Manche Boote sind nach einer Saison „durch“. Andere beginnen erst dann, ihren Charakter zu zeigen.
Dieser Artikel ist kein klassischer Test, sondern ein #recap aus der Community: ein Rückblick auf zwei Jahre Nutzung – auf Touren, mit Gepäck, über mehrere Tage. Was hat sich bewährt? Wo liegen die Unterschiede? Und für wen sind diese Boote heute die richtige Wahl?
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| Rebel 3KL+ (links) und Sigma TXLB+ (rechts) Foto: Daniel Geiger |
Beide Modelle sind bereits Weiterentwicklungen bzw. Versionen der Dauerbrenner Anfibio Rebel 2K und Anfibio Sigma TX.
Zwei Konzepte, ein gemeinsamer Anspruch
Anfibio Rebel 3KL+ und Anfibio Sigma TXLB+ eint der Anspruch, mehr zu sein als Wochenend-Packrafts. Beide sind lang, spurtreu und auf Touren ausgelegt. Dennoch unterscheiden sie sich grundlegend im Ansatz.
Das Rebel 3KL+ ist ein geschlossener Einer mit Spritzdecke, langer Wasserlinie und ruhigem Lauf. Ein Boot für Menschen, die Strecke machen wollen – bei jedem Wetter.
Das Sigma TXLB+ ist modular gedacht. Selbstlenzend, offen oder geschlossen fahrbar, mit variabler Sitzposition und enormer Zuladungsreserve. Ein Boot für Touren, bei denen sich Anforderungen unterwegs ändern können.
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| Rebel 3KL+ (links) und Sigma TXLB+ (rechts) |
Anfibio Rebel 3KL+ – wenn Strecke zählt
Nach zwei Jahren zeigt sich das Rebel 3KL+ als genau das, was viele sich von einem Touren-Packraft wünschen: unaufgeregt, effizient und komfortabel.
Die lange Wasserlinie sorgt für einen sauberen Geradeauslauf, der gerade auf größeren Flüssen oder Seen Kraft spart. Die Spritzdecke bietet Schutz vor Wind und Spritzwasser – ein Vorteil, der auf längeren Etappen oft unterschätzt wird.
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| Foto: Daniel Geiger |
Gerhard Czerner beschreibt diesen Charakter treffend:
„Das Boot läuft ruhig und berechenbar. Gerade auf langen Abschnitten merkt man, wie entspannt man paddelt, wenn man nicht ständig korrigieren muss.“
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| Foto: Daniel Geiger |
Auch mit Gepäck bleibt das Rebel stabil. Hinter dem Sitz, unter der Spritzdecke oder ergänzt durch zusätzliche Packs lässt sich Ausrüstung gut verteilen. Das Boot bleibt dabei ausgewogen und vermittelt ein fast kajaktypisches Fahrgefühl.
„Ich hatte nie das Gefühl, dass das Boot überfordert ist – egal ob mit Campingausrüstung oder zusätzlichem Material.“
Anfibio Sigma TXLB+ – Freiheit durch Flexibilität
Das Sigma TXLB+ verfolgt einen anderen Ansatz. Es will sich nicht festlegen – sondern anpassen.
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| Foto: Daniel Geiger |
Die verschließbare Selbstlenzung erlaubt den Einsatz auf bewegtem Wasser ebenso wie auf ruhigen Flussabschnitten. Die variable Sitzposition macht es möglich, das Boot auf unterschiedliche Lasten einzustellen. Mit Bodenmatte, Schenkelgurten und TubeBags wird aus dem leichten Einer ein vollwertiges Expeditions-Packraft.
Gerade beim Bikerafting spielt das Sigma seine Stärken aus sagt Gerhard:
„Mit dem Bike vorne auf dem Boot und dem restlichen Gepäck verteilt bleibt das Sigma erstaunlich ruhig. Das gibt Sicherheit, auch wenn man mehrere Tage unterwegs ist.“
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| Foto: Daniel Geiger |
Diese Vielseitigkeit ist es, die viele nach zwei Jahren schätzen. Das TXLB+ ist kein Spezialist – sondern ein Werkzeug für wechselnde Szenarien.
Praxis: Bikerafting in den Gorges du Tarn
Wie sich die Eigenschaften des Sigma TXLB+ im echten Einsatz bewähren, zeigt eine mehrtägige Bikerafting-Tour durch die Gorges du Tarn in Südfrankreich.
Gravel-Etappen über das karge Hochplateau der Causses Méjean, Hitze, Staub, Einsamkeit – gefolgt von Tagen auf dem smaragdgrünen Tarn, tief eingeschnitten zwischen bis zu 500 Meter hohen Felswänden. Bikes, Paddel, Camping- und Sicherheitsausrüstung müssen zuerst auf dem Rad, später auf dem Boot transportiert werden.
Gerhard: „Mich fasziniert immer wieder, dass alles, was man für zwei Sportarten braucht, aufs Bike passt – und später sicher im Boot verstaut ist.“
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| Foto: Daniel Geiger |
Auf dem Wasser zeigen sich dann die Stärken der langen, stabilen Rümpfe. Mit den Bikes vorne auf dem Bug verzurrt gleiten die Packrafts ruhig durch das klare Wasser. Leichte Schwälle, Zahmwasserpassagen und lange Flussbögen wechseln sich ab.
„Gerade auf dem Tarn merkt man, wie wichtig ein gutmütiges Boot ist. Man hat Zeit, die Landschaft auf sich wirken zu lassen – die Geier über einem, die Felsen neben einem.“
Die Tour wird nicht durch Technik dominiert, sondern durch Erlebnis. Genau dafür sind diese Boote gemacht.
Praxis: Expeditionen in Kolumbien
Sven Schellin sagt:
„Auf meinen Touren in Kolumbien hatte ich das Sigma TXLB+ in sehr unterschiedlichen Umgebungen im Einsatz – von ruhigen Seen über Stromschnellen bis hin zu langen Etappen auf dem Meer.“
| Zwischenstopp am Ufer im Morgendunst – Felsen, grüne Täler und ein Boot als zuverlässiger Begleiter |
Die Bilder dieser Reisen zeigen nicht nur Landschaften und Camps, sondern auch eindrucksvoll, wie sich das Boot mit hoher Zuladung und Gepäck konfigurieren lässt.
| Sigma TXLB+ mit voll beladenem Packsystem am Río Vaupés – ready für eine Tagesetappe |
Die verschließbare Selbstlenzung gibt dabei Sicherheit und erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Gehen und Paddeln. Wie hier:
| Im Oberlauf des Río Cuduyari ging es wieder stromab, diesmal im Boot – was für ein Genuss. |
Gerade auf den Kolumbien-Touren wurde die Balance aus Stabilität, Zuladung und Anpassbarkeit deutlich. In offenen Seen bot das Boot einen gleichmäßigen Geradeauslauf, während in engen Flusspassagen mit Strömung die Kontrolle durch Schenkelgurte und zentrale Sitzposition überraschend gut war.
Auf Abschnitten mit leichten Schwällen oder Wind reichten oft kleine Paddelschläge, um den Kurs zu halten. In Wildwasser-Passagen erwies sich die Lenzfunktion als klarer Vorteil, da kein Spritzdeckenschlauch montiert werden musste und dennoch Wasser schnell aus dem Boot entweichen konnte: „Der Río Vaupés ist ein Nebenfluss des Río Negro, der unter anderem den Amazonas bildet. Sechs größere Stromschnellen gab es auf diesem Abschnitt des Vaupés. Zwei musste ich umtragen, der Rest war fahrbar.“
Praxis: Norwegen – Alltag, Wildwasser und Fjord
Wie vielseitig das Rebel 3KL+ im Alltag eingesetzt werden kann, zeigt der Langzeiteinsatz von Tim Hildesheim in Norwegen. Über fast zehn Monate nutzte er das Boot regelmäßig – vom Frühjahr bis in den Winter hinein.
Der ursprüngliche Anspruch war Mobilität: ein Boot, das wenig Platz braucht, schnell einsatzbereit ist und dennoch Sicherheit bietet. Genau hier spielte das Rebel 3KL+ seine Stärken aus. Mit rund drei Kilogramm Gewicht, kompaktem Packmaß und zügigem Aufbau wurde es zum festen Bestandteil des Camper-Alltags.
„Egal ob Fluss, kleiner See oder Fjord – ich konnte spontan aufs Wasser, ohne große Vorbereitung.“
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| Spontaner Einsatz in Norwegen – das Rebel 3KL+ als kompakter Begleiter im Camper-Alltag |
Auf Flüssen mit Strömung und leichten Wildwasserpassagen zeigte sich das Boot wendig und zugleich stabil. Auch bei Wellen vermittelte es ein sicheres Gefühl, ohne nervös zu wirken. Gerade diese Gutmütigkeit sorgte dafür, dass der Fokus auf dem Erlebnis blieb – nicht auf dem Material.
„Ich bin bisher nicht gekentert, auch wenn schon einige Wellen dabei waren.“
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| Auch im (leichten) Wildwasser spielt das Rebel 3KL+ seine Stärken aus |
Ein weiterer Einsatzbereich war das Angeln auf Fjorden. Wo Uferzugang oft eingeschränkt ist, eröffnete das Packraft neue Möglichkeiten. Mit Angel und minimalem Equipment ließ sich das Boot auch bei kühleren Temperaturen nutzen – vorausgesetzt, die Bedingungen passten.
„Solange Wind und Wetter es zulassen, fühle ich mich im Rebel sicher auf dem Wasser.“
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| Angeln auf dem Fjord: sicherer Stand und ruhiger Lauf auch bei kühleren Bedingungen |
Die Kombination aus geringem Gewicht, hoher Verarbeitungsqualität und stabilem Fahrverhalten machte das Rebel 3KL+ zu einem zuverlässigen Begleiter – über viele Monate hinweg und in sehr unterschiedlichen Situationen.
Zwei Jahre später – was sich bewährt hat
Nach zwei Jahren Praxis lassen sich einige Punkte klar festhalten:
- Die Plus-Materialien haben sich als robust und alltagstauglich erwiesen
- Beide Boote kommen mit hoher Zuladung problemlos zurecht
- Das ruhige Fahrverhalten zahlt sich auf langen Etappen aus
- Die Konzepte sind klar – und funktionieren genau dafür
Oder, wie Gerhard es zusammenfasst:
„Es sind Boote, die man nicht ständig hinterfragt. Man steigt ein, paddelt los – und beschäftigt sich mit der Tour, nicht mit dem Material.“
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| Foto: Daniel Geiger |
Für wen welches Boot?
Anfibio Rebel 3KL+
- Für lange Touren mit Fokus auf Strecke
- Für Paddler:innen, die Wetterschutz schätzen
- Für alle, die ein ruhiges, kajaknahes Fahrgefühl suchen
Anfibio Sigma TXLB+
- Für Expeditionen, Bikerafting und Gepäck
- Für wechselnde Bedingungen und Einsätze
- Für alle, die maximale Flexibilität wollen
Fazit
Zwei Jahre nach ihrer Einführung haben Rebel 3KL+ und Sigma TXLB+ ihren Platz gefunden. Sie sind keine Boote für jeden – aber sehr konsequente Antworten auf konkrete Anforderungen.
Wie schon beim Revo zeigt sich auch hier: Gute Packrafts müssen nicht laut sein. Sie müssen funktionieren – über Zeit.
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