21.08.2015

Packrafting in Äthiopien (V)

Mitten im Wasser dürstet der Narr

Die kommenden beiden Tage veränderte sich die Flusslandschaft merklich. Das Gefälle nahm zu, das Tal des Tekeze wurde allmählich enger und imposante steile Felswende machen den Flussverlauf uneinsehbarer. Nachdem wir die Tage zuvor langsam den Fluss entlang paddelten und die Landschaft intensiv genießen konnten, nahm die Fließgeschwindigkeit zu und wir bezwangen einige Stromschnellen der Kategorie 2 und 3. Fanta landete an einigen Passagen an, schulterte sein Raft und umging schwierigere Passagen am Ufer. Erstmals nutzten wir hier auch die Spritzdecken, um ein Volllaufen der Rafts mit dem tosenden Wasser zu vermeiden. Wissend, das ich in einem robusten und strapazierfähigen Packraft sitze, bezwang ich so manche Fälle, Kaskaden und Walzen mit großem Vergnügen. Selbst die Eskimo-Rolle, die ich unterhalb eines Kehrwassers „provozierte“, gelang problemlos! 

In einigen Bereichen des Flusses schrammten wir auch über große, teils scharfkantige Steine, die der Bootshaut in keinster Weise schadeten. An einer Staustufe, wo das Wasser für die angrenzenden Felder gestaut und in einem Kanalsystem umgeleitet wurde, war der Wasserpegel dermaßen flach, dass wir in regelmäßigen Abständen aufsaßen. Fluchend stieg ich aus und zog das Raft weiter. Fanta schien mich amüsiert zu beobachten. Nachdem ich mich wohl nicht wirklich beruhigt hatte, drückte er mir sein Paddel in die Brust und gab mir eine äthiopische Volksweisheit mit auf den weiteren Weg: „Mitten im Wasser dürstet der Narr!“  

Und ja, Recht hat er, Fanta – der erste Packraft`er Äthiopiens: in erster Linie ist der Tekeze eine wichtige Lebensader für die lokale Bevölkerung und deren Landwirtschaft. Wasser ist Leben! Gerade uns sollte stets bewusst sein, dass solche sogenannten Abenteurer-Touren auf Flüssen fernab der industrialisierten Welt zwar unvergessliche Naturerlebnisse sein können, unser eigenes Ego befriedigen und sportliche Herausforderungen darstellen, doch sollten wir auch nie die  Demut vor der Natur, insbesondere dem Wasser als essentielles lebenserhaltendes Gut verlieren. 
Zufrieden, müde und beladen mit neuen Erfahrungen erreichten wir nach 4 Tagen auf dem Wasser die „Schlucht-Brücke“ unweit des regionalen Flughafens von Lalibela. Ein letztes Mal ließen wir die Luft aus den Packrafts, rollten sie zusammen und verstauten sie in unseren Rucksäcken. Nach einem kurzen Fußmarsch hinauf zur Piste hörten wir schon bald Cheru uns wild hupend entgegenkommen. Gemeinsam fuhren wir zurück in das naheliegende Lalibela.

Hinten auf der Ladefläche lies ich mir den Fahrtwind ins Gesicht blasen und begann die letzten Tage allmählich zu rekapitulieren. Wieder einmal hat mich Äthiopien überrascht! Wieder einmal hat mich die Gastfreundschaft der Menschen zu tiefst begeistert. Wieder einmal habe ich eine neue Dimension dieses großartig vielfältigen Landes kennenlernen dürfen. Die Dimension des im Hochland Äthiopiens „auf dem Wasser unterwegs zu sein“ erlaubte mir neue Perspektiven auf Land, Leute und deren Alltag, die ohne die Packrafts in dieser Form wohl nicht möglich gewesen wären... 

Danksagung

Mein Dank gilt hier noch einmal ausdrücklich Sven vom Packrafting Store in Dresden und Leipzig für das zur Verfügung gestellte Equipment, Robert von Diamir Erlebnisreisen in Dresden für die Arbeit im Büro, Frederic von Global Nomad in Addis Abeba für die logistische Unterstützung vor Ort, Cheru in Lalibela für seine großartigen Ortskenntnisse und Hilfsbereitschaft und natürlich Fanta, dem ersten Packraft`er in Äthiopien ;-)

Und das Ergebnis von Lutz seiner Arbeit gibt es zum Miterleben hier: Packrafting in Athiopien 

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