Suchbegriff eingeben

Wildwasser mit Kindern (Rezension zum Buch)

Mehr als ein Familienführer

Der Titel ist eindeutig – und dennoch etwas zu kurzgefasst. Ein erster Blick ins Buch zeigt: Neben leichten Klassikern finden sich durchaus fordernde Touren, teils mit Stufen und kleinen Wasserfällen. 

Auch wir haben schon vorsichtig leichtes Wildwasser mit unseren Kindern erkundet. Die Auswahl erscheint einem als paddelnde Mutter von zwei Kinder dennoch überraschend.

Aber was für Kinder gut sein soll, ist möglicherweise für Packrafter ideal?

von Peggy Fischer | Anfibio


Fakten & Inhalt

Der Wildwasserführer von Stefanie Bank versammelt mit 108 Touren eine sehr gute Revierübersicht in Deutschland sowie Mittel- und Südeuropa. Der Schwerpunkt liegt auf WW I–III, mit einer breiten Auswahl:

  • bekannte Klassiker und einigen Geheimtipps
  • kurze Spielstellen ab ca. 400 m
  • ausgedehnte Tagestouren bis über 20 km
  • vereinzelt auch mehrtägige Abschnitte

Viele Strecken haben klaren Tourencharakter und eignen sich nicht nur zum Üben.


Theorie: klar sportlich geprägt

Die ersten rund 40 Seiten widmen sich umfassend dem Wildwassersport mit Kindern. Dabei stehen Themen wie Technik, Sicherheit, Motivation, Training und die Einschätzung von Schwierigkeiten im Vordergrund.

Man merkt: Das Buch ist leistungsorientiert geprägt – was angesichts des Hintergrunds der Autorin wenig überrascht. Stefanie Bank bringt jahrzehntelange Wettkampf- und Trainings-erfahrung mit, und das spiegelt sich in Struktur, Sprache und Tiefe wider. Schon mit einem Jahr saß sie selbst im Boot, ihre Leidenschaft mündete 2007 in den Titel Deutsche Meisterin im Kayak Freestyle.

Das ist kein Nachteil – aber wichtig einzuordnen: Es geht weniger um „Abenteuerurlaub mit Kindern“, sondern mehr um sauberes, verantwortungsvolles Heranführen an Wildwasser als Sport.


Die Tourenbeschreibungen

Der Hauptteil besteht aus den 108 Flussbeschreibungen, jeweils mit:

  • kurzer Charakterisierung
  • Länge & Schwierigkeit
  • Ein- und Ausstiegen
  • landschaftlicher Einordnung
  • wichtigen Hinweisen zu Wehren, Gefahren und Pegeln

Gerade die Pegelangaben sind ausgesprochen wertvoll. Sie schaffen eine gute Grundlage für realistische Einschätzung und Planung.

Einordnung für Packrafter

Viele Packrafter bewegen sich im Wildwasser bewusst unterhalb ihrer theoretischen Maximalgrenze – sei es aus Sicherheitsgründen, aus Respekt vor dem Wasser oder weil man (noch) Erfahrung sammelt. Und genau hier liegt die Überschneidung.

Was für Kinder und Jugendliche sinnvoll strukturiert ist, eignet sich oft auch hervorragend für:

  • Wildwasser-Einsteiger:innen
  • vorsichtige oder genussorientierte Packrafter
  • Touren, bei denen nicht der Schwierigkeitsgrad, sondern der Gesamtcharakter zählt

Typische Gemeinsamkeiten der beschriebenen Strecken:

  • klar strukturierte Flussabschnitte
  • überschaubare, gut einsehbare Schwierigkeiten
  • Fokus auf Sicherheit, Ein- und Ausstieg
  • genügend Reserven für Pausen, Umtragungen und Improvisation

Durch die kurze Übersicht zu jedem vorgestellten Fluss bezüglich der Länge, Technik, Kondition, Landschaft sowie Ein- und Ausstiegspunkt erhält man einen guten Überblick. Viele Strecken liegen zudem im Bereich von 8–18 km und lassen sich gut mit Rückwegen zu Fuß, per Rad oder ÖPNV kombinieren.

Der Fluss ist hier Teil einer Tour – das lässt noch genügend Raum für die eigene Portion Abenteuer. Für Alle die einfach Spaß im wilden Wasser haben oder kennenlernen wollen, bildet das Packraft mit seinem verzeihenden, gutmütigen Fahrverhalten in Kombination mit der in dem Paddelführer zu findende Auswahl an leichten bis moderates Touren eine gute Basis. Auch Kinder fühlen sich in den breiten Booten sicherer und können z.B. im Zweier spielerisch an erste Wildwassererfahrungen herangeführt werden. 

Kritik & Wunschliste

Bei aller Begeisterung bleibt: Einige Touren sind für Kinder (oder Erwachsene) ohne Paddelerfahrung recht anspruchsvoll. Hier sollte man auf jeden Fall seine eigenen Fähigkeiten selbst gut einschätzen können und sinnvoll auswählen, welche Tour man paddeln möchte. 

Als 1. Auflage (2024) fehlt uns außerdem stellenweise die Übersichtlichkeit, insbesondere eine zentrale Tabelle aller Touren die ein schnelles Filtern nach Schwierigkeit, Länge oder Region ermöglicht sowie klar auffindbare Symbolerklärungen wären hilfreich.

Fazit

„Wildwasser mit Kindern“ ist ein sportlich geprägter Wildwasserführer für Familien, Trainer:innen und junge Paddler:innen. Und genau deshalb ist es auch für viele andere spannend: für Einsteiger, für vorsichtige Wildwasserfahrer:innen – und für Packrafter, die bewusst planen, statt nur Schwierigkeitsgrade zu sammeln. 

Link zum Buch