14.07.2011

Das kleinste "Segelboot" der Welt

 Packraft sailig by Chris S. 
Edit 14.09.14 Spezielle Packraft-Segel verfügbar!

Schon seit Längerem wurmte mich (Marc) diese Frage und ließ mich nicht mehr los: Taugt ein Packraft auch zum Segeln? Um eins vorweg zu nehmen - ja es taugt und macht wieder mal verdammt viel Spaß ;-)  

Wie macht man nun aus einem Packraft ein Segelboot? Ganz einfach - man stellt einen  Mast auf und hängt ein Segel dran.

Konstruktion
Da man ohne Kiel und Schwert sowieso nicht richtig am Wind segeln kann, hatte ich die Idee, ein Art Spinnaker Segel zu hissen, um damit vor dem Wind zu fahren.
Als Mast diente mir eine Hälfte meines teilbaren Paddels, welches ich um einen Stechpaddelgriff auf ca. 140cm verlängerte. Das Paddel habe ich mit Zeltschnüren an 4 Haltepunkten abgespannt. Das hält sogar erstaunlich gut. Die zweiten Hälfte des Paddels sollte am Heck das Boot auf Kurs halten.
Das Segel, oder besser gesagt der Spinnaker, habe ich aus einer Gewebeplane zurecht geschnitten und oben noch eine Öse eingeschlagen. Die Form habe ich der typischen Form eines Spinnakers nachempfunden (Segelfläche ca.1 Quadratmeter). Ich habe es an 3 Punkten fest gemacht - einmal oben am Mast und dann an den 2 seitlichen Haltepunkten am Bug. Es war wichtig, das Segel so weit vorn wie möglich am Boot fest zu machen, damit der Wind das Boot in die richtige Richtung ziehen kann und es nicht ständig dreht.

Segeln mit dem Packraft auf dem Markkleeberger See
Der Törn
Als ich am Freitag Vormittag am Kanupark am Markkleberger See ankam, war schon jede Menge los. Die Vorbereitungen für den Kanu-Slalom-Weltcup liefen auf Hochtouren und jede Menge Atlethen waren auf dem See, um sich aufzuwärmen. Der Wind blies mit ca. 20km/h aus Richtung Südwest.
Ich war am Nordostufer des Sees und machte deshalb eine kleine Wanderung auf die andere Seite. Dort angekommen, baute ich in wenigen Minuten mein Boot samt Segel auf und schon ging es los.
Sobald ich das Boot in die richtige Richtung drehte, blähte der Wind das Segel auf und zog das Boot auf den See hinaus. Ein Blick aufs GPS zeigte mir eine Geschwindigkeit von fast 5km/h. Nicht schlecht, dafür, dass ich mich kein bisschen anstrengen musste. Leider erreichte ich schon nach ungefähr 10 min das andere Ufer. Dies war ein erster Test und ich war sehr zufrieden.

Vielleicht das kleinste Segelboot der Welt, auf jeden Fall das leichteste ;-)
Fazit
Meine Konstruktion erwies sich als durchaus praxistauglich und ich könnte mir vorstellen damit auch mal eine etwas größere Tour zu machen.
Wie ich ja schon erwähnte, kann man mit einem Spinnaker nur vor dem Wind fahren. Dadurch gibt der vorherrschende Wind die Richtung vor. Das mag zwar sehr einschränkend klingen, ist aber letztendlich halb so schlimm. Immerhin hat man ja die Möglichkeit, seine Tour entsprechend einfach anzupassen. Statt mühsam gegen den Wind zu kreuzen, wird einfach gelaufen :)

Einsatzmöglichkeiten
  • Überquerung von offenen Gewässern als integraler Bestandteil einer Tour (bei Berücksichtigung der Windrichtung)
  • spezielle "Segeltouren" die entsprechend der Windrichtung angepasst werden, so dass entweder der Hin-, oder der Rückweg an Land zurückgelegt wird. 

1 Kommentar:

  1. Sehr schön! :) "Windanfälligkeit" von hinten aufgerollt oder: Nutze die Nachteile ;) Offensichtlich reicht durch die geringe Masse/Verdrängung schon relativ moderater Wind! Ein weiteres Beispiel der Vielseitigkeit und Phantasie, welche die 'Packrafting' Idee zulässt:) Segeln ist dann wohl letztlich eine Variation des Themas 'Aufstieg und Abfahrt' am 'Wind'. Bin schon gespannt, wer die erste längere Tour auf diese Art unternimmt :)

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