27.11.2019

8. GEBRAUCHTBOOTVERKAUF

Zum achten Mal verkaufen wir zum Saisonende unsere gebrauchten Boote aus dem Vorführ- und Mietbestand. 

Die Boote waren überwiegend nur eine Saison im Einsatz (weitestgehend Baujahr 2019). Das Material hat durchweg einen guten Zustand und ist z.T. mit Extras ausgerüstet (Leinen und Riemen-Set, etc.). 

Wie üblich gib es das Angebot immer im Paket (mit Paddel). Dazu behält man die Garantie (1 Jahr) und ein Rückgaberecht (14-Tage), hat also kein Risiko im Gebrauchtkauf. Im Gebrauchswert ist das Angebot gegenüber dem Neukauf deutlich attraktiver. 

Achtung das Angebot läuft nur bis 31. Dezember. Da es sich um Einzelstücke handelt, bleibt der Zwischenverkauf vorbehalten. 





18.11.2019

WHO LET THE DOG OUT?

Arco und Lisa
Lisa-Kristin ist auf den Hund gekommen. Warum und vor allem wie dieser ins Boot kommt, das erzählt sie uns in einem Gastbeitrag und Erfahrungsbericht, vornehmlich von ihrer großen Sommertour durch Schwedisch-Lappland. Dort hat sie nicht nur alte Bekannte von uns getroffen (Johannes Kormann/Wildact.ch), sondern auch jede Menge andere Hundefreunde. 

Aufgewachsen in einer Abenteuer Familie, welche die ganze Welt bereist, hat sie schon zeitig in ihrem Leben erkannt, dass sie die schönen Seiten dieser Welt entdecken möchte, was sie seit diesem Jahr auch mit Packraft tut. Ihre Passion hat sie in ihrer Berufung als Fotografin erfolgreich umgesetzt, was man unschwer an den tollen Bildern erkennen kann.
Das Adventure X2 gleitet ohne großen Aufwand stabil durchs Wasser.

Packraft mit Hund – wie, warum und soll man überhaupt?

Jeder Hundebesitzer wird bei der wohl bekannten Aussage wahrscheinlich stets zustimmen: „Der Hund ist wie ein Familienmitglied“. Natürlich ist das auch bei uns der Fall und wenn wir unterwegs sind, ist unser 42 Kilogramm schwerer Riesenschnauzer Arco immer mit dabei. Das heißt natürlich – ob kleine oder große Abenteuer – es muss hundetauglich sein.

Wir bestimmen das Tempo selbst. Pausen, ob an Land oder am Wasser, gehören zum Raften dazu.

Durch meinen Beruf als Outdoor Fotografin sind wir viel zu Fuß unterwegs. Ob beruflich oder privat das Problem: „à piedes“ ist es oft zu langsam, um größere Distanzen zurückzulegen. Ein Fahrrad ist nicht immer sinnvoll und für den Hund sowieso auf Dauer nicht machbar. Ein Kajak – viel zu umständlich und zu schwer.

Ein Packraft ist die ideale Lösung für genau dieses Problem! Die robusten und leichten Reisemittel vereinen nicht nur Wege am Land mit denen am Wasser, sondern machen unglaublich viel Spaß – ganz nebenbei sind sie auch noch fotogen!

Was macht der Hund dabei? Ausguck halten und Freude daran haben, dass er mit ist!

Gepäck kann vorne oder hinten zusätzlich leicht verstaut werden.

Warum überhaupt?
Es gibt kaum etwas Schöneres für einen Hundebesitzer als mit seinem von Neugierde getriebenen Hund durch die Wälder zu streifen. Es macht Freude dem Hund beim Beobachten und Entdecken zu zusehen und es ist beruhigend zu wissen, dass der Hund abends, wenn man am Feuer die Erlebnisse des Tages Revue passieren lässt, mit einem Ohr immer in den Wald hineinlauscht. Das Packraften ist eine Möglichkeit mit Hunden unterwegs zu sein wie keine andere. Es bietet dem Hund Bewegung und die Möglichkeit auf Touren und Wegen mit zu gehen, die sonst (mit ihm) unpassierbar wären.

Packrafting ermöglicht neue Blickwinkel und Perspektiven - auch mit Hund.


Welches Packraft ist Hunde-tauglich?
Die Packrafts sind unglaublich robust und
stabil. Selbst schwere Hundepfoten oder un-
gleiche Gewichtsverteilung sind kein Problem. 
Grundsätzlich fast alle – es kommt auf die Größe des Hundes an. Die Packrafts sind sehr stabil und robust und viel weniger wackelig als Kajaks oder Kanus, die auch noch schwer zu tragen sind. Unsere Wahl, bedingt durch die Größe eines Riesenschnauzers, fiel auf das Adventure X2.

Das Adventure X2 ist das vielseitigste aller Packrafts und extra robust. Es ist groß genug für einen Seemann mit Gepäck plus unserer großen Gallionsfigur. Sollte die einmal nicht dabei sein, paddelt es sich auch perfekt zu zweit. Somit kann bei großen Touren einer den Hund und der andere mit einem weiteren Packraft das Gepäck nehmen. Es ist außerdem leicht, wildwassertauglich und läuft tatsächlich schneller und geradliniger als Kleinere.  Selbst mit dem Hund an Bord ist noch immer genug Platz für einen großen Rucksack hinter dem Steuermann und ich kann einfach mit dem Doppelpaddel fahren. Sollte einmal weniger Platz sein, ist aber auch ein Paddeln mit Stechpaddel wie bei einem Kanu problemlos möglich.

Für kleinere Hunde (-besitzer) kann es aber durchaus auch eine Nummer leichter sein. Ein beliebtes „DogRaft“ ist beispielsweise auch das Sigma TX oder Delta MX.


Auch kleinere Hunde finden Gefallen am Packrafting - so gibt es für jeden Hund(ebesitzer) das passende Boot.


Wie kommt der Hund ins Boot?
Sinnvoll ist es ein Trockentraining mit dem Hund zu machen. Je nachdem ob der Hund schon mal auf dem Wasser unterwegs war, variiert das Ausmaß der Übung. Das heißt also das Raft im aufgeblasenen Zustand auf den Boden legen und den Hund ein- und aussteigen lassen. Sitz und Platz ist natürlich genauso wichtig. Dann wird das Ganze eventuell noch ohne Gepäck im Wasser geübt – aber dafür mit Leckerlies.
Ist das dem Hund vertraut, ist es normalerweise kein Problem auch vom seichten Wasser aus zu starten. Wird vom erhöhten Ufer losgepaddelt, ist es zu empfehlen, dass jemand zusätzlich das Raft festhält bis der Hund drinnen ist. Zumindest unserer ist immer mit so viel Schwung und Begeisterung dabei, dass sonst die Hinterbeine kaum Zeit haben nachzukommen sobald er an Bord springt. 

Wo sitzt der Hund?
Die – oder derjenige der paddelt und steuert – sitzt hinten und steigt als erstes ein. Dementsprechend sitzt der Hund vorne und darf die Seele baumeln lassen... oder irgendein anderes Körperteil das mal da oder dort ins Wasser hängt. Dank der großen, stabilen Seitenwulste muss der Hund nämlich nicht ständig bewegungslos an derselben Stelle verharren. Unser Riese wechselt häufig die Position und setzt sich durchaus oft auf die eine oder andere Seite. Das Packraft läuft interessanterweise trotz dieser ungleichmäßigen Gewichtsverteilung schnurstracks gerade aus und lässt sich selbst durch die ins kühle Nass gerutschte Hunderute nicht beirren.

Auch auf dem Schlauch kann entspannt Platz genommen werden.

Was benötigt man zusätzlich?
Eine Isomatte sollte immer mit dabei sein. Sie dient während der Zeit auf dem Wasser dem Hund als Unterlage, da sie den Boden stabiler macht und zusätzlich schützt. Das hilft dem Hund sich gut hinzulegen oder sich bei Bedarf drehen zu können. Außerdem hält es die Kälte des Wassers ab, was auch im Sommer nicht unterschätzt werden sollte. Eine Unterlage mitzuhaben, ist aber sowieso meistens eine gute Sache und keine zusätzliche Belastung.  

Hat der Hund Freude an dieser Art zu reisen?
Natürlich kommt es immer auf den Hund an, wie er auf Situationen reagiert und ob er damit klarkommt. Lässt man sich etwas Zeit und arbeitet in Ruhe mit ihm, sind sie meist sehr anpassungsfähig und einfach glücklich, wenn sie dabei sein dürfen. 

Der Hund kann sich seinen Aussichtsposten selbst wählen - das Raft läuft unbeirrt gerade aus.

Der Hund, das Packraft und der Norden

Das Trockentraining hat unser Hund bestens gemeistert und somit hält uns nichts mehr.
Wir beschließen nach Nord-Skandinavien, insbesondere nach Schwedisch-Lappland, aufzubrechen.

In drei Monaten legen wir die Strecke mit dem Wohnmobil zurück. Die zusammengerollten und miteingepackten Packrafts geben uns dabei jederzeit die Möglichkeit Land UND Wasser zu bereisen, in einem Tempo das wir selbst bestimmt – genau richtig mit einem Hund.

Wer viel wandert weiß, dass sich jedes Kilo zusätzlich rasch anhängt und somit sind die leichten Packrafts (2-4kg) perfekt. Wir verstauen sie beim Marschieren an oder in den wasserdichten Rucksäcken von Ortlieb die sich wie normale Trekkingrucksäcke tragen lassen und selbst der Hund bekommt sein eigenes Gepäck auf den Rücken. Bis zu 10% des Eigengewichtes dürfen Hunde tragen und so trägt jeder von uns sein Futter selbst.

Die Rucksäcke Atrack sind richtige Packraft-Rucksäcke und eignen sich perfekt für das Wandern und Paddeln.

Die Rafts sind im Nu startklar und wir drei paddeln los.

Am ersten Tag gibt es durch den Wind ziemliche Wellen und unser Hund wird kurzzeitig etwas seekrank. Nach einer 10-minütigen Pause hüpft er aber munter wieder an Bord und wir schippern weiter. Immer mit der Option einfach auch zu Fuß weiter zu können. 


Exkurs: Können Hunde seekrank werden?

Das ist keine Seltenheit und viele Hundebesitzer wissen eigentlich gar nicht, dass das anfangs leicht passieren kann. Wenn man den Hund aber dann mal sich dessen entledigen lässt, was ihm den Magen umdreht, geht alles wieder wunderbar. Sonst sind die Hunde nervös und fiepsen und springen sogar in ihrer Not von Board, da sie es nicht verunreinigen möchten. Die Besitzer sind dann verzweifelt und denken, dass ihr Hund einfach nicht will. Bei mir war das bei fast jedem Hund so :)

Packraften ermöglicht eine ganze neue entspannte Art mit dem Hund zu Reisen.

Da wir auf Tour (wenn das Wohnmobil sicher abgestellt ist) meist im Zelt übernachten, haben wir Schlafsäcke und Isomatten mit dabei. Diese Ausrüstung dient dem Hund während der Zeit am Wasser als o.g. Unterlage. Manchmal sitzt er sich aber auch einfach auf dem Wulst am Rand – wohl um besseren Ausblick zu haben. Die Rafts sind unglaublich stabil und wir gleiten selbst mit so ungleichmäßig aufgeteiltem Gewicht wie eine Galeere durchs kühle Nass.

Übernachtet wird im Zelt. Die Isomatte kann am nächsten Tag direkt wieder im Boot genutzt werden.

Lappland ist voll mit Seen und Flüssen. Somit macht diese Art der Reise, die so ruhig und trotzdem so viel schneller als nur zu Fuß ist, unglaublich viel Spaß. Wir steuern die Geschwindigkeit der Reise komplett selbst und überall wo es uns gefällt halten wir an. Oft müssen wir nur einige Meter Land überqueren, was mit den Booten auch im aufgeblasenen Zustand kein Problem ist. 

Durch ein Gewicht von 2-3kg ist das Packraft ohne Mühe auch über kleinere Strecken an Land getragen.

Jeder neu entdeckte Weg, jede sich öffnende Flussmündung, jedes Plätzchen um Rast zu machen bestimmt den weiteren Verlauf unserer Reise. Kaum liegt das Raft im Wasser sitzt der Hund schon wieder drinnen.

Nichts rast an uns vorbei, außer die Zeit in Lappland. 

Mit dem Packraft paddelt es sich gemütlich in den Sonnenuntergang.

POLAR NIGHT EXPEDITION LAPONIA - INTRODUCTION (1)

The „Les Engages (French for the „dedicated“ or the “commited”) are 3 guys from France and Argentina working as entrepreneurs and adventurers. Most notably there Greenland crossing and ascending the Aconcagua in the past.

Now the Les Engagés are preparing for their next polar challenge, at night. That means they will travel during total darkness of the Polar Night around the change of the year, illuminated only by Northern Lights, the Moon (hopefully) and their own head torches.

How crazy is that?

To do this, they first dare, then commit and finally build the team to show that extreme adventures are not inaccessible. The plan is to reach the North Cap under own power by ski, pulka and packraft. To built confidence the training phase is under go, especially for the night paddling.

See their test on the Loire river and the Atlantic ocean in the next post. Follow first their impression and thoughts of the equipment in this post.

Instagram: @les.engages
Von: Valentin Drouillard

We have just received three packrafts: two Anfibio Delta MX packrafts and one MRS Adventure X2 packraft. These atypical boats are the key element of our next expedition.

Indeed, in January 2020 we will have to trust them to cross a 3km stretch of sea in northern Norway. It will be cold, -20°C. It will be night, a polar night during which the sun never rises. We will each transport 90kg of material loaded into a pulka: food, gasoline, batteries, clothing, etc. Everything you need to progress independently in a polar environment.



What is a packraft? 

A packraft is an inflatable boat. It provides amphibious capability for any adventure. Some models are designed for calm water, others for rapids.

Lightweight. 1.6kg for Anfibio and 3.2kg for MRS.

Not very large. It fits in a backpack. Its volume is comparable to that of a tent. 30x20cm for the Anfibio and 50x20cm for the MRS.

Can support a heavy load. 180kg for Anfibio and 250kg for MRS.

Inflatable.

Before launching, the packraft is inflated with a simple bag. He takes the walker, his bag and possibly his bike with him!

As you can see, packraft makes new adventures possible. Simply cross a river or lake that blocks your way or design an amphibious walking and boating trip. You can already imagine hiking up the Cévennes gorges and then sailing down the river or boarding an isolated cove and throwing your packraft into the sea to stroll along the paradisiac bays.

We are preparing to use our packraft in extreme conditions. In northern Norway, the freezing water temperature combined with the polar cold makes there is a risk of a shipwreck or fatal fall. This risk is aggravated by our heavy load, the darkness of the polar night, our thick clothing that would soak up water before freezing, a potentially rough sea, etc.

Given the stakes, we are conducting a rigorous test of our three boats. We chose Lake Emosson, which culminates in the Swiss Alps at an altitude of 1800m. The water is cool despite the month of July. But we're not here to admire the scenery. Our questions are many. They are concrete and we are here to respond to them.


The inflation time?

The packrafts are inflated with a bag that acts as an inflator. We capture the air by leaning on the wind and then close the bag. By rolling it on itself we chase the air out into the single strut of the packraft. A tedious but simple operation. We finish the inflation by mouth. Finally, in a few breaths, we inflate the seats. Over and out. Assessment of the races, between 5 to 10 minutes depending on the models, stopwatch in hand. The operation is effective. Good, because we won't have time to waste when the time comes.

Is the water infiltrating?

The packrafts are easy to handle. Very handy. So easy to handle that we have to paddle near the sausage so as not to zigzag. The result: more splashes. Many drops reach us. Today they refresh us, tomorrow they may freeze us. What is the answer to this problem? Put on a raincoat? A waterproof poncho? Equip our paddles with washers to avoid runoff? To be tested.

The speed of navigation

In 10 minutes, we cross 500m. Without forcing. This means that we can hope to cross our inlet within an hour, in the dark of course. Maybe a little more due to the current and the effect of the load. This will be a long time.

Transport of the load

We quickly notice that the space inside the packraft is still small, too small to carry a 90kg pulka*. We will therefore have to stow our pulka on the back of the packraft, make them float and drag them behind us. Pulling a 90kg pulka over the water seems daring. What if the pulka sinks and takes us to the bottom? This prospect is chilling us in the back.


Reaction of the packraft when towing a load

We attach one packraft to the other. One of us paddles, the other one lets himself be shot. We thus simulate a load of about 80kg. The head packraft reacts well. We were concerned that the rear of the latter would sink into the water under the effect of traction and the front would rise. This would have destabilized the boat and increased its vulnerability. This phenomenon does not occur and the boat remains stable, barely slowed down by the dead weight. That's a good point.

Setting sail and docking

We never want to be in contact with freezing water. We cannot put one foot in the water to get on or off the ship. It would be frostbite for sure. So we practice boarding directly from a shoreline. From a hospitable shoreline (a beach) and from a hostile shoreline (a steep rock). The operation is difficult because the packraft tends to slip away. We will need the help of a comrade or packraft already in the water to stabilize the boat. It's possible but dangerous. We'll have to practice.

The puncture

We check the repair kit. It's a patch and glue. In case of impact, the supplier recommends using heavy tape. Scotch, the faithful ally of adventurers. We find this useful and reliable remedy: a proven D system.



Man Overboard

The nightmare. And if one of us falls into the sea. Shocked by a freezing cold, weighed down by his soaked clothes, will he be able to climb up on his own? Will he need the help of others? What if his packraft capsizes? If the terrible accident occurs, it will be necessary to get out of the water in record time, undress on the packraft and change clothes before reaching the nearest shore. We are causing a capsize. The fresh water gives us a real boost. We join the packraft in two movements, grab it and hoist ourselves on board. The packraft remains stable. The operation is easy with a minimum of agility. Will it be the same with our gloves, clothes and heavy shoes? And in much colder water? You have to test it. Test again.

This packraft test has taught us a lot. New questions have also emerged. We will have to provide an answer before leaving on an expedition. With this in mind, we are planning a new packraft test in November. This time on the sea, with our pulkas and polar gear.

*This is used by polar hiking expeditions and, once harnessed to the walker, allows all his equipment to be dragged on snow or ice.

01.11.2019

REVIERBESCHREIBUNG ERZGEBRIGE

Wir machen uns bevorzugt selbst ein Bild von den Dingen und sind immer auf der Suche nach Neuentdeckungen. Selbst vor unserer Haustür werden wir dabei noch fündig. Idealerweise haben wir das Boot immer dabei – was dank des Packraft-Ansatzes ja nicht schwer ist. Für unser Heimatrevier in Sachen Wildwasser, dem Erzgebirge, muss man jedenfalls spontan sein. Mehr dazu weiter unten.

Der Artikel zu Revier und Kultur der Paddler im Erzgebirge basiert auf einer Veröffentlichung im KANUmagazin vor ein paar Jahren, hat aber immer noch uneingeschränkte Gültigkeit. Die interaktive Karte und frische Bilder dazu stellen den aktuellen "Forschungsstand" unserer Art von Gewässerkunde dar.


von Sven Schellin I Anfibio Packrafting

Jahreszeiten sind überbewertet

Wildwasserpaddeln im Erzgebirge ist wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Kommt selten vor, ist aber ein Anlass zu überschwänglicher Freude. Sommerhochwasser gibt es nur alle 100 Jahre – okay, neuerdings alle elf Jahre – aber Paddeln, wenn andere um ihre Existenz kämpfen, ist auch nicht so toll. Deshalb ist Wildwassersport im Erzgebirge ganz klar Wintersport. Und das hat durchaus seinen Reiz. Paddeln im Winter entspricht eben nicht ganz den Konventionen: Temperaturen um die Null Grad bringen nur die wenigsten mit Wassersport zusammen. Und regelmäßig scheitert man daran, es Außenstehenden doch begreiflich zu machen. Aber was soll man tun, Wildwasser paddelt man, wenn der Wasserstand stimmt, nicht, wenn das Wetter passt. Und ist man erst einmal vom Virus befallen, spielt es ohnehin keine Rolle mehr, ob es regnet oder schneit – die Laune steigt mit den Pegeln. Voraussetzung dafür ist allerdings die richtige Ausrüstung, denn niemand friert gerne freiwillig. So ist Winterpaddeln im traditionsreichen Erzgebirge etwas ganz Besonderes. Aus den Metropolen Dresden, Leipzig und Chemnitz ist man schnell am Bach – perfekt für kleine Fluchten aus dem wintertrüben Alltag. 

Viel mehr als eine Handvoll guter Paddeltage springt pro Saison meist nicht raus, doch die lohnen sich umso mehr. Regen gehört dazu, sonst läuft nichts, am besten in Verbindung einer abtauenden Schneedecke. Sagte ich bereits, dass Außenstehende schwer zu überzeugen sind?



Alles im grünen Bereich

Typischerweise mäandern die Bäche erst im Hochmoor der Kammlagen, um sich dann einen Durchbruch zu suchen (beliebtester Vertreter: die Schwarze Pockau, WW III–IV).  Bei großer Frostempfindlichkeit empfiehlt sich eins der wasserreichen, aber schneearmen Einzugsgebiete im Erzgebirgsvorland. Die Klassiker Chemnitz (»Soca für Arme«, WW III), Bobritzsch (ein wenig sächsische Wildnis, WW II) und Zwickauer Mulde (mit dem berühmten »Kachelofen«, WW II/IV) laufen als erstes, am meisten und als letztes. Oder man setzt auf etwas Sensibleres in den Höhenlagen (Pöhlbach, Sehma, Natzschung, WW II–III). Wer es dosierter mag, vertraut dem Staumeister an der Roten oder Wilden Weißeritz (WWII+). Eines am Rande: Hardcore-Wildwasser gibt es im Erzgebirge nicht. Der vierte Grad bleibt die Ausnahme, 90 Prozent des Wildwassers ist I–III und damit ideal für Normalsterbliche. Doch Vorsicht: Auch Bäume und Wehre können gefährlich werden und beides gehört im Erzgebirge leider dazu. Besonders die Minikraftwerke der Nachwendezeit haben den Flüssen ganz schön zugesetzt.



Doch zurück ins Wildwasser. Denn da gibt es ja auch noch den böhmischen Teil des Erzgebirges. Die Südabdachung des Gebirges in Tschechien ist viel steiler als die sanft geneigte Hochfläche in Deutschland. Daher finden sich hier neben Flüssen wie Svatava und Rolava  (WW II) auch schwerere Creeks für Sturzbachpaddler (Cerna, bis V).



Organisation ist alles (Spontanität aber auch)

Ein schöner Paddeltag startet in der Regel im hektischen Wechsel zwischen sächsischer PegelseiteDundaks Paddelseite und eigener Telefonkonferenz. Neuerdings mischt sich auch eine spezielle Facebookgruppe unters Volk (siehe Infokasten). Wie auch immer, die Entscheidung und Planung fällt schwer: Wenn was läuft, dann meist alles auf einmal. Roland »Dundak« Einert, Betreiber des oben genannten Seite mit Flussdatenbank im Kopf und Pegelprognose im Urin ist da entspannter. Meist hat er vorausschauend schon einen Shuttle-Plan in petto und die Reihenfolge der zu befahrenden Bäche sowieso. Das sächsische Paddelvolk (ein paar überschaubare Kleingruppen) nimmt diese Organisation dankend an, statt sich selbst ins eigene Chaos zu stürzen oder vor lauter Unentschlossenheit am Rechner hängen zu bleiben bis das Wasser wieder abgelaufen ist. An Dundak führt(e) bisher kein Weg am Paddeln in Sachsen (und anderswo) vorbei. Und dann gibt es ja noch die oben erwähnte Facebookgruppe. Man munkelt von Slalomfahrern, Raftguides und anderen Haudegen. Zu klein sind jedoch die verschiedenen Fraktionen in der Szene, als dass es da nicht auch zu Koalitionen kommt. Und vor Ort am Bach spielt das sowieso keine Rolle. Hier liegt die Konzentration darauf, möglichst viele Gewässer unterzubekommen, ohne einfach nur abzuhaken.



Ein Paddeltag endet standesgemäß beim Glühwein über dem Campingkocher. Man steht in lockerer Runde zusammen, schmiedet Pläne für den nächsten Tag und der Trockenanzug friert mit dem Nachfrost am Auto fest. Paddeln im Erzgebirge ist eben rau und ruppig – aber auch immer gesellig.

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INFOBOX


Das Erzgebirge hat ein großes Einzugsgebiet – und zwar nicht nur in Sachen Niederschlag. Die Metropolen Dresden, Chemnitz und Leipzig sind nicht weit und als Alternativprogramm zum ewigen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt bieten sich die Erzgebirgsbäche geradezu an.

Anreise, Unterkunft & Co.  
Den Weg ins Erzgebirge findet jeder, die Landstraßen zwischen den Bächen nicht unbedingt. Am besten schließt man sich ortskundigen Paddler an. Da Dresden, Chemnitz und auch Leipzig nicht wirklich weit weg sind, schläft der typische Erzgebirgspaddler meist daheim. Schade eigentlich, denn auf deutscher Seite finden sich viele traditionell-verspielte Unterkünfte, in Tschechien geht es urig-rustikal zu. 

Nützliche Informationen 

Termine und Veranstaltungen
  • Erzgebirgsring im März: Traditionelle Wildwasserveranstaltung des Sächsischen Kanu-Verbands (SKV). Infos: mountain-river.de.
  • Der SKV bietet regelmäßig organisierte Fahrten an: kanu-sachsen.de.

Touristikinfo 
Tourismusverband Erzgebirge e.V., 
Adam-Ries-Str. 16, 
09456 Annaberg-Buchholz,
Tel. 03733/1880088
info@erzgebirge-tourismus.de




Flussinfos
  • Chemnitz, 8 km WW II–III. Zwischen Wehr bei Schweizerthal und Stein, ab 15 Kubik, schöne Blockstellen und Verengungen.
  • Bobritzsch, WW I–II, ab 9 Kubik, Naundorf bis Mündung in die Freiberger Mulde, schönes, einsames Waldtal.
  • Müglitz, WW II (IV),  ab 10 Kubik, Lauenstein bis Elbemündung, landschaftlich sehr schön.
  • Wilde Weißeritz, 11 km WW II(+), ab 8 Kubik, zwischen Talsperre Klingenberg bis Edle Krone. Nette Waldschlucht.
  • Rote Weißeritz, WW II, ab 10 Kubik, Talsperre Malter bis Rabenau. Tiefer Grund mit praktischem Bahnshuttle.
  • Schwarze Pockau, 15 km WW III–IV, ab 9 Kubik, Kühnhaide bis Pobershau. Sachsens schönster Bach.
  • Natzschung, 11 km WW II–III, ab 7 Kubik, Rübenau bis zur Mündung in die Flöha, rasanter Grenzbach zu unseren tschechischen Nachbarn.
  • Pöhlbach, 10 km WW II–IV, ab 6 Kubik, Königswalde bis Zschopau-Mündung. Typischer Wald- und Wiesenbach.
  • Zwickauer Mulde, 15 km WW II (IV), ab 10 Kubik, Blauenthal bis Aue. Achtung Wehre!
  • Cerna, 6 km bis WW V, ab 7 Kubik, In Tschechien von Bozi Dar bis Potucky, schwerster Bach im Erzgebirge.