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Walzenreiten im Packraft – stabil bleiben, spielen lernen und sicher wieder rauskommen

Walzen gehören zu den spannendsten, aber auch zu den anspruchsvollsten Übungsspots im Wildwasser. Wer noch wenig Erfahrung mit spielenden Strömungen hat, denkt dabei schnell an Kontrollverlust, viel Wasser im Gesicht und einen unfreiwilligen Waschgang. Aber mit der richtigen Vorbereitung und Technik kann eine Walze ein idealer Trainingsplatz sein – fürs Bootsgefühl, für Balance und für fortgeschrittene Manöver.

In diesem Tutorial schauen wir uns an, welche Ausrüstung sinnvoll ist, wie du eine geeignete Walze erkennst, wie du dich stabil darin hältst und – besonders wichtig – wie du wieder zuverlässig herauskommst. Zum Schluss gibt es ein paar Strategien für Situationen, in denen die Walze dich nicht freiwillig gehen lassen will.

Mit der richtigen Technik wird Walzenreiten zum Kinderspiel.
Hinweis zum Bild: Im Wildwasser empfehlen wir das Tragen einer Schaumstoffweste.

Material – womit in die Walze?

Packrafts besitzen von Natur aus viel Volumen. Für erste Versuche im Walzenspiel ist das sogar ein Vorteil: Das Boot sitzt nicht zu tief im Kessel, du behältst leichter die Übersicht und reagierst entspannter, wenn die Strömung ansetzt. Ein rundes Oberschiff verzeiht zudem kleine Fehler, weil Oberwasserdruck weniger abrupt wirkt als bei kantigen Kajaks.

Wichtig ist vor allem:

  • Fester Bootskontakt: Ohne guten Halt an Schenkeln, Rückenlehne und Fußstützen wirst du in der Walze passiv.
  • Leeres Boot: Vor der Session gründlich lenzen – jedes zusätzliche Kilo bedeutet mehr Masse, die die Walze halten kann.
  • Trockenanzug oder Neopren: Kaltwasser und permanente Spritzbelastung kosten Energie.

Wenn du regelmäßig übst, wirst du merken: Ein gut vorbereitetes Boot und passende Ausrüstung machen einen enormen Unterschied.

Die richtige Walze – nicht jede eignet sich zum Üben

Nicht jede Walze ist ein Spielplatz – manche sind schlicht Fallen. Damit du sicher trainieren kannst, sollte deine Walze folgende Kriterien erfüllen:

  • Offene Ausgänge: Mindestens eine Seite, besser beide, sollten frei abfließen. Nur so gibt es einen sinnvollen Weg hinaus.
  • Flacher Walzenkessel: Der tiefste Punkt sollte nicht viel tiefer liegen als das seitliche Strömungsniveau. Tiefe Walzen erzeugen massiven Druck – schlecht für Einsteiger.
  • Genügend Tiefe im Unterwasser: Kenterst du, muss genug Platz zum Abtauchen und Rollen sein. 
  • Nicht zu klein: Ironischerweise sind Mini-Walzen kaum geeignet - Ihre Strömungen sind oft zu ungleichmäßig, um wirklich darin „stehen“ zu können. Eine mittelgroße, moderate Walze ist für den Einstieg ideal.

In der Walze halten – stabil, effizient, kontrolliert

Viele Paddler glauben, man müsse sich in einer Walze stark hineinlehnen oder extrem kanten. In Wahrheit gilt das genaue Gegenteil: So wenig wie möglich – so viel wie nötig.

Oberkörper aufrecht halten

Das klingt kontraintuitiv, ist aber zentral: Nur mit aufrechter Haltung kannst du Druck sauber verarbeiten und sparsam stützen.

Boot nur leicht kanten

Kante zur Walze hin, aber nicht übertreiben. Zu viel Kante zwingt dich zu einer starken Auslage, die dann mehr Stütze als nötig verlangt – und Energie kostet.

Paddelstütze nah am Boot, tief geführt

Je nach Walzengröße:

Kleine bis mittlere Walzen: Blattrücken flach auf dem Wasser, Schaft fast waagrecht, Ellenbogen unter Schulterhöhe.

Große Walzen: Stütze mit der Blattkehle, Schaft höher – aber niemals mit ausgestreckten Armen (Schulterschutz!).

Wenn du ruhig atmest, das Boot nur minimal anstellst und deine Stütze sauber, aber sparsam hältst, wirst du feststellen, wie wenig Kraft es braucht, um eine Walze kontrolliert auszureiten.

Rausfahren – der einzige funktionierende Weg

Quer über den Walzenkamm hinauszupaddeln bringt nichts – das kostet nur Kraft und führt fast immer zurück in den Kessel. Der Ausweg führt vorne oder hinten, dort wo die Strömung seitlich abläuft.

Achtung, das Boot ist in der Darstellung nicht gekantet.

So kommst du sauber raus:

  • Oberkörper bleibt aufrecht.
  • Paddel nah ans Boot – wie beim Vorwärtsschlag.
  • Blatt ganz leicht (!) öffnen, sodass es Vortrieb erzeugt.
  • Druck halten. Das Packraft bewegt sich langsam Richtung Auslaufzone.
  • Bug dreht stromab.
  • Erst draußen (!) echte Vorwärtsschläge setzen.



Viele Anfänger machen den Fehler, zu früh die Stützposition aufzugeben oder das Blatt zu weit zu öffnen – beides führt dazu, dass man rückwärts wieder in den Kessel rutscht.

Für den Hinterausgang funktioniert die Technik exakt identisch – nur als Rückwärtsschlag gehalten.

Notfallprogramm – wenn die Walze dich wirklich festhält

Auch beim besten Setup kann es passieren, dass du nicht herauskommst. Dann gilt: Ruhe bewahren und strukturiert vorgehen.

Wenn dich die Walze festhält ist das kein Grund zur Panik. Bleibe ruhig und gehe strukturiert vor.

1. Stabilisieren & Kraft sammeln

Nicht sofort hektisch paddeln. Erst eine neutrale Grundposition finden, sauber stützen, atmen.

2. Mit Anlauf versuchen

Lass dich bewusst weit nach hinten in den Kessel schieben. Dann setze mit etwas Schwung an und arbeite dich erneut Richtung Ausgang. Oft reicht dieser Impuls, um die kritische Zone zu überwinden.

3. Niemals bis zur Erschöpfung kämpfen

Walzen sind gnadenlos, wenn dir die Kräfte ausgehen. Schwimmen ist nicht schlimm – Bewusstlosigkeit dagegen schon.

Fazit

Walzenreiten ist eine der besten Übungen, um Bootsgefühl zu entwickeln: Die Strömung reagiert direkt, Fehler werden sofort sichtbar, und du lernst, wie dein Packraft unter Druck arbeitet. Mit einer geeigneten Walze, passender Ausrüstung und den beschriebenen Grundtechniken verwandelst du aus einem gefürchteten Ort schnell ein spielerisches Trainingsfeld.

Und wie bei allen Techniken gilt: Wiederholen, ausprobieren – und Spaß haben!

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