwater joy, Karststufen bilden natürliche Barrieren für wunderschöne Zahmwasserstrecken.
Gear List