10.08.2018

BIWAK AUF DEM BALKAN

Im Mai 2018 waren wir mit dem Team von MDR Biwak in Montenegro am Skutari See und im Cijevna Canyon (Albanischen Alpen) wahrhaft amphibisch unterwegs. Die Tour führte durch Sümpfe, Bergen und Wildwasser der Balkanhalbinsel.


Wir erlebten einen häufige Land-Wasser Wechsel, Fahrten zu kleinen Inseln, durch Überflutungswälder, zu Stränden und Klosterinseln. Balkan off the beaten track ... 

Die Sendung "BIWAK rockt den Balkan" lief vom 20.08. bis 23.08.2018 und am 25.08.2018, jeweils 19:50 Uhr im MDR Fernsehen. 

Praktische Infos zur Sendung 
von Sven Schellin I Anfibio Packafting
Fotos: Holger Liebrenz I BIWAK TV
  1. Route - die Karte zur Tour
  2. Ausrüstung - die Boote im Einsatz  
  3. Bauanleitung - der Ultraleicht-Kocher zu selber machen 
  4. Making-of - ein Blick hinter die Kulissen
  5. Story - Gesichter und Geschichten von unterwegs
  6. Ergebnis - der TV-Beitrag in voller Länge
  7. Fazit
1. Route - die Karte zur Tour

Verfolge die Strecke des BIWAK Teams auf dieser interaktiven Karte. Durch einen Klick auf die Symbole (Foto, Info, Startpunkte) erhält man weitere Inhalte. Die Teil-Strecken zu Fuß oder zu Wasser sind durch verschiedene Farben kenntlich gemacht. Der Wechsel zwischen den Fortbewegungsarten ist jeweils als Ein- und Ausstiegspunkt gekennzeichnet.




2. Ausrüstung - die Boote und das Zubehör im Einsatz

Was sind denn das für ulkige Boote? Wo gibt’s die eckigen Zelte? Sind die Schuhe wirklich wasserfest? Hier kommen die Antworten, auf welche Ausrüstung das BIWAK Team auf ihrer Balkan Tour gesetzt hat:


Thorsten und Jens (Kamera) nutzten ein Anfibio Sigma TX, den Lastkahn unter den Ultraleicht-Packrafts. Bei 2,1 kg Gewicht hat es ein Innenmaß von 1,60 m und eine Zuladung von 220 kg.


Ein Pyramidenzelt (z.B. das Bear Paw Luna 4)) ist beim Wasserwandern besonders praktisch, da es mit einem Paddel, z.B. dem längenverstellbaren Anfibio Ultimate, aufgestellt werden kann.


Wasserdichte Packsäcke (z.B. Anfibio Multibag) sowie wasserfeste Schuhe (z.B. Merrell Maipo) sind in einer amphibischen Umwelt essentiell. Ein Rucksackboot im wahrsten Sinne des Wortes ist das Anfibio Delta MX mit 1,6 kg von Sven.


Im Wildwasser setzten wir jedoch auf eine gänzlich andere Ausrüstung vor allem zu Gunsten der Sicherheit. Zum Einsatz kamen ein MRS Alligator 2S sowie ein MRS Alligator 2S Pro inklusive Schwimmweste, Trockenanzug und Helm

3. Bauanleitung ultraleichter Dosenkocher

Der nur 7 g leichte Dosenkocher, welcher im Film vorgestellt wird, lässt sich einfach selbst herstellen. Der Brennstoff (Haushaltsspiritus) ist preiswert, flugzeugtauglich, bedarfsgerecht portionierbar und weltweit erhältlich.


Man benötigt:


Die leere und gereinigte Dose wird einfach mit ca. 50 Löchern (mit 5 mm Durchmesser) im Abstand ca. 3 mm in zwei Reihen gestanzt.

Betrieb:

Die Dose je nach Bedarf mit ca. 20 ml Brennspiritus befüllen, entflammen (Feuerzeug) und den Topf direkt auf dem Kocher platzieren. Ein Windschutz ist empfehlenswert. Als Richtwert gilt ein Verbrauch von ca. 100 ml pro Tag für 2-3 Personen für Frühstück und Abendessen. Bei tiefen Temperaturen (< 5 °C) empfiehlt es sich Spiritus vorzuwärmen. 



Warnhinweis: Spiritus brennt geräusch-, geruch- und farblos. Insbesondere mit Kindern ist erhöhte Vorsicht geboten. 

4. Making-of - ein Blick hinter die Kulissen

Kamera filmt Kamera und wie es neben dem Drehplatz so aussah :)



5. Story - Gesichter und Geschichten von unterwegs

Soviel vorweg, der Film ist die Tour und die Tour ist der Film, eine Trennung kann man da nicht machen. Insofern kann ich bestätigen, alles völlig authentisch. Das Team lebt zu 100% mit dem Dreh und dieser ist das Abenteuer an sich.

Moderator Thorsten Kutschke und Sven Schellin beim abendlichen Interview im Gebirge. 

Die gesamte Crew versammelt (von links nach rechts Holger (Organisation), Sven (Packraft/Revier), Jockel (Ton), Jens (Kamera), Johny (Drone), Thorsten (Moderation).

Raki zum Frühstück oder Pflaumenschnaps am Wegesrand, Land und Leute werden immer einbezogen. 

Nicht immer über alle Zweifel erhaben. Wo bitte geht es hier durchs Wasser? Die Kunst der "Weg" Findung als gemeinschaftliche Aufgabe. 

6. Ergebnis - der TV-Beitrag in voller Länge





7. Fazit

Karl May hat sie beschrieben, ist nie dort gewesen, aber es gibt sie wirklich, die Schluchten des Balkan. Der Canyon der Cijevna und der Skutari-See sind solche Exemplare. Als grenzüberschreitende Gewässer kommt das klare, türkisfarbene Wasser direkt aus den albanischen Alpen. Wir machten es uns besonders leicht und paddeln entspannt mit unseren Packrafts das faire und gemäßigte (Wild-)Wasser dieser Grenzregion. Aber egal mit welchen Boot, egal welcher Fluss, die Schluchten des Balkan muss jeder Paddler einmal erleben.

20.07.2018

REVIERINFO SCHWEIZ, HOW-TO WILDWASSER UND NEUE AUSRÜSTUNG IM EINSATZ - oder - eine Zusammenfassung von Gabriel Gerschs Frühling

Wie kommt man dazu 17 Wildwasserflüsse in 3 Monaten zu paddeln? Ganz einfach, man sucht sich ein Basislager in der Schweiz (z.B. ein Job bei Mammut) und man paddelt, viel.



Zugegeben, es hilft sicher, wenn man Gabriel Gersch heißt oder zumindest seinen Spirit teilt. Nicht nur der Umfang an Flusskilometern ist beeindruckend, sondern auch der fahrtechnische Fortschritt, gerade ohne (selbstbekennend) ernsten Hintergrund im Wassersport.

Gabriel ist seit März diesen Jahres Kooperationspartner von uns, insbesondere in Zusammenhang mit seiner anstehenden Grönlandreise. Im Rahmen des „Join me“ Konzeptes (kleines Budget, großes Abenteuer) von „Outventurous“ kommt alt-bewährte wie relative neue Ausrüstung  zum Einsatz. Die Flusskilometer vom Frühjahr können durchaus auch als Stresstest gelten.

Wenn es so etwas wie Kompetenz für Wildnisreisen gibt, dann kann man das Gabriel mit Fug und Recht zuordnen. Auch wenn ‚Wildnis‘ letztlich immer ein ‚Concept of mind‘ ist, 500 weglose Kilometer in der Brooks Range, solo, sind bspw. brauchbare Referenz.

Auch Gabriels Packrafting Karriere begann früh, schon 2010, aber das ist bereits Teil der Geschichte
von Gabriel Gersch

Vom pragmatischen Reise-Paddler zum sportlichen Wildwasser-Packrafter

Mein erstes Packraft habe ich 2010 gekauft, damals stand eine Durchquerung der nördlichen Wrangells im Südosten Alaskas an (Nabesna nach McCarthy). Auf der Route müssen stattliche Gletscherflüsse, der Nabesna und Nizina River, überquert werden, welche wir drei Anfänger mehr schlecht als recht hinunterpaddelten. Unsere Wildwasser-Erfahrung lag damals bei Null ...


Seitdem sind einige Jahre vergangen und ich verbrachte weitere vier Sommer in Alaska, wo ich dutzende Flüsse paddelte. Nie um des Paddelns willen, immer lag das Trekking im Fokus. Mein Packraft war nur das Werkzeug. Da typischerweise intuitiv und einfach zu steuern, kamen wir jedoch immer recht sicher und ohne größere Probleme an unserem Ziel an.

Die meisten meiner Touren fanden nördlich des Polarkreises statt, in der Brooks Range. Der Großteil der Flüsse ist dort eher breit und flach, technische Schwierigkeiten gibt es wenige. Und so kam es, dass ich jahrelang Packrafting-Reisen unternahm, ohne mir je theoretisches Wissen zu Technik und Sicherheit im Wildwasser anzueignen. 

Das änderte sich Anfang des Jahres, als ich mich berufsbedingt dazu entschied, fünf Monate in der Schweiz zu verbringen. Plötzlich hatte ich eine Vielzahl von technischen Wildwasserflüssen in meiner unmittelbaren Umgebung. 

Zeitgleich hatte ich mich für eine neues, sportliches Packraft entschieden, welches meine Fähigkeiten herausforderte bzw. dessen Potential ich nutzen wollte. 

Neues Boot, neue Möglichkeiten

Seit Jahresbeginn fahre ich ein MRS Alligator 2S Pro. Das Packraft ist schlank geschnitten, man kann damit deutlich präziser fahren als mit breiteren Modellen. Schenkelgurte helfen das Packraft zu „kanten“, man kann damit also viel besser auf verschiedene Strömungen reagieren. Die Spritzdecke schließt sicher, auch im wuchtigen Wildwasser muss ich nie anhalten, um Wasser aus dem Boot zu leeren. Das ISS (Internal Story System) am hinteren Teil des Bootes erlaubt es, das Gepäck im Inneren des Schlauchs zu verstauen. Damit liegt der Schwerpunkt tiefer, als wenn alle Ausrüstung vorn auf dem Bug des Bootes geschnallt ist, was die Fahrt im Wildwasser sicherer und das Manövrieren leichter macht. 




Von der Theorie zur Praxis 

Ich bin Autodidakt, theoretische Quellen in Verbindung mit meinen bisherigen Erfahrungen haben mich durchaus weitergebracht. Das muss nicht unbedingt für jeden zweckmäßig sein. Nicht ohne Grund gibt es eine Vielzahl von Kanuschulen.

Das Verstehen der Strömungsformen ist in jedem Fall Grundvoraussetzung aller Ambitionen, ebenso wie zuverlässige Partner und ein gewisses sicherheitstechnisches Know-How (z.B. Umgang mit dem Wurfsack).

Als Mindestmaß an Technik und praktischer Fähigkeit sehe ich:
  • Wiedereinstieg ins Boot 
  • Kehrwasserfahren
  • Traversieren (Seitfähre)
  • Stützen und Kanten 
Ich habe eine recht hohe Bereitschaft zum Kentern (bzw. Schwimmen), das heißt, ich probiere viel aus und lerne aus meinen Fehlern. Das sind natürlich meine Erfahrungen, klar muss dies nicht für jeden gelten, schon gar nicht als Empfehlung. Auf jeden Fall kann man es sich nur leisten, wenn man sich absolut auf den Wiedereinstieg (im Wasser) verlassen kann, deshalb ist für mich essentiell, diese Technik routiniert zu beherrschen.

Über die Wichtigkeit von Kehrwasserfahren muss man keine weiteren Worte verlieren, nur so sind kontrollierte Befahrungen eigentlich erst möglich. Außerdem macht das „Spielen mit Kehrwassern“ Spaß. Meine Videos zeigen das ganz gut.“


Das Schweizer Revier: Saison, Flüsse und Paddel-Partner

Meine Zeit in der Schweiz deckte sich glücklicherweise mit der interessantesten Zeit für Paddler: Der Schneeschmelze von April bis Juni, auch wenn es einige, gletschergespeiste Flüsse (z.B. die Lütschine bei Interlaken) gibt, welche den ganzen Sommer über laufen.

Meine Zielgebiete lagen hauptsächlich im Berner Oberland und dem Bündner Land, welche eine Vielzahl von Flüssen für den Einstieg ins richtige Wildwasserfahren bieten.

Los ging es Anfang April, also noch lang vor der Hauptschneeschmelze.

Mit Vorderrhein, Simme, Sense, Muota, Kander und Hinterrhein (Wildwasser II-III und III)


Gefolgt von Albula, Fukareuss, Saane und Landquart (Wildwasser III-IV und IV+)


Bei keinem dieser Wochenend-Ausflüge war ich allein! Sicherheit, Lerneffekt und Spaßfaktor sind ausreichend Argumente.

Meistens konnte ich gleichgesinnte Packrafter finden, die ich über eine selbst gegründete Gruppe „Packrafting in Switzerland“ zusammenhielt. Oft haben wir recht spontan entschieden, welche Flüsse wir am jeweiligen Wochenende befahren wollen, je nach Wetter, Wasserstand und Fähigkeiten der Paddler. 



Eine super Seite für Flüsse, Schwierigkeitsgrade und Pegelstände im ganzen Alpenraum (nicht nur Schweiz) und meine primäre Informationsquelle: www.rivermap.ch

Fazit

Wildnisreisen bleiben meine große Leidenschaft, dort gehört mein Packraft hin.

Aber der ‚Sportbootmodus‘ hat mir dieses Frühjahr unglaublich viel Spaß gemacht. Auch werden durch diese Erfahrungen meine Reisen sicherer.

Ich nutze eher „gehobene“ Ausrüstung, dennoch lassen sich auch mit einfachen, offenen Booten Strömungstechniken üben und viel Technik erlernen. Dazu möchte ich ermutigen. Vorsicht und Sicherheitskenntnisse mit an Bord, keine Frage. 


Ich habe in den vergangenen fünf Monaten wohl beinah genauso viel Zeit auf dem Wasser verbracht, wie in den gesamten acht Jahren davor und das einzige, was ich bereue, ist, nicht schon früher damit begonnen zu haben …

15.06.2018

REVIEW: EIN ERFAHRUNGSBERICHT AUS ALBANIEN UND ITALIEN

Als kleiner Exkurs bzw. Nachtrag hier noch ein allgemeiner Erfahrungsbericht zu den Beiträgen aus Italien und Albanien der Familie Steingässer.


Ich bin ehrlich - meine erste Bedenken gegenüber „Schlauchboote“ als Kajak-Ersatz waren riesig!

Ich bin in einer Wassersport-Familie aufgewachsen: im Kanadier saß ich schon, da hatte ich noch Windeln an und konnte nicht laufen. Mein erstes Wildwasser-Kajak bekam ich zum zehnten Geburtstag. Paddeln war schon immer pure Freiheit für mich. Aber in ein „Schlauchboot“ haben mich keine zehn Pferde rein bekommen.

Jens mit Faltrad


Seit zehn Jahren arbeite ich als Fotograf gemeinsam mit meiner Frau, einer Ethnologin und Autorin, an umweltjournalistischen Reportage-Projekten (u.a. für National Geographic, GEO u.a.).

Unser aktuelles Projekt dreht sich voll und ganz um´s Thema „Wasser“. Gemeinsam mit unseren vier Kindern begeben wir uns auf verschiedene Reise-Etappen, um Geschichten über das „blaue Gold“ zu sammeln. Unsere Abenteuer wollten wir von Anfang an mit kleinem Gepäck, autark und möglichst flexibel realisieren - was zu sechst keine leichte Aufgabe ist, vor allem wenn man sich unterschiedlichsten Wasser-Ökosystemen nähern will.

Jana beim Aufbau der Boote



Auf einer ausgiebigen Testfahrt im Frühjahr 2017 auf dem italienischem Tagliamento testeten wir drei Packrafts von Anfibio Packrafting (MRS Adventure X2, Anfibio Delta MX) und waren begeistert! Die Boote waren die perfekten „Arbeitstiere“ für unsere Ansprüche des leichten und flexiblen Reisens. Zumal wir aufgrund extremen Niedrigwassers mit „echten“ Kanus (und deren höherem Tiefgang) oft nicht weitergekommen wären. Und wenn wir doch mal umtragen mussten, trumpften die Packrafts mit Ihrem geringen Gewicht. 

Niedrigwasser in Albanien




Der Clou für uns ist vor allem das „Mobilitätskonzept“ Packraft-Faltrad-Lastenrad: Auf dem Wasser haben wir immer ein Faltrad dabei, mit dem ich unser schweres Gepäck nachholen kann. Am spontan ausgesuchten Übernachtungsort radle ich mit Faltrad zurück zum Startpunkt, um dort das Lastenrad mit den Schwergewichten wie Zelt und Schlafsäcken nachzuholen. Dies erlaubt uns, auf dem Wasser extrem leicht unterwegs zu sein. 

Faltrad auf dem Boot




Und an Land natürlich auch: die Touristen staunen nicht schlecht, als wir zum Abschluss unserer Italien-Testreise in Venedig die Boote aus zwei Tagesrucksäcken holen und fünf Minuten später auf den Kanälen der Lagunenstadt davonpaddeln.



Für uns ist klar, dass die Packrafts die perfekten Boote für unsere Familien-Wasser-Reportagen sind. Unsere zweite Reise-Etappe auf der Vjosa durch Albanien bestätigte dieses Urteil. Vor allem die Kombination Faltrad-Packraft zeigte auf dieser Reise Ihre Stärken, denn auf diese Weise konnte ich schwierige Flusspassagen alleine erkunden und autark zum Ausgangsort zurückkehren. 



Die Packrafts haben uns als Familie und Reisejournalisten komplett überzeugt - wir freuen uns auf weitere Abenteuer im „Schlauchboot“ ;-)

Anfibio Delta MX (in gelb vorn) und das MRS Adventure X2 (in rot hinten)


31.05.2018

REVIEW ZU DEN WASSERWANDERFÜHRERN DER REIHE KANU KOMPAKT (THOMAS KETTLER VERLAG)

Getreu dem Motto “Plan for water, more than for the trail, the hike will come in anyway" sollte man in der Regel den Wasserstrecken der jeweiligen Tour besondere Aufmerksamkeit schenken. Da es einschlägige Packrafting-Literatur mit entsprechenden kombinierten Routenbeschreibungen bislang schlichtweg nicht gibt, empfiehlt sich daher durchaus auch einen Blick auf konventionelle Kanuführer zu werfen. 






KANU KOMPAKT

Der Name ist Programm: Klein und kompakt kommen die Wasserführer daher und scheinen im Ringbuchformat und mit dem robusten Einband auch für prinzipiell eher bücherfeindliche Situationen gewappnet zu sein. So dürften ein paar Spritzer Wasser der Lektüre nichts anhaben. Mit der praktischen Übersichtskarte im vorderen Umschlag kann man sich vor jeder Tour rasch einen Überblick über die Gegebenheiten verschaffen. Weiterhin sind hier die wichtigsten Zeichen und Symbole im Buch, sowie die allgemeinen Binnenschifffahrtszeichen erklärt.

Jedes Buch ist in vier Hauptabschnitte unterteilt. Zu Beginn kann sich der Leser zunächst ein Bild über die Region und die Wasserstrecke verschaffen. Nebenbei gibt es zahlreiche generelle Tipps zur Ausrüstung für die Bootstouren. Vor allem für Anfänger ist die „Kleine Kajak- und Kanadier-Fahrschule“ praktisch, die in jedem Buch mit enthalten ist. Damit können die grundlegenden Paddelschläge zumindest theoretisch einstudiert werden. Praktisch anwenden kann man dieses Wissen dann bei einer der beschriebenen Touren im folgenden Abschnitt des jeweiligen Buches. Nach jeder Tourenbeschreibung folgen einige Seiten mit den wichtigsten Adressen. Dazu gehören neben Unterkünften und Einkehrmöglichkeiten auch Bootsvermieter und Sehenswürdigkeiten.

Wir haben die vier neu erschienenen Bücher zur Altmühl, zum Spreewald, der Müritz-Elde-Wasserstraße und der Loire bereits etwas genauer unter die Lupe genommen. Doch wer die Wahl hat… kann gegebenenfalls auch einfach alle Touren machen, der Sommer ist ja noch lang. ;) Doch auch wenn man sich fürs Erste entscheiden muss, sollte für jeden was dabei sein.


Spreewald

Vielleicht empfiehlt es sich mit einer klassischen Tour zu beginnen. Welches Gebiet wäre da besser geeignet als der Spreewald? Das insgesamt über 1000 km lange Wasserlabyrinth glänzt mit seiner sehr guten Infrastruktur für Wasserwanderer. So kann man auch ohne große Vorkenntnisse ausgedehnte Touren unternehmen. 
Die ersten Seiten vor jeder Tour helfen dem Leser sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Dabei werden neben der Bewertung der Aktivitäten, Natur, Kultur, Baden und der Hindernisse auch der Charakter der Tour, die Sehenswürdigkeiten sowie die An- und Rückreise kurz zusammengefasst. Im Kanuführer Spreewald stehen dem Leser vier Tourenvorschläge, von wenigen Stunden bis zu mehrtägigen Touren, zur Verfügung. Die Wasserwanderwege in dem sonst undurchsichtigen Netz an Wasserstraßen sind gut markiert. 
Für all jene, die ihr Packraft im vollen Ausmaß nutzen wollen, dürften die im Buch kurz beschriebenen Wander- und Radwege von besonders großem Interesse sein. Natürlich ersetzen sie keine guten Rad- und Wanderkarten. Aber die prägnanten Beschreibungen bilden eine gute Grundlage zur Planung und wecken die Neugier auf die Umgebung außerhalb des Wassers. So bietet es sich beispielsweise an, auf dem Gurkenradweg im Spreewald einfach mal Bikerafting auszuprobieren. Auch oder gerade für Familien kann so die Tour abwechslungsreich gestaltet werden. 



Der Kanuführer zum Spreewald unter anderen hier erhältlich.


Altmühl

Eine weitere spannende Gegend wird in dem Kanu Kompakt Führer Altmühl beschrieben. Besonders praktisch: Fahrradwege sind hier in der enthaltenen Karte bereits mit eingetragen. Der Altmühlradweg bietet sich dabei genauso für Land-Wasserwechsel mit dem Packraft an, wie der Altmühl-Panoramawanderweg. Eine weitere geologische Besonderheit lockt die Besucher in die Steinbrücke rund um das Altmühltal. Dort gibt es die Möglichkeit auf Schatzsuche zu gehen: Wer bei der Suche nach einem Fossil hier fündig wird, darf es als Souvenir mit nach Hause nehmen. 
Das Buch gliedert die insgesamt 124 Paddelkilometer in zwei Teile mit jeweils 3-4 bzw. 2-3 Tagestouren. Alle Infos rund um die Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswertes und andere Hinweise sind übersichtlich, wie im Übrigen bei allen Büchern dieser Reihe, am Rand an entsprechenden Stelle der Beschreibung vermerkt. Bei den 12 Wehren auf der Strecke an denen das Boot umgetragen  werden muss, wird man dann wohl spätestens die Vorteile seines Packrafts lieben lernen.
Wer sich am Ende seiner Paddeltour belohnen möchte, sollte sich einen Ausflug ins Freizeitparadies Altmühl- und Brombachsee im fränkischen Seenland gönnen. Dort finden sich Erholungsmöglichkeiten für Groß und Klein. Dank des vielseitigen Freizeitangebots und der guten Infrastruktur für Paddler, wird man hier allerdings eher selten allein auf dem Wasser unterwegs sein. 
Erhältlich ist der Kanuführer Altmühl unter anderem hier


Müritz-Elde-Wasserstraße

Anders sieht es im Gebiet um die Müritz-Elde-Wasserstraße aus. Da es sich hierbei um einen Kanal handelt, ist dieser trotz seiner prominenten Lage eher unbeliebt und durch Paddler wenig befahren. Doch zu Unrecht. Der Wasserweg von der Müritz zur Elbe bietet eine erstaunlich naturbelassene Landschaft und gilt daher noch als Geheimtipp. 
Bei der Aufteilung des Buches sollte man sich nicht verwirren lassen. Wer die komplette Tour im Umfang 10-14 Tagen fahren möchte, muss im Teil 2 des Buches zu lesen beginnen und anschließend in den ersten Teil zurückblättern. Doch das hat auch seine Gründe: der erste Teil ist im Allgemeinen einfacher zu befahren und auch familienfreundlich. Der zweite Teil dagegen sollte nur von versierten Bootsfahrern in Angriff genommen werden, die dieser Herausforderung Dank ihrer entsprechenden Erfahrung gewachsen sind. Dies liegt vor allem an den großen offenen Seen, die sehr windanfällig sind. Dazu gehört auch die Müritz als größter deutscher See. 


Weiterhin befindet man sich in diesem Gebiet auf einer Bundeswasserstraße. Das bedeutet Kennzeichnungspflicht für alle Boote – auch für Packrafts. Doch auch hier steht einem der Kanuführer mit Rat zur Seite und erklärt genau, welche Vorschriften es einzuhalten gilt. Auch bei etwaigen Sperrungen einzelner Flussabschnitte, hilft ein kurzer Blick ins Buch schon weiter. So ist beispielsweise die alte Elde ganzjährig zum Paddeln gesperrt, da es sich hier um ein Naturschutzgebiet handelt. Beste Gelegenheit also das Boot im Rucksack zu verstauen und das 318 Hektar große Naturparadies an Land weiter zu erkunden. In jedem der hier vorgestellten Wasserwanderführer können im Übrigen Infos zu Kultur, Natur und sonstigen Aktivitäten schnell und einfach den farbig markierten Infoboxen entnommen werden. So verpasst man keine der am Wege liegenden Sehenswürdigkeiten. 
Hier ist der Kanuführer Müritz-Elde-Wasserstraße unter anderem erhältlich.


Loire (Frankreich)

Rückt dann der große Sommerurlaub näher, kommen vielleicht auch die weiter entfernteren Ziele in Frage. Wie wäre da beispielsweise durch das UNESCO Weltkulturerbe „Val de Loire“ in Frankreich auf einen der letzten wilden Flüsse Europas zu paddeln? 
Wer Abenteuer und Natur sucht wird hier genauso auf seine Kosten kommen, wie Kulturliebhaber. Einzelne Nächte im Zelt wild zu campieren ist hier offiziell erlaubt. Für alle die es etwas komfortabler in der Nacht bevorzugen, bieten aber auch genügend Campingplätze, Hotels und Pensionen ein Bett für die Nacht an. Andererseits sollte man sich auf keinen Fall einen Abstecher zu einen der direkt am Fluss gelegenen, prunkvollen französischen Schlösser entgehen lassen. Die Loire bietet für Weitwasserwanderungen potential für mehrwöchige Touren. 
Neben den lokalen Besonderheiten unseres Nachbarlands, findet man im Kanuführer auch wichtige Sicherheitshinweise und Informationen, wie beispielsweise Notfallnummern oder andere Gefahren an der Loire. Ein großes Manko auf dem französischen Fluss: es gilt generelles Badeverbot. Will man auch hier kombinierte Land-Wassertouren durchführen, so muss man sich selbst Informationen zu etwaigen Rad- und Wandertouren beschaffen – die Infos dazu kommen in diesem Führer leider etwas kurz. Doch dafür hält er neben den wichtigen Angaben zur eigentlichen Paddelstrecke viele kulturelle und lokale Spezialitäten bereit. Wie wäre es beispielsweise nach einer anstrengenden Wasserwanderung mit einer Weinverkostung? Oder man gönnt sich am nächsten Tag eine Segway- oder Ballonfahrt. Langeweile kommt hier also sicherlich nicht auf. Und wer noch mehr Zeit hat, kann seine Tour mit dem ersten Band zur Loire auch noch beliebig ausdehnen. 



Käuflich erhältlich ist der Wasserwanderführer zur Loire unter anderem hier.


Fazit

Mit den Kanu Kompakt Wanderführer für die jeweiligen Gebiete lassen sich sowohl eintägige Trips, als auch mehrwöchige Touren gut planen. Auch speziell fürs Packrafting bieten sie mit den beschriebenen Ausflügen und Tipps gute Anhaltspunkte. Mit ein wenig Kreativität steht so auch einer kombinierten Land-Wasserwanderung nichts mehr im Wege.

25.04.2018

7 AUF EINEN STREICH - REVIERBESCHREIBUNG KROATIEN

7 Tage 7 Flüsse, jenseits der Soča!
von Sven Schellin | Anfibio Packrafting

Der Balkan rockt. Oft ist Slowenien das Eintrittstor und meist bleibt man gleich an der Soča hängen. Doch jenseits des bekannten Paddelflusses in den Julischen Alpen locken weitere Gewässer. 

Gleich hinter der nächsten Grenze gibt weniger bekannte Flußperlen, welche sich nicht nur durch ihr klares, türkisfarbenes Wasser, sondern durch das „Stufenbach“ Phänomen auszeichnen. Dazu später mehr. Jedenfalls sind es auch nur rund 1000km von Deutschland (Ausgangspunkt Dresden, Ziel Brod na Kupi), was gut und gerne in 11h zu erreichen ist. Willkommen in Kroatien!

7 Tage 7 Flüsse, so kann, muss ein Programm aber nicht aussehen. Es gibt genug Möglichkeiten selbst zu kombinieren.

Viel Spaß mit dieser interaktiven Karte bei der Auswahl und allen nötigen Informationen (i):



Was die Karte auch zeigt, sind die verschiedensten „Randsportarten“, welche die Logistik erheblich vereinfacht haben (kein Auto umsetzen). Der Rück- oder Hinweg erfolgte jeweils zu Fuß, per Rad, aber auch mit Bahn und per Anhalter.

Das hat es auch ermöglicht, verschiedene Gewässer oder Abschnitte in einem „Rutsch“ zu kombinieren (bspw. die Zrmanja mit der Krupa oder den Oberlauf der Mreznica) oder auch erst zugänglich zu machen (der Curak ist bspw. nur zu Fuß erreichbar).

Letztlich haben diese Kombinationen ein „Pensum“ von 7 Flüssen bzw. 145 km Packrafting mit 95 km Paddeln und 50 km Wandern oder Radfahren in nur 7 Tagen ergeben:

Kupa

Pure joy! Clear waterpaddling auf der Kupa.
Curak


Curak ist ein kaum befahrbarer Bach, nur die Schneeschmelze im Frühjahr macht es möglich.
Mreznica

Drop and pool, das ist ist Packrafting auf der oberen Mreznica!
Korana

"Stufenbach", ist ein Karstphänomänon, Kroatiens Flüsse sind charakterisiert von natürlich akkumulierten Stufen. Wasserfälle wachsen hier!
Slunjnica

Peace and quiet, das ist Packrafting auf der Slunjnica. "Quelltopf", ist ein weiteres Karstphänomän, die Quelle der kleinen Slunjnica ist ein 28m tiefer Pool, der 15km aus dem Untergrund kommt!
Zrmanja

Go with the flow. 
Krupa

Flatwater joy, Karststufen bilden natürliche Barrieren für wunderschöne Zahmwasserstrecken.
Gear List

19.04.2018

AUS DEM SATTEL ANS PADDEL – MIT VEREINTEN KRÄFTEN FÜR DIE VJOSA (ALBANIEN) – TEIL 2

Teil 1 der Vjosa/Albanien Geschichte gibt es hier.

von Jana und Jens Steingässer




Fluss unter Druck
Nach zwei Wochen im Sattel bei Temperaturen um die 45°C können wir es kaum erwarten, der Vjosa endlich von der Quelle in Nordgriechenland bis zur Mündung in die Adria zu folgen. Wenn das überhaupt möglich ist. „Ich kann mich nicht erinnern, die Vjosa jemals mit so niedrigem Wasserstand gesehen zu haben!“, ernüchtert uns Kristina. Sie kennt die Vjosa seit ihrer Kindheit. Als investigative Journalistin verfolgt sie seit Jahren kritisch die Pläne zum Bau von Wasserkraftwerken an der Vjosa, deckt Korruption, intransparente Vergabeverfahren von Baugenehmigungen und den illegalen Abtransport von Flusssedimenten für die Bauindustrie auf. Noch darf die Vjosa frei fließen – und gilt deshalb unter Wissenschaftlern, Umweltschützern und kritischen Journalisten trotz der massiven Verschmutzung durch Müll weltweit als seltenes und extrem artenreiches Juwel.




Wem gehört das Baby?
„Ist das Dein Ernst?“. Ich starre das kleine Rinnsal an, dass sich hinter der Staumauer im griechischen Pindosgebirge leise plätschernd seinen Weg sucht. Das soll die Quelle des Flusses sein, wegen dem wir 3000 Kilometer Anreise auf uns genommen haben? Eine Fluss-Geburt habe ich mir spektakulärer vorgestellt! Paula, Mio, Hannah und Frieda graben in Rekordgeschwindigkeit ihre Sandalen aus und folgen dem Rinnsal durch den Wald. Weit kommen sie nicht, denn es gibt zu viel zu bestaunen: Frösche in allen Größen, Fische, Insekten, Schmetterlinge, Tierspuren in der matschigen Randzone, vom Wasser umspülte Kletterfelsen... .
Warum die Vjosa, die hier Aoos heißt, direkt nach ihrer Geburt so lahm dahinplätschert wird uns klar, als wir die Dimension der Staumauer und des Stausees überblicken: Das abgefangene Wasser wird vom Damm aus in einen anderen griechischen Fluss umgeleitet. Konflikte um Wasserverteilung und Nutzung entstehen an der Aoos tatsächlich schon in dem Moment, in dem sie das Licht der Welt erblickt!




Früh übt sich...
Hier die Packrafts zu Wasser lassen macht im Sommer wenig Sinn, deshalb hangeln wir uns durch das Epirusgebirge weiter, stoßen an jeder möglichen Stelle wieder auf den Fluss. Wo möglich pumpen wir die Rafts auf und üben mit den Kindern Paddeln im Wildwasser. Mio, Hannah und Frieda stellen erstaunt fest, das ihre Boote sogar noch dann stabil sind, wenn sie kurzzeitig in den Schnellen volllaufen wie Badewannen. Erst ab der Stelle, an der sich der majestätische Voidomatis mit der Aoos vereint, lohnt es sich die Rafts einzusetzen, ohne auf Grund zu laufen. Dort, wo sich die Vjosa durch enge Schluchten windet, zieht Jens alleine mit Faltrad im Schlepptau los, ab dem albanischen Mittellauf nehmen wir auch die Kinder mit ins Boot.




Wasserleben und Lebenswasser
Durch das Tal von Kuta mäandert der Fluss als lebensspendendes Band. Alte Männer mit sonnengegerbten Gesichtern führen ihre Herden an die Ufer. Pferde ziehen vorbei, turmhoch beladen mit der frischen Ernte, die Familien gerade von ihren Äckern geholt haben. Unsere Kinder verfolgen am Ufer Schildkröten, die es nach Abklingen der schlimmsten Tageshitze aus ihren Verstecken lockt, bestaunen Schmetterlinge und bizarr aussehende Insekten, winzige Kröten, Frösche und Schlangen. „Das alles steht auf dem Spiel. Mein Haus wird es nicht mehr geben. Unser ganzes Tal wird unter Wasser stehen. Wir verlieren unsere Lebensgrundlage!“ Soni, ein junger albanischer Familienvater aus dem kleinen Dorf Kuta, hat sich dem Protest gegen die geplanten Wasserkraftanlagen angeschlossen. Entgegen der Wahlversprechen hat die albanische Regierung 8 Konzessionen zum Bau von Kraftwerken an der Vjosa vergeben, 23 an ihren Zuflüssen. Damit wäre das Ende dieses Flusssystems besiegelt (riverwatch.eu). 




Was wirklich auf dem Spiel steht, erahnen wir, als wir zu einer langen Tagesetappe mit den Rafts aufbrechen. Die Uferböschung wimmelt von Leben – ein solcher Vogelreichtum hat für uns leider mittlerweile absoluten Seltenheitswert. In die Uferabbruchkanten haben unzählige Vögel ihre Nisthöhlen gebaut. Jugendlich aus den umliegenden Dörfern werfen sich grölend in die Strömung, als wir an ihnen vorbeipaddeln. Paula, Mio, Hannah und Frieda springen immer wieder übermütig aus den Rafts und lassen sich von der Strömung mitziehen.




Es kommt ein Wind!
Wie aus einem überdimensionalen Föhn bläst uns heiße Luft mit 3-4 Windstärken entgegen. Als wir  Pocem erreichen, kommen wir trotz aller Paddelanstrengung kaum noch voran. Der Fluss hält uns ironischerweise genau an der Stelle fest, an der eines der ganz großen Staudammprojekte geplant ist. Und das ist mehr als ein Symbol, denn NGOs, Wissenschaftler und lokale Bevölkerung haben ihr Veto eingelegt und den Bau vor dem obersten Gerichtshof Albaniens vorerst stoppen lassen. Vielleicht hat es noch nicht jeder gehört, aber die Vjosa-Botschaft ist klar: Zieht Euch warm an, jetzt gibt es echten Gegenwind!




Call for Action

Was könnt ihr zum Erhalt der albanischen Wildflüsse tun? Ein Anfang wäre diese Petition unterschreiben (nachfolgendes Bild anklicken) oder spende sogar einen kleinen Beitrag (unten). 






11.04.2018

AUS DEM SATTEL ANS PADDEL – MIT VEREINTEN KRÄFTEN FÜR DIE VJOSA (ALBANIEN) – TEIL 1

Die albanische Vjosa ist in aller Munde. Warum, das ist diesen Quellen eindrücklich zu entnehmen:


Beitrag im Patagonia Blog / auf River Watch: Scientist for Vjosa

Die Balkan River Initiative: Europe'sUnknown Wild Jewel

Jens Steingässer war bei der Wissenschaftleraktion an der Vjosa, von der der Spiegel berichtet, auch dabei (siehe Foto der der Konferenz von ihm auf River Watch), um was es hier sprichwörtlich geht, verdeutlicht das nachfolgende Video:



Jens und seine Familie widmeten sich selbst der Problematik auf einer Recherchetour in ihrem aktuellen journalistischem Projekt zum Thema Wasser und zwar aus dem Sattel und mit Paddel!
von Jana und Jens Steingässer


Wasser ist das blaue Gold unseres Planeten. So banal diese Erkenntnis klingt, so fundamental wichtig ist sie. Vier Jahre lang hat uns die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel vor allem in arktische Regionen geführt. Ja, wir lieben Regen und Kälte! Die Spur des Wassers, unser neues umweltjournalistisches Projekt, lockt uns in diesem Sommer auf den Balkan und damit in für uns völlig neue Gefilde und Temperaturzonen. Vier Wochen lang folgen wir dem Lauf der Vjosa, dem letzten Wildfluss Europas, und erkunden ihr Zuflussgebiet zu Pferd, zu Fuß und in Packrafts.


Unsere albanische Gastfamilie, Kristina, Aurel und deren Tochter Sofia, sattelt unsere insgesamt neun Pferde, während wir Zelte abbauen, Wanderschuhe anziehen und für die nächste Tagesetappe Regenjacken („Bitte, lass es regnen!“), Hemden (zum Schutz vor Dornen), Sonnenhüte und Proviant in unseren Rucksäcken und Packtaschen verstauen und die Flaschen ein letztes Mal an der Quelle füllen. Wie in einem Vulkankessel erstreckt sich das Cajupi-Tal zwischen den südalbanischen Bergketten. 



Augen zu – und durch!
Frieda reitet vor mir. Kaum zu fassen, dass sie mit gerade mal sechs Jahren Tagesetappen bis zu acht Stunden bei brütender Hitze bewältigt – singend und ziemlich wilde Witze erzählend! „Jetzt geht es richtig steil bergauf. Vertraut den Pferden und klammert euch an der Mähne fest!“, ruft uns Aurel zu, der die Gruppe anführt. Als ich die steile Felsformation vor mir sehe, hoffe ich dass er einen Witz macht. Welches Pferd soll das bitte schaffen? Zeit zum Nachdenken bleibt in solchen Momenten zum Glück selten. Wie in einer Waschanlage werde ich eingeklemmt zwischen dornigen Büschen und verliere den Sichtkontakt zur Herde. Als mich das Gebüsch wieder ausspuckt, erspähe ich Frieda. Sie erklimmt mit ihrem Pferd mehrere hundert Höhenmeter über riesige Gesteinsbrocken. Ein Pfad ist hier nicht zu erkennen. Trotzdem folgen Pferde trittsicher ihrem Anführer.



Am Tropf der Balkanflüsse
Wie sehr hier das Leben von den Gebirgsflüssen abhängt, die im Tal die mächtige Vjosa speisen, wird überall deutlich. Schäfer treiben ihre Herden mehrfach täglich an die Ufer des Zagoria. Schafe, Ziegen, Esel und Pferde löschen gierig ihren Durst, die Schutzhunde legen sich erschöpft in die kalten Fluten. Auch Paula, Mio, Hannah und Frieda können es kaum abwarten, in der Mittagspause endlich alle Kleider und Schuhe von sich zu werfen und samt ihrer Pferde in dem kalten klaren Wasser Erlösung von der unbarmherzigen Hitze des albanischen Sommers zu finden.



Karavane im Land der großen Herzen
Zwei Wochen lang zieht unsere Karavane so durch die Berge, entlang sprudelnder Flüsse, vorbei an Bergdörfern, die wie aus einer anderen Welt wirken. Überall nehmen uns Familien mit der größten Gastfreundschaft auf, die wir je kennengelernt haben, bereiten Frauen für uns über qualmendem Holzfeuer albanische Spezialitäten zu, laden uns Menschen in ihre Häuser ein. Paula lernt Ziegen zu melken. Mio, Hannah und Frieda gehen mit einem zahmen Schwein im Dorf spazieren, suchen Eier, spielen mit den Kindern. Selbst die ärmsten Familien hier stecken zum Abschied Früchte aus ihren Selbstversorgergärten in unsere Packtaschen und wünschen uns Kopf schüttelnd eine gute Reise. Wir erreichen stürmische Bergpässe, wehren Herden wilder Pferde ab, durchreiten antike Stätten und beobachten im Schatten knorriger Bäume, wie Adler über unseren Köpfen ihre Kreise ziehen.



Von Quelle zu Quelle hangeln wir uns, füllen unsere Flaschen und sehnen uns nach dem Moment, an dem wir die Packrafts zu Wasser lassen und uns von der Strömung der Vjosa tragen lassen werden.

Dazu weiter im Teil 2!

05.04.2018

BIKEPACKING AND BIKERAFTING ON DOURO (PORTUGAL)

In Autumn 2017 Anna and Antonin from France discovered the Douro river in Portugal with their mountainbikes and packrafts. With the combination of biking and packrafting ("bikerafting") they found new ways to explore the country on water and on land. 
Starting from Porto via Fermoselle, Miranda do Douro and Picote they did a four-day tour through some beautiful areas of Portugal.

by Antonin Michaud-Soret




It was beautiful! Actually, more like those Indian summers with a golden and soft light. Such a perfect time to organise an outside trip! It's a new thing for us. We just bought new and awesome light packrafts and we want to do a mix between mountainbiking and packrafting. 
The beginning of the Douro River, the “secret” river of Portugal, seems to be great for that! Little tracks meandering in the middle of vineyards, centuries-old olive trees and perhaps more centuries-old men sitting under the sun, always smiling…time to meet the real Portugal!


Day 1 
We decided to leave the busy city of Porto and escaped to the Douro springs, close to the Spanish side. In this area, Douro river is already impressive with big cliffs and deep canyons, passing by some arid, dry inclinations. Important to know: Portugal has been damaged for several months by fires; this is the type of landscapes that we discovered when we arrived to Fermosselle, a beautiful and quiet Spanish village. It's Spain here because we decided to ride on the Spanish side to have some awesome views of the Portuguese side.




First step of the tour was the Fermosselle to Fariza de Sagayo. Departure was at 11:30 am after a funny packaging-process right in front of the corner's pub with many witnesses! Everybody seems to have something to say about our trip, had some good advice or some fixing patches (they will save our lives after!). Also: a lot of blessing words…all we need to enjoy the trip! For Anna it's the first time doing a bikepacking trip, so decisions have to be made :) Luckily most of our track until Miranda do Douro is part of the GR path with signs (red and white stripes) called «la senda del duero GR14.

The first hours under the sun made us very hungry! We decided to have lunch at "Pinilla de Fermosselle". We definitively looked too much like “tourists” so we had to negotiate the price because they asked for way to much! After lunch we continued our tour and after we managed the last part of the route with our bikes we finally arrived at 9 pm. To ride a bike at night is such a new sensation for Anna! 
The nature and old customs are everywhere: before sunset, we met some shepherd dogs with their cattle so we decided to camp in the wild along a nice stone wall. Quietness, some ringing sheep bells far off…what else do you need for a good sleep? 

Day 2 
After a good night of sleep, it was time for departure at 9 am. We're still on the Spanish side, in the direction of Miranda do Douro. We crossed the border to Portugal without any control!



It was to sunny to bike and we really deserved a nap so we decided it was time for “siesta”! We chose a cute park in the city centre with children playing in it. With the sun descent, we were ready to go to the next step, Picote village. But a few miles later, Antonin had 3 flat tires then and no more patches. The ones that we got from the first village were already used! And parts of his repair kit have been forgotten at home. So we were looking in the villages for patches. Nothing. We decided to go ahead instead of going back to Mirando to find a garage. Antonin had to pump the tire a bit every kilometer. During a pumping stop Anna noticed that her front tire lost a spike … the tire was a bit old. Luckily she haven't got a flat tire. The tubes were filled with sealant liquid three years ago! 
This night we decided to camp in the wild. We had a nice sunset view at a calm place and badly cooked Polenta.

Day 3
Departure at 9 am. We started with a short ride at a wonderful track in the countryside on the ancient road connecting the villages all together, followed by the gorges.

Later we had a coffee at Picote, went shopping and had some beers for the first night during the trip. The friendly bar keeper saved us with some patches from his own old bike kit! 
We enjoyed the nice village full of history and had a wonderful view over the Duoro River. Then it was time to go down to the river on a sandy off road.

At 12 pm it's already 25C°. After a small lunch it was time to unpack the bikes and prepare the packrafts with our bikes on them. A premiere for both of us. We haven't even been sure if it's going to work. But at the end, internet didn't lie to us, it was possible even with our mountain bikes.




After everything was well packed it was time for packrafting. Approximately 20km to go among wonderful gorges with zero wind and shining sun. We paddled through a very wild area as we were in the middle of the "international parc of Douro". 
When the sun was going down we stopped between olive trees at the bottom of Pinilla de Fermosselle. It was very very calm outside. Fish were jumping out of the water all night long. And if the days are hot, nights are pretty cold. 

Day 4
Departure at 9:30 am. Again we had to pack all the stuff on the packrafts. The sun was still not here at the bottom of the gorges. It looked a bit more windy than yesterday. At 10 am the sun was there, heating up the atmosphere. We had a long ride this day until the little pier (called "cais" in Portuguese). We have to arrive before the night. The river is a bit larger, the wind maked the paddling a little bit more "boring" and difficult but the landscape was incredible wild.

At 6 pm we arrived at the pier (Portuguese side), a few hundred meters before the "Bemposta" dam. No option to land on the Spanish side and avoid few kilometers of climbing with the bikes. So we unpacked our packrafts and packed the bike again - almost a routine now. With the last few sunbeams we were climbing the last 5 km of the road to be back at our car on Fermosselle. 
We were roasted but happy of this short and intense first experience of mixing biking and packrafting. Next stage is going to experience whitewater!



Gear used:
Antonin's bike: Commencal Meta V4 (27,5') 2016
handlebar bag: Sweetroll from RelevateDesign
Seatpack: RePack X from bikepack.pl
Bagpack: Vaude Simony 30+8
Tent:  Vaude Hogan SUL 2p ( 1.3kg)
Sleeping bag: Vaude Arctic 1200
Packraft: Anfibio Alpha XC + paddle (less than 3kg) 
Phone: Crosscall Trekker M1 (long battery autonomy, waterproof).
Maps used on my phone: Opencycle Map / Satellite view. via the App Viewranger

Anna's bike: Specialized Stumpjumper expert Women (26') 2005
handlebar bag: made from homemade stripe :) light and versatile to tight the bike on the packraft
Seatpack: inexpensive Btwin rack + sleeping bag packing roll with compression strings.
Bagpack: Vaude Nendaz 30
Sleeping bag: Vaude Arctic 1200
Packtaft: Anfibio Alpha XC + paddle (less than 3kg)
Phone: Crosscall trekker X2

Adventure pictured with our Crosscall smartphone.