01.07.2020

WIESENTSCHLEIFE: ABWECHSLUNGSREICHE WANDER-PADDEL-TAGESTOUR

Dieser Beitrag gehört zum Artikel REVIERINFO SÜD-DEUTSCHLAND.

🔶 Wiesentschleife, abwechslungsreiche Wander-Paddel-Tagestour, Zahmwasser bis WW I, von Juliane Hermelbacht

Flussschleifen eignen sich immer um Wandern und Paddeln in einer Tour zu verbinden, so auch die ausgeprägte Schleife bei Muggendorf, eine einfache, aber landschaftlich sehr schöne und abwechslungsreiche Tour. 

Vom Start in Muggendorf geht es zu Fuß über einen Bergrücken, der bezeichnenderweise den Namen „hohler Berg“ trägt. Der Name ist Programm, nicht nur laden auf dem Weg einige sehr schöne Höhlen zum Erkunden ein, nein, sogar der Wanderweg führt an einer Stelle durch eine 200m lange Höhle hindurch. Nach einem anstrengenden Anstieg durch den Wald, der immer wieder schöne Ausblicke auf das Wiesenttal erlaubt, geht es weiter über die Felder nach Engelhardsberg mit seinem hohen Aussichtsturm. Von dort kann man auf verschiedenen Wegen zur Wiesent absteigen, sei es durch die Versturzhöhle Riesenburg oder auf kurzem Weg direkt zur Gaststätte Schottersmühle. So oder so beträgt die Wanderstrecke etwa 4 km. 



Weiter geht es mit dem Packraft durch das tief eingeschnittene Flußtal der Wiesent, die meist eine flotte Strömung aufweist. Zahmwasser und kurze, einfache Wildwasserabschnitte (meist WWI- bis WWI) wechseln sich ab, immer wieder sind kleine Mühlenwehre zu umtragen, oft befinden sich hier kleine Gaststätten, die zur Einkehr einladen. Nach 13 Flußkilometern ist der Ausgangspunkt in Muggendorf wieder erreicht.

Da die Wiesent hier nur zwischen 9 und 17 Uhr befahren werden darf, empfiehlt sich ein früher Tourstart, um genügend Zeit für Höhlen, Paddeln und ggf. die eine oder andere Einkehrpause zu haben.

Pegel, Strecke: 4 + 13 km, Dauer: 6-8h. Befahrungsregeln: nur vom 1.5. bis zum 31.9., nur zwischen 9 und 17 Uhr.

15.06.2020

TIROLER ACHE (ENTENLOCHKLAMM): KLEINOD AN DER ÖSTERREICHISCH-DEUTSCHEN GRENZE

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🔶 Tiroler Ache (Entenochklamm), Kleinod an der österreichisch-deutschen Grenze, WW I-II

Als größter Zufluss des Chiemsees kreuzt zwischen Kössen und Schleching die Tiroler Achen die deutsch-österreichische Grenze. Ihr Durchbruchstal, die wunderschöne Entenlochklamm, eignet sich ganz besonders für eine kombinierte Wander-Paddel-Tour. 

Hierzu parkt man auf dem kleinen Schotterparkplatz an der Straßenbrücke Schleching. Dann läuft man linksufrig Richtung Ettenhausen, wo man auf den markierten Schmugglerweg trifft. Hoch über der Entenlochklamm führt dieser alte Pfad parallel zum Fluß nach Süden. Etwa auf halbem Weg gibt es die Möglichkeit zum Fluß hinabzusteigen und über eine schmale Hängebrücke zum Gasthaus Klobenstein auf der anderen Flußseite zu gelangen. Wir folgen hingegen dem Pfad weiter bis ins österreichische Kössen, wo wir nach insgesamt 7km nahe des Bauhofs auf einer Kiesbank die Boote in das türkisblaue Wasser einsetzen.

Die flotte Strömung trägt uns schnell zum Eingang der Klamm, wo Felswände und kleine Kiesbänke sich abwechseln. Immer wieder sind kleine Stromschnellen zu überwinden, die allerdings WW II nie überschreiten. Ab dem Gasthaus Klobenstein beginnt das Naturschutzgebiet mit ganzjährigem Uferbetretungsverbot. Nach fünf wildromantischen Klammkilometern ist leider schon wieder die Ausstiegsstelle erreicht.

Für ein etwas längeres Paddelvergnügen bietet sich Marquartstein als Ausgangspunkt an. Von der Hauptstraße direkt am Fluß fährt ein Bus der Linie 9509 wenige Male täglich direkt bis Kössen, von wo es nur noch wenige hundert Meter bis zur Einsetzstelle sind. Die Paddelstrecke verlängert sich damit auf etwa 14 km. Auch die verlängerte Strecke ist landschaftlich sehr reizvoll und bietet einige schöne Kiesbänke, die zu einer Pause - und an besonders heißen Tagen auch zu einem Bad im kalten Wasser – einladen.

Befahrungsregeln: Befahrungsverbot 15.9. bis 31.5.; ganzjähriges Uferbetretungsverbot in der Klamm. Befahrbarkeit: Empfohlen ab 12 m^3/s am Pegel Koessen-Hütte

01.06.2020

RISSBACH: EIN KLASSIKER DER REGION

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🔶 Rißbach, Karwendel, wunderschöner Hochgebirgsbach, ein Klassiker der Region, WW II-IV

Der kristallklar, blau schimmerndem Gebirgsbach gehört zu den Top 3 des gesamten Reviers. Nicht ohne Grund heißt auch der angrenzende Isarabschnitt “Bayrisch Kanada”.

Schon auf der Anfahrt zum Einstieg bei Hinterriß bekommt man vor der extrem schwer zu befahrenden Rißbachklamm ordentlich Respekt. Kaum vorstellbar dass diese, mit bis zu 7 Meter hohen Abfällen gespickte Klamm hin und wieder von Kanuten befahren wird. Den letztmöglichen Ausstieg vor der Klamm, “an den Garagen" präge man sich sicherheitshalber gleich ein. Ebenfalls zu inspizieren sind die beiden Schlüsselstellen "Schräge Rippen" und das “Straßen-S”, ca. 1,3 km oberhalb des Ausstiegs.

Schlüsselstelle "Schräge Rippen"

Die Tour startet an der “Neuner” Straßenbrücke ca. 1 km oberhalb der Ortschaft Hinterriß. Außerhalb des von 15. April bis 15. August geltenden Befahrungsverbots kann bei günstigem Wasserstand noch ca. 8 Kilometer weiter Flussauf, bei Hagelhütte eingesetzt werden. Vom Start weg gefällt der Rissbach mit seinen zahlreichen Kiesbankschwellen und dem kristallklaren Wasser. Mäßig verblockte Abschnitte und einzelne Treibholzabsammlungen lassen sich mit dem wendigen Packraft und technischen Grundkenntnissen gut bewältigen. Größere Wellen bilden sich lediglich im Bereich der Brücken bevor sich im letzten Drittel der mit gut 6 km relativ kurzen Strecke das "Straßen-S" ankündigt. 

Nur etwa 400m später folgt mit den sogenannten "Schrägen Rippen" schon die nächste Herausforderung. Je nach Durchflussmenge liegen die Schwierigkeiten hier zwischen WW III und WW IV. Beide Abschnitte gilt es bereits bei der Anfahrt zu besichtigen und ggf. neben der Straße zu umtragen. Rund einen Kilometer weiter Flussabwärts steigt man direkt an der Straßenbrücke vor der Niedrigklamm an der rechten Seite des Rißbachs aus. 

Blick auf die Schlüsselstelle "Schräge Rippen"

Wirklich augenfällige, sinnvolle Landpartien gibt es in Kombination mit dem Rißbach nicht, aber kleine (sonst gebührenpflichtige) Zufahrtsstraße per Rad zu shutteln oder zu wandern geht natürlich immer. Wer es wirklich wissen will, überschreitet den Pass Plattenspitze aus dem oberen Isartal, dann ist er PACK Anteil aber wirklich lang und anspruchsvoll.

Befahrbarkeit: Im Frühjahr beginnend ab ca. 5 m^3/s. Ausstiegs- und Schlüsselstellen auf dem Weg zum Einstieg begutachten (gefährliche Klamm kurz nach dem Ausstieg!). Streckenlänge: 6 bzw. 14km (bei Einstieg in Hagelhütte). Dauer: 1 - 2,5 h ohne Pausen.

15.05.2020

WÜRM: ZAHMWASSER MIT FLOTTER STRÖMUNG UND ÜPPIGER VEGETATION

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🔶 Würm, Starnberger See, Zahmwasser mit flotter Strömung, 5-9 km, bequemer Wanderweg parallel, ganzjährig befahrbar

Die vom Starnberger See abfließende Würm bietet auf dem hier beschriebenen Abschnitt zügige Strömung und üppige Vegetation. Mit 5 Kilometern ist die relativ kurze Tour aufgrund des weitgehend parallel verlaufenden Wanderwegs geradezu ideal für ein Packraft-Abenteuer. Außerhalb des für den oberen Würmabschnitt geltenden Befahrungsverbots (01.03.-30.06.) kann die Tour sogar bereits im Starnberger See begonnen werden. Diese bietet knapp 9 km Paddelspaß inklusive Badepausen.

Für den kürzeren unteren Abschnitt startet man am besten zu Fuß beim Sportplatz in Gauting und wandert links der Würm durch den Wald zum Einstieg. Dieser befindet sich unterhalb eines Fischereibetriebs kurz vor der querenden Landstraße. Startet man bereits oberhalb, ist der Betrieb in jedem Fall großräumig rechts zu umtragen. Andernfalls macht der Fischereiwirt Ärger.

Die Würm verläuft nun in sanften Kurven durch ein idyllisches Waldtal. Das klare Seewasser erlaubt interessante Einblicke in die Unterwasservegetation. Es gibt einige querliegende Bäume, die über- oder unterfahren werden können. Es folgt ein kleines Wehr, dass linksseitig umtragen werden kann. Kurz danach zweigt ein Kanal ab, in den man nicht einfahren sollte. Die Kanalstrecke ist gesperrt. Im zweiten Drittel der Strecke verbreitert sich der Kleinfluss zu einem ca. 80 m breiten See. Hier säumen viele Blumen und Wasserpflanzen den Weg durch die teilweise vom Hochwasser durchflutete Auenlandschaft. 

Kurz vor dem Ausstieg an der Brücke beim Sportplatz in Gauting gilt es noch eine kleine Geröllbremse (WWII) zu durchfahren. Der Ausstieg befindet sich dann auf der rechten Seite an einer kleinen Wiese.

Befahrbarkeit: Im Frühjahr und nach Niederschlägen ab ca. 5,3 m^3/s. Wer den recht flachen Abschnitt in der Mitte nicht treideln will, setzt besser erst bei knapp 6 m^3/s. ein. Streckenlänge: 5 bzw. 9 km (ab Starnberger See). Dauer: 1 bzw. 2h ohne Pausen

01.05.2020

LOISACH (GRIESENSCHLUCHT): DIE REFERENZ IN SACHEN WILDWASSER IN DEUTSCHLAND

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🔶 Loisach (Griesenschlucht), Garmisch-Patenkirchen, die Referenz in Sachen Wildwasser in Deutschland, WW III-IV, von Horst Schulze.

Den nur knapp 5 Kilometer langen Abschnitt der Loisach zwischen Griesen und Untergrainau kennt sicher fast jeder Paddler im deutschsprachigen Raum. Entsprechende Fahrtechnik vorausgesetzt, macht der Fluss auch Packraftern einen Riesenspaß. Oft sogar so viel Spaß, das die Strecke mehrfach hintereinander befahren (und ggf. hochgetragen) wird.

Der Einstieg befindet sich von Untergrainau kommend auf der linken Seite der B23 und kann auch per Fahrrad erreicht werden. Der Ausstieg am sogenannten “Zielhaus” liegt ebenfalls nahe der Bundesstraße. Selbst zum nahen Bahnhof der Regionalbahn sind es nur wenige Gehminuten.



Auf den ersten hundert Metern fließt die Loisach hier noch recht flach und gemütlich zwischen den Kiesbänken. Nach einer Linkskurve beginnt jedoch bereits die Waldschlucht und damit der anspruchsvolle Teil der Tour. Zwar als WW IV Flussabschnitt kategorisiert dürfte der Anspruch an den Paddler zumindest bei niedrigen Pegelständen von 90 bis 110 cm eher etwas darunter liegen. Die Herausforderung besteht hier weniger im bewältigen wuchtiger Wellen, als im kontrollierten Kehrwasserfahren durch die stark verblockte Schlucht. Da die Sicht aus Paddlerperspektive durch die Felsen stark eingeschränkt ist, empfiehlt es sich vor unübersichtlichen Stellen in eines der Kehrwässer zu schwingen und die beste Durchfahrt zu erkunden.

Bis zum Kreuzen der Bundesstraße machen wir uns an Schlüsselstellen wie “Dom” und  “Schlüsselloch” mit dem Charakter der Loisach vertraut. Kurzzeitig etwas gemütlicher kündigt sich bald das steile und stark verblockte “Treppenhaus” an. Auf wenigen Metern verliert der Fluss hier deutlich an Höhe und muss über Felsstufen abgefahren werden. Bis zur Eisenbahnbrücke folgen noch weitere, teils wuchtige Stufen. Anschließend liegen die Schwierigkeiten bis zum Ausstieg am “Zielhaus” nur noch bei WWII.

Befahrbarkeit: Außer nach längeren Trockenphasen häufig zu befahren. Ein Pegel von ca. 90 - 100 cm ist ideal, um sich mit den Anforderungen der Loisach vertraut zu machen. Die Fahrt kann falls nötig auch abgebrochen werden, da die Straße meist oberhalb der Schlucht verläuft.  Streckenlänge: 5,3km, Dauer: 1h

20.04.2020

AMPER: MOOR- UND WANDERFLUSS

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🔶 Amper, Ammersee bis Fürstenfeldbruck, Moor- und Wanderfluß, Zahmwasser, ganzjährig, von Juliane Hermelbracht

Die Amper zwischen Ammersee und Fürstenfeldbruck ist erst Moorfluß durch eine Naturlandschaft, dann einfacher Wanderfluß durch Wald und Stadt, in jedem Fall unschwierig und familientauglich.

Schon bei An- und Abreise kommt ein leichtes Boot ‚zum Tragen‘. Die Einsetzstelle unter der Autobahnbrücke bei Stegen ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen. Die nächste S-Bahnstation ist in Türkenfeld, von dort wandert man über Wiesen und Wälder auf einem teilweise ausgeschilderten Weg ca. 6km nach Stegen am Ammersee.



Die ersten 6km verlaufen sehr gemächlich durch ein idyllisches, naturbelassenes Moorgebiet. Ab Grafrath frischt die Strömung auf und die nächsten 10km bis Fürstenfeldbruck kommt man flott voran. Ein paar Sohlrampen sorgen für Abwechslung, sind aber bei Bedarf auch leicht zu umtragen. Einziges Hindernis auf der Strecke bildet das Wehr in Schöngeising. 

Nach einer wirklich sehr niedrigen Straßenbrücke in Fürstenfeldbruck hat man kurz vor dem E-Werk rechtsseitig die Ausstiegsstelle erreicht. Von hier ist es noch ein guter Kilometer bis zur S-Bahnstation.

Das Wasser der Amper ist vergleichsweise warm und lädt zum Baden ein, der Wasserstand ist so stabil, dass eine Befahrung außerhalb der Verbotszeiten vom 1.3. bis zum 15.7. meist möglich ist. 

Streckenlänge: 18km, Dauer: ca. 4Std. ohne Pausen. Die Tour ist auch für Anfänger und mit Kindern geeignet.

06.04.2020

REVIERINFO SÜD-DEUTSCHLAND FÜR PACKRAFTER

Eine Revierbeschreibung "Süd-Deutschland" für Packrafts ist ziemlich vermessen von uns, denn:

1. Lässt sich das Gebiet kaum erschöpfend behandeln (aber Lösung siehe unten)
2. Gibt es umfangreiche andere Quellen (Verweise nachfolgend)
3. Sind wir keine Locals (aber Hilfe folgt)


⏩ 1. Insbesondere das südliche Bayern ist eine Prime-Destination in Sachen Wassersport, so vielfältig sind die Möglichkeiten. Aber warum an der Grenze zu Österreich halt machen? Dahinter geht es erst richtig los. Nun ja, man muss halt irgendwo anfangen. Und wie immer, unsere Revierinfo in Sachen Packrafting soll kein Katalog werden, sondern eine Anregung sein, die Raum für eigene Entdeckungen und neue Kombinationen lässt! Nachfolgend beschränken wir uns daher auf eine Auswahl von Klassikern und ein paar Geheimtipps. To be continued!


⏩ 2. Es gibt mit Sicherheit keinen Mangel an Informationen. Alleine der DKV Gewässerführer Süd-Bayern ist das Standardwerk der Flussbeschreibungen in der Region. Nüchtern, trocken, aber umfänglich. Praktisch alle paddelbaren Gewässer sind erfasst und mit Kilometrierung, Befahrungsregeln, Pegelinformationen, Zu- und Ausstiegsstellen sowie Gefahren- und Schwierigkeitserläuterungen versehen, ganz ohne ausschweifend Prosa (Zeichensprache/Legende hilft). Sogar Packrafting hat sich ins Buch verirrt. Zugegeben, da geht noch was. Also rann an den Speck, die Kombination bekannter Gewässer mit Rucksack, Rad und Bahn ist Packrafters duty!

Der DKV-Gewässerführer Süd-Bayern, vollständig, aber nicht immer aktuell, daher besser auch andere Quellen heranziehen

Anschaulicher als der Führer ist die thematische Karte aus dem Jübermann-Verlag. Auf einen Blick hat man Lage, Schwierigkeit und Pegel des gesamten Gewässersystems. Zur Planung in Kombination mit der Landpartie ist sie unser Favorit.


Unschlagbar und völlig außer Konkurrenz ist sowie das Flusswander-Portal von Steve, wenn es um reine Gewässerinformationen geht. Auf jeden Fall bleibt auch hier die Kombination mit dem Land- oder Packanteil, also das was Packrafting ausmacht, noch selber zu kreieren.

⏩ 3. Nun, der Süden der Republik ist nicht unsere Hausrevier, aber wir sind zumindest schon oft vor Ort gewesen (siehe Bilder oben), und, wir kennen coole Locals :) Diese holen wir in diesem Beitrag mit ins Boot! Gut, das ist jetzt nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, wie die nachfolgenden Bilder (entstanden im künstlichen Trainingskanal von Budweis/Tschechien) zeigen:

Kompetentes, mit allen Wassern gewaschenes Autorenteam (v.l.n.r.): Horst Schulze, Juliane und Lars Hermelbracht, Sven Schellin

10 Touren von und für Packrafter

🔶 Mangfall (bei Rosenheim), sehr schöne Waldschlucht, ideale Flussschleife zum Packraften (nur 4km Rückweg), im Frühjahr oft fahrbar, WW I-III (von Horst)




🔸 Isar, Wallgau bis Vorderriss, „Bayrisch Kanada“, extrem selten befahrbar, WW I (von Sven)

🔸 Iller, Allgäu, Illerursprung (Vereinigung von Breitach und Tettach) bis Sonthofen, WW II (von Sven)

🔸 Leitzach (bei Rosenheim), klar, spritzig, oft fahrbar, WW II -III- (von Horst)


⏬Download: Alle Touren lassen sich für die Nutzung auf dem Smartphone oder GPS Gerät  herunterladen: Karte in Vollansicht öffnen, '3 Punkte' Menu ansteuern und "KML herunterladen" auswählen (für GPS Geräte ggf. in .gpx umzuandeln).

🔻 Disclaimer

1. Der Beitrag stand unter dem Motto Informationsfluss statt Bilderflut. Fotos (oder gar Videos) ist nicht die Stärke des Artikels. Aber das kann sich ändern! Wer animiert ist, die Beschreibungen unter den eigenen den Kiel zu nehmen und ein glücklicheres Händchen am Auslöser hat, der kann zur Illustration gern beitragen. Schickt uns einfach das Material. Wir werden uns auch revanchieren!

2. This is a living article! Wie oben bereits angekündigt: to be continued, gern auch mit Hilfe Dritter. Wer in der Region weitere Packrafting Touren unternommen hat, ist herzlich eingeladen, diese zu ergänzen. Interessant wären z.B. die Königseeer Ache in Berchtesgarden oder die  Breitach im Allgäu.


🔼 Ausblick

Zum Abschluss sei doch ein Blick über die Grenze erlaubt. Wer in der der Region ist und weitere Gewässer ähnlichen Profils wie oben sucht, der wird schnell auf Lech, Brandenberger Arche, Ziller, Inn (Imster Schlucht), Saalach und die oberste Isar in Österreich stoßen (siehe Bilder oben). Und damit wäre schon bei der nächsten Revierbeschreibung ...

MANGFALL (BEI ROSENHEIM): IDEALE FLUSSSCHLEIFE ZUM PACKRAFTEN

Dieser Beitrag gehört zum Artikel REVIERINFO SÜD-DEUTSCHLAND.

🔶 Mangfall (bei Rosenheim), sehr schöne Waldschlucht, ideale Flussschleife zum Packrafter (nur 4km Rückweg), WW I-III, im Frühjahr oft fahrbar, von Horst Schulze

Generell erwartet den Packrafter auf dem hier beschriebene Abschnitt leichtes, klares Wildwasser mit Schwierigkeitsgrad I bis III-. Das landschaftlich sehr schöne Flusstal überrascht immer wieder mit spritzigen Abschnitten, überhängenden Bäumen und leichter Verblockung. Bleibt dabei jedoch immer fair und gut einsehbar. Gerade nach höheren Pegelständen ist grundsätzlich mit querliegenden Bäumen zu rechnen. Um- bzw. Überfahren dieser natürlichen Hindernisse ist manchmal möglich. Im Zweifel sollte sicherheitshalber umtragen werden.

Wollen wir den Wander-Aspekt beim Packrafting nutzen, empfiehlt sich besonders der Abschnitt von Valley nach Westerham Die Mangfall fließt hier eine ca. 9 Kilometer lange Schleife und passiert den Einstieg nur gut 4 Kilometer weiter rechts. Der Weg vom Ausstieg zurück zum Einstieg lässt sich dadurch bequem in Packraft-Manier zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

Nach ungefähr einem Drittel der Strecke nähern wir uns im Scheitelbereich der Flussschleife einer Brücke. Hier passiert man das technische Highlight des Abschnitts: über mehrere Stufen und Durchlässe fällt die Mangfall terrassenartig ab und bietet ausgiebig Gelegenheit zum Techniktraining und zur variablen Routenwahl.

Befahrbarkeit: Je nach winterlicher Schneesituation im Frühjahr meist ab 10 m^3/s fahrbar, über 15 m^3/s Vorsicht an künstlichen Abstürzen (starke Rückläufe). Strecke: 9+4km Dauer: ca. 4h ohne Pausen. Sicherheitshinweise in der Karte beachten!

30.03.2020

ÜBERSICHTSKARTE MIT ALLEN PACKRAFT TOUREN

Eine Darstellung, alle Tourenberichten, Packrafting auf einen Blick.

Ein Klick auf die Symbole der interaktiven Karte öffnet eine Seitenleiste mit Vorschaubild, Kurzbeschreibung und Link zum vollständigen Bericht für das nächste Reiseziel, in der eigenen Umgebung oder auf der Suche nach "weissen Flecken".

02.03.2020

NORTH CAPE POLAR NIGHT - OR HOW (NOT) TO USE AN ICE AXE FOR PADDLING

In December we introduced you to the Les Engages, a French team training to reach the North Cape at the Polar Night. After a first test in the Swiss Alps, paddling on the Loire in the dark and a night trip on the Atlantic during storms  they now actually attempted to reach the North Cape with skis and packraft. How that went and what went wrong is to be read in the following article:  
From Valentin Drouillard @les.engages


We are Les Engagés: Thomas, Maxime and Valentin. We are not professional adventurers like Mike Horn, top sportsmen or former special forces personnel. We all have a classic profession and live in the city (in Paris). And yet, we give ourselves the means to organize and lead great expeditions from A to Z, in complete autonomy.

After crossing Greenland in 2018, and climbing the Aconcagua (6962m) in 2019, we have just returned from our 3rd expedition in autonomy, which is also the hardest experience of our lives: reaching the North Cape (Norway) through 3 weeks of polar night. The expedition has been broadcasted on Norwegian TV news!

A start and a lost

To reach this most northern point of Europe we left from Karasjok on 28th December. This was the start of a land travel with ski / sleds. Our sleds weigh 72kg each to account for all the expedition gear plus self-sufficiency food and gasoline. Our first challenge was to get through dense woods, in complete dark. We lost a lot of time and got exhausted by heavy snow. Things worsened with Maxime being taken severely ill. We lost two days against the initial timing of the expedition.


Change of direction 

We could overcome these forests we hit a first mountainous area. Stormy winds and ice-cold temperatures (-35°C) welcomed us. We decided to take a bold bet: a corridor though the mountains that was not on the piece of map that we prepared but that seemed a better option than the highlands initially chosen. This choice became the tilting point of the expedition. Skiing on thick and gliding ice, we caught up with time despite repeated storms. Laponia even welcome us with the mystery of Northen Lights. Faith was smiling at us until we reached the Fjord and sea.


The final gap 

A channel of the Barrent sea was still between us and the North Cap, 50km North from our position. In the following review we focus on the particular challenge of crossing the strait of the Barents Sea for 14km to reach the island of North Cape.



We can't wait to get to the water. We have everything planned, the 3 packrafts (Anfibio Delta MX, Alpha XC and an MRS Adventure X2) are tied together as well as the pulkas that follow behind. Everything works, we paddle happily, we smile, laugh, in short, we are happy...

Severe damages on our packrafts 

But after 200m it's a punishment. Two of our three packrafts brust due to a mistake of inattention (a badly placed ice axe stroke in reality - yes it's possible …. the spectrum of human error is as vast as the poles). We land in an emergency and our shoes take on water. Despaired, we resign ourselves to setting up camp and start repairing the two ships. Our overconfidence has been punished.



Emergency repair in the field 

But we haven't said our last word. After an in field telefon conference (surpricing to to have coverage) with the Anfibio Packrafting Store at Friday night (surpricing to reach them in person to the time) we consult about an emerceny repair. Fortunately we are well prepared with so called LifePatches, which allow instant repairs in freezing, wet conditions.
We repair the packrafts, then inflate them. We decide to let the night pass. If the repairs hold, we'll try the crossing again.


Finally crossing – will the fix hold up? 

This morning we decide to get up at 3am to catch the last favourable weather window for what we believe is the final obstacle: crossing a strait of the Barents Sea for 14km to reach the island of North Cape. We wake up with a sense great humility this time, aware of the lesson inflicted the day before. We decide to take a thoughtful, delicate and intelligent approach. We are extremely focused. Yesterday's failure is on everyone's mind, but we must not stop there. This state of mind will not prevent us from getting intoxicated with gasoline over breakfast. We still haven't figured out how the essence managed to seep into the Chinese noodles and oats on day 15. A mystery we'll never solve. Anyway, we are pasty, slightly nauseous under the effect of gasoline vapors that rise from our stomach via unpleasant burps. It is 4am, the day has started. We calmly wait in the tent for the wind and the heavy falling snow to calm down and then we stow the packrafts and pulkas again. The repairs seem to be going well.


How many strokes left?

Our strategy is to follow the coast to get out of the fjord and then start the final crossing. At 8:20 am we are in the water. Calm. Concentrated. And above all, on our guard. We follow the coast quietly, the ebb tide helping. Then the swell begins to rise. It's rocking. We stay calm. The pulkas following behind are pounding our packrafts. We're afraid they'll burst again. Thomas, in position on the central packraft, manages to find a system to keep them away from the packrafts. After a few frightful moments, we reach the end of the fjord. We have to take a break there. Unfortunately, peeing on a packraft is not an easy thing. We rush since we realize that our boats are drifting severely towards the ocean.


We paddle until we are exhausted to find the end of the fjord. It is impossible to go up the current. The current is too strong and pushes us away from the coast. We have to take advantage of this and we decide to cross now straight ahead instead of going to the planned landing place, which is against the current. Here we go, the battle is on, unfortunately not on our initiative. But we decide not to suffer from it. Maxime on the left and Valentin on the right are paddling like devils, it's like being in a Roman galley. Thomas manages the pulkas' gap and helps paddling as well. The effort is continuous and intense.


The North Cape 

The current is strong and we drift too far east. At this moment nobody thinks about the danger anymore, we are in the game and we give all we can. We must not stop and drift. We're rowing. We're rowing. We're rowing. Cramps arise, we're cold, we're wet, but we're not letting go. The coast still seems so far away and it's discouraging, but now is the time to make the effort. Now is the time to make the difference. The last big challenge before the North Cape.

We're committing all our forces to this supreme effort. The coast is finally closing in. The muscles are letting go, but we keep going. We've got to keep going, we're moving, we're going to make it. Half a mile... 400m... 300m... 200m... We're almost there, but nothing's earned, we have to keep paddling... Aaaaaaaah! After a time of effort impossible to determine, and a certain exhaustion, we reach the North Cape coast. Euphoria overcomes us. This is it. We made it!

14.02.2020

WILDWASSERWOCHEN IN DER SCHWEIZ UND ANDERSWO

Üblicherweise bevorzugen wir selbst organisierte Touren. Doch ab und zu sind Veranstaltungen mit einem Hauch sportlichen Wettbewerbs reizvoll. Teilnahmebeispiele sind der 1000Seen Martathon, das RedBull Amphibious Rennen oder eben Wildwasserwochen.

Wildwasserwochen sind kein wassersportliches Angebot von McDonalds, sondern eher ein Relikt aus alten (DKV) Zeiten. Das erkennt man gleich an der hohen Seriennummer. Manche Veranstaltungen werden schon seit über 50 Jahren aufgelegt.

Im Grunde handelt es sich sich um organisierte "Paddellager", d.h. für den Rahmen an Begleitung, Transfers und Informationen ist gesorgt, die eigene Verantwortung wird jedoch nicht gänzlich abgegeben. Es sind keine Kurse, auch wenn man viel lernen kann, gerade durch die Basis an gestandenen Kajakfahrern. Apropos, als Packrafter ist man selbstverständlich willkommen, man wird jedoch die Ausnahme bilden, darauf muss man sich einstellen.


Mit Packrafting im originären Sinne hat die Organisation auch nichts tun, alle Ein- und Ausstiege werden durch den Shuttle Service abgedeckt. Natürlich verbietet es keiner alternative Arten der Fortbewegung zu nutzen, insbesondere die Zugangsstellen der Flüsse zu erwandern. Auch Kombinationen sind je nach Lage des Gewässer möglich, bspw. zu Fuß zum Einstieg, vom Ausstieg zum Camp per Shuttle zu kommen.

Der Service ist nicht kostenlos, aber sehr preiswert. Die Tourenbegleiter achten auf die Gruppe, empfehlen zu fahrende Linien und geben rechtzeitig Hinweise auf Gefahrenstellen und Ausstiege. Sie sind aber kein Reiseleiter. Die jeweilige Schwierigkeit des Flusses muss von den Teilnehmern beherrscht werden, wobei meist das Spektrum von WW I-IV geboten wird.

Von Traditionen kann man halten was man will, Vereinsorganisationen mögen oder nicht, die Mischung aus Sicherheit und Herausforderung, Organisation und Freiheit, Service und eigener Verantwortung ist einfach gut. Alleine ließe sich die Anzahl und Effizienz an Befahrungen jedenfalls kaum bewerkstelligen. 

Wir empfehlen folgende Wildwasserwochen als guten Mittelweg zwischen professionellen Tourenveranstaltern und eigener Organisation, gerade für Wildwasseraufsteiger:

1. Schweizer Wildwasserwoche des Kanu Club Tegelbach in Trun vom 12.-17.07.20, auf  dem Vorderrhein von Madernal bis Reichenau (mit Ausnahme Tvanasa - Ilanz), Furkareuss, Moesa, Hinterrhein, Albula, Glenner, Brenno (siehe Video oben). Offen für Alle.

2. Österreichische Wildwasserwoche der Naturfreunde in Obervellach vom 01.08.-08.08.20, mit Fahrten auf Wildbächen und Flüssen der Zentralalpen und der karnischen Region, Kursangebote. Teilnahmevoraussetzung ist die Naturfreudenmitgliedschaft

3. Wildwasserwoche des Kanuverbandes NRW in Lienz/Österreich vom 26.07. bis 01.08.20 auf Isel, Drau und anderen Wildflüsse in Osttirol. Zusätzliche Schulungen zum Thema Sicherheit. Offen für Alle.

13.01.2020

IN "SEENOT" - ODER WENN FELS IN WASSER MÜNDET

!!! Neues Boot im Einsatz !!!

So wenig wie man es einem Wassersportler wohl wünscht in Seenot zu geraten, so sehr sei es einem Kletterer empfohlen. Vorzugsweise am Falkenstein im Salzkammergut in Österreich. Die gleichnamige Route ist eine der beliebtesten Klettertouren am Wolfgangsee, spektakulär, landschaftlich einzigartig und ein kleines Abenteuer. 200m weiß leuchtender, kompakter Kalkstein ragen senkrecht aus dem türkisblauen Wasser – Zustieg nur mit Boot, eine ganz besondere Kombination. 
von Peggy Putzmann I Anfibio Packrafting


Vorbereitung

Das Abenteuer beginnt bereits auf dem Parkplatz in Fürberg. Neben der Kletterausrüstung liegen diesmal auch zwei Packrafts bereit, denn den Zustieg werden wir bei dieser Route mit dem Boot statt zu Fuß bewältigen. Ein Abseilen von oben zum Einstieg der Tour ist zwar prinzipiell auch möglich, allerdings steigt dann die Gefahr mit einem nassen Seil in die Route zu starten. Das wollen wir umgehen, außerdem ist auch die kleine Paddeltour von ca. 20 Minuten schon die Reise wert. Doch bevor wir ins Boot steigen, bedarf es einiger Vorbereitung. Schließlich ist der Einstieg wirklich direkt über dem Wasser, man hat keine Möglichkeit sich vorher noch einmal an Land zu sortieren. Daher ziehen wir schon am Parkplatz unsere Klettergurte und die Schwimmwesten an und verstauen die Kletterschuhe griffbereit in die DeckPacks. Das Doppelseil geben wir nochmal durch und legen die Seile getrennt in jeweils ein Boot ab. Unter den Spritzdecken der Packrafts können wir sicher sein, dass unser Kletterequipment auch trocken an der Wand ankommt. Ein Paddelbag und der Blasesack dienen als improvisierte Seilsäcke (jeweils 60m finden gut darinnen Platz) und halten die Seile im Fußraum des Bootes zusammen, als wir uns auf den Weg über den Wolfgangsee begeben.



Zustieg

Der 13km2 große See hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Touristen etabliert. Besonders Sankt Wolfgang am Nordufer wird von den rund 600.000 Touristen regelrecht überschwemmt, die jährlich auf das kleine, knapp 800-Seelendorf einströmen. Davon merkt man aber auf der weniger erschlossenen Seeseite kaum etwas. Lediglich ein paar vereinzelte Ausflugsdampfer sehen wir heute in der Ferne vorbeifahren. Auch in der Kletterwand werden wir heute den ganzen Tag allein unterwegs sein. Auf der Hinfahrt halten wir uns am Uferbereich, kommen an einzelnen Inselchen mit dem bekannten Ochsenkreuz vorbei und erreichen schließlich die ersten Felsen. Diese ca. 25m hohen Felsen dienen aber vor allem Klippenspringern hier ihrer Leidenschaft nachzugehen. Wir beobachten einige Sprünge in das Mitte September noch recht warme Wasser, bevor wir die letzten Meter zu unserer Felswand in Angriff nehmen. Um die nächste Ecke taucht sie dann auch schon überraschend nah vor uns auf. Während wir noch unseren Einstieg suchen, kribbelt es uns bereits in den Fingern als wir uns ehrfürchtig die anderen, deutlich schwereren Routen der Falkensteinwand ansehen. Für uns ist auch die Route Seenot, wohl eine der bekanntesten und lohnendsten am Falkenstein, fordernd genug.



Wasser-Fels-Wechsel

Der Einstieg ist eindeutig, zwei dicke Taue hängen vom ersten Standplatz in ca. 1,5 Metern über der Wasseroberfläche bis ins Wasser. Wir ziehen wir uns etwas abenteuerlich aus den Booten an den Felsen und machen uns startklar. Nun macht sich die gute Vorbereitung bemerkbar: wir fixieren die Packrafts mit einem Riemen an dem Tau, holen die Seilenden aus den Seilsäcken und schließen nach dem Aussteigen aus den Booten die Spritzdecken wieder vollständig. Mit einer ausgeklügelten Logistik lässt sich so der Wasserkontakt mit den Seilen weitestgehend vermeiden.



Routenverlauf

Dann geht es los und endlich dürfen wir die ersten Meter am Felsen zurücklegen. Uns erwarten rund 6 Stunden Genusskletterei durch sieben Seillängen über glatte Platten mit feinsten Reibungstritten. Während die Boote unter uns langsam immer kleiner werden, wird der Blick über den See und die darum liegende Bergwelt immer eindrucksvoller. Die nach Süden exponierte Wand heizt sich auch bei spätsommerlichen Temperaturen schnell auf und wir sind froh, ausreichend Getränke mitgenommen zu haben.



Mit der dritten Seillänge erreichen wir dann die Schlüsselstelle der Tour. Sie beginnt mit einer zunächst klettertechnisch leichten, sanft auf- und absteigenden Querung. Am markanten Baum auf der Hälfte des Weges, steigen wir direkt weiter. Empfehlenswert ist hier allerdings ein Nachholen, da wir im zweiten, anspruchsvolleren Teil mit zunehmender Seilreibung zu kämpfen haben. Doch die Schlüsselstelle ist bestens abgesichert und auch den Griffen wurde durch ein gebohrtes Loch etwas nachgeholfen.

Und es bleibt nicht bei dieser einen Stelle, die künstlich unterstützt wurde. Der teilweise doch etwas übertriebene Einsatz künstlicher Tritt- und Griffhilfen sorgt auch in diversen Kletterforen immer wieder für kontroverse Diskussionen. Spätestens in der 6. Seillänge, einer überhängenden glatten Wand mit reichlichen künstlichen Griffen gespickt, sind wir dann aber doch froh über jede Hilfe. 
Die siebte und letzte Seillänge ist dann wieder eine leichte Genusskletterei an ausschließlich natürlichem Felsen. Die Tour weist dank der Griffe und Tritte einen recht homogenen Charakter auf und der Gesamteindruck mit den schönen Platten und den großen natürlichen Henkeln im festen Kalkstein bleibt uns vordergründig in Erinnerung. 



Abstieg

Oben angekommen suchen wir den etwas versteckten Weg zur Abseilpiste. Dank des Doppelseils sind wir bereits nach viermaligem Abseilen wieder an den Booten. Wir positionieren die Packrafts so, dass das abgezogene Seil möglichst auf den Booten statt im Wasser landet. Durch etwas Gestrüpp in direkter Falllinie des Seils, lässt es sich erstaunlich dosiert abziehen und wir können mit größtenteils trockenem Equipment im Halbdunkel zurückpaddeln.

Tipps für eine gelungene Wasser-Fels-Kombination
  • Nicht nur dem Routenverlauf am Felsen sollte man seine Aufmerksamkeit schenken, auch dem Wasserweg sollte man sich mit Hinblick auf mögliche Gefahrenquellen widmen.  
  • Wie der Klettergurt zum Klettern gehört, so gehört auch die Schwimmweste zum Paddeln. Auch bei einer kurzen Zufahrt, geht Sicherheit vor! Gerade schwer behangen mit allerhand Exen ist man mit ausreichend Auftrieb auf der sicheren Seite.
  • Vorbereitung ist das A und O: Auf den ersten Blick passen ja Wasser und Klettern nicht so richtig zusammen. Denn vor allem das Seil sollte nicht nass werden, da es sonst schwer, schlechter händelbar und weniger dehnfähig wird. Somit erhöht sich das Risiko von Verletzungen bei Stürzen. Um das zu vermeiden, sollte man sich schon an Land beim Beladen der Boote genau überlegen, wie der Wasserstart in die Route am besten gelingt.
  • DeckPack fürs Wasser, Daypack für die Wand: Während des Paddelns sorgen wasserdichte Taschen und ggf. eine Spritzdecke für eine trockene Ausrüstung. Doch für Routen dieser Länge sollte auch nicht die gesamte Tagesverpflegung im Boot zurückbleiben. Vor allem ausreichend Getränke gehören mit in die Wand. Am Wandfuß dagegen dürfen Bootszubehör, wie Schwimmweste, Paddel oder Wechselschuhe bleiben. 
  • Paddeln – Sichern – Klettern – Sichern – Klettern – … – Abseilen – Paddeln, dass ist ganz schön Arm lastig. Auch wenn die Tour für alpine Verhältnisse sicherlich noch zu den kürzeren Routenverläufen zählt, sollte man die Gesamtanforderung nicht unterschätzen. Für besonders versierte Kletterer bietet die Falkensteinwand dagegen noch vielzählige Möglichkeiten sich an schwereren Routen auszutoben.




Eckdaten: Seenot – Falkenstein

Ausgangsort: Fürberg
Zufahrt mit Boot: ca. 20 min
Kletterhöhenmeter: 200m
Seillängen: 7
Schwierigkeitsgrad (UIAA): 7-
Absicherung: sehr gut mit Bohrhaken
Exposition: Süden
Berg: Falkenstein 717m

Packliste
  • 60m Doppelseil
  • 13x Expressschlingen
  • Helm
  • Kletterschuhe
  • Klettergurt mit entsprechendem Material
  • Kleiner Tagesrucksack mit Getränken und Verpflegung
  • Stirnlampe
  • Wechselschuhe
  • Anfibio Buoy Boy (Schwimmweste)
  • Anfibio Basic (Paddle)
  • Riemen zur Bootsbefestigung
  • Blasesack
  • Paddelbag
  • Anfibio DeckPack (Tasche)
  • Anfibio Rebel 2K (Packrafts)


Fazit 

Kletterer gehören, wahrscheinlich genauso wie auch viele Wassersportler, zu einer ganz eigenen Spezies. So wie die meisten Klettersportler wohl eher der wasserscheuen Art angehören, waren wahrscheinlich auch die wenigsten Wassersportler schon einmal am scharfen Ende eines Seiles eingebunden. Und doch verbindet beide Outdoorsportarten ein entscheidendes Element: die Leidenschaft und Begeisterung zu ihrer Fortbewegungsart.